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Der Wendepunkt der Stahlgeschichte soll an der Elbe liegen. Deutschlands größter Hafen ist auch ein zentraler Umschlagplatz für Kohle aus Russland, den USA und Australien, die per Binnenschifffahrt und Bahn an mehrere Stahlproduzenten geliefert wird.
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Der Wendepunkt der Stahlgeschichte soll an der Elbe liegen. Deutschlands größter Hafen ist auch ein zentraler Umschlagplatz für Kohle aus Russland, den USA und Australien, die per Binnenschifffahrt und Bahn an mehrere Stahlproduzenten geliefert wird.

Technologie

Die Hoffnung auf sauberen Stahl

  • VonHermannus Pfeiffer
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Metallkonzern Arcelor-Mittal will mit neuer Produktionstechnik Vorreiter werden – in Hamburg.

Stahl ist ein Klimakiller. Eigentlich. Für die Herstellung werden riesige Mengen an Energie benötigt. Der Strom, den beispielsweise der internationale Stahlkonzern Arcelor-Mittal für seine vier Werke in Deutschland nutzt, entspricht in etwa dem Verbrauch der Stadt Frankfurt im ersten Halbjahr. Außerdem werden je Tonne Rohstahl 1,5 Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen. Doch Stahl ist zugleich notwendig für die Energie- und Klimawende: Als Werkstoff wird er beispielsweise für Windkraftanlagen oder den Leichtbau in der Automobilindustrie gebraucht. Vor diesem paradoxen Hintergrund hat sich Arcelor-Mittal das Ziel gesetzt, zukünftig als Erster in der Branche „grünen“ Stahl zu erzeugen. Für dessen Herstellung, so ein Sprecher des weltgrößten Produzenten, wird dann „fast kein CO2“ mehr anfallen.

Der Wendepunkt der Stahlgeschichte soll an der Elbe liegen. Deutschlands größter Hafen ist auch ein zentraler Umschlagplatz für Kohle aus Russland, den USA und Australien, die per Binnenschifffahrt und Bahn an mehrere Stahlproduzenten geliefert wird. Diese benötigen den Brennstoff, um ihre Hochöfen auf mehr als 1000 Grad Celsius zu erhitzen. Damit kann aus Eisenerz Roheisen geschmolzen werden, welches dann mit Hilfe von Sauerstoff weiter gereinigt wird – zu Stahl. Bei diesem klassischen Verfahren entstehen trotz einer Vielzahl an Verbesserungen heute immer noch große Mengen an CO2.

Statt Kohle und Sauerstoff kann allerdings Wasserstoff bei der Stahlgewinnung eingesetzt werden. Eigentlich. Statt des klimaaktiven Kohlendioxids entweicht dann harmloser Wasserdampf. Dazu benötigt man aber eine sogenannte DRI-Anlage. DRI steht für „Direktreduziertes Eisenerz“ (engl.: Direct Reduced Iron). Die einzige Direktreduktionsanlage in Europa arbeitet laut Firmenangaben bei Arcelor-Mittal in Hamburg.

Der frühere Eigentümer, „Stahlbaron“ Willy Korf, hatte seit 1969 die neuartige Anlage bauen lassen. Korf war eine der schillerndsten Figuren in der westdeutschen Wirtschaftsgeschichte. Ihm ging es lediglich um ein kostengünstiges und flexibles Verfahren. Doch bald könnte es zu grünen Ehren gelangen. „Korf war seiner Zeit weit voraus“, hat man bei Arcelor-Mittal erkannt. Heute beansprucht der britisch-indische Konzern eine „Vorreiterrolle“, bei der Herstellung von grünem Stahl. Bislang wird die DRI-Anlage in Hamburg allerdings noch mit „grauem“ Erdgas befeuert, zukünftig soll Wasserstoff genutzt werden. Auch in einer zweiten, größeren DRI-Anlage. Das Genehmigungsverfahren läuft. „Noch in diesem Jahr soll der Grundstein gelegt werden“, bestätigte ein Sprecher vor wenigen Tagen.

Umbau von Kohlekraftwerk

Bereits ab 2025 ist die klimaschonende Produktion von 100 000 Tonnen grünem Stahl geplant. Eigentlich. Doch dafür wird dann sehr viel Wasserstoff benötigt, und das wird nicht ohne städtische Hilfe gehen. „Wir unterstützen die Strategie von Arcelor-Mittal als einem der größten Energieverbraucher unserer Stadt“, versicherte der parteilose Senator Michael Westhagemann kürzlich. „Wir bauen in Hamburg neue Kapazitäten für grünen Wasserstoff auf“, verspricht der frühere Industriemanager. Im Gegenzug beteiligen sich Arcelor-Mittal und ein Dutzend weiterer Firmen am „Wasserstoffverbund Hamburg“. Die Stadt will mit Hilfe dieses im April gegründeten Netzwerks das kürzlich stillgelegte Kohlekraftwerk Moorburg zu einer Wasserstoffhochburg umbauen.

Am Ende könnte Arcelor-Mittal mit seinem DRI-Verfahren tatsächlich vorne liegen. Mehrere Stahlproduzenten planen inzwischen, mittelfristig einige ihrer Hochöfen auf das Direktreduktionsverfahren umzustellen. Das würde allerdings Milliardeninvestitionen von der Branche verlangen. Wirtschaftsforscher wie der frühere RWI-Professor Roland Döhrn sind zudem skeptisch, ob eine großtechnische Anwendung schnell gelingen werde. Daher wollen einige Konzerne lieber klassische Herstellungsverfahren weiterentwickeln, CO2 unter dem Meeresboden einlagern oder den Klimakiller in chemische Produkte verwandeln.

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