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In den 29 ärmsten Staaten Afrikas wurden bislang lediglich 0,2 Prozent aller Impfdosen injiziert.
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In den 29 ärmsten Staaten Afrikas wurden bislang lediglich 0,2 Prozent aller Impfdosen injiziert.

Corona-Virus

Die Herstellung von Vakzinen in Afrika wird Jahre brauchen

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Fachleute auf dem Kontinent begrüßen den Vorstoß der USA, die Patentrechte für Corona-Impfstoffe zeitweise aufzuheben, doch derzeit würde dieser Schritt nicht viel helfen.

Während die Ankündigung der US-Regierung, eine vorübergehende Aussetzung der Patentrechte bei der Herstellung von Covid-Impfstoffen zu unterstützen, in Afrika auf weite Zustimmung stieß, werden gleichzeitig Fragen laut, welchen unmittelbaren Nutzen die US-Entscheidung für den Impfstoff-Mangel auf dem Kontinent haben kann.

Matshidiso Moeti, Afrika-Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nannte die Ankündigung des Joe Bidens eine „entscheidende Wende“, die „unzählige Leben retten“ könne. „Wir hoffen, dass die Verhandlungen bei der WTO zu einem schnellen Abschluss kommen und wir mit der Herstellung von Impfstoffen in Afrika beginnen können“, sagte Moeti.

Nach WHO-Angaben wurden in Afrika bis Anfang April lediglich 24 Millionen Dosen Vakzine verabreicht – gegenüber über einer Milliarde im Rest der Welt. In den 29 ärmsten Staaten, in denen rund neun Prozent der Weltbevölkerung leben, wurden lediglich 0,2 Prozent der Impfdosen injiziert. „Die Pandemie hat gezeigt, dass die weltweite Herstellung von Impfstoffen und ihre Verteilung nicht ausreichen, um die Vakzine dorthin zu schaffen, wo sie am dringendsten gebraucht werden“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Außer von den Hamsterkäufen der Industrienationen, die ihre Bevölkerung sogar mehrfach impfen könnten, wurde Afrika auch vom Exportverbot der Regierung in Indien getroffen: In Indien wird ein Großteil der für Afrika bestimmten Covid-Vakzine hergestellt.

Fachleute warnen allerdings davor, in die eventuelle Aussetzung der Patentrechte zu große Hoffnungen zu setzen. Einerseits wird auf den anhaltenden Widerstand von Staaten wie Deutschland oder die Schweiz verwiesen, andererseits auf die vermutlich langwierigen Verhandlungen innerhalb der Welthandelsorganisation WTO, die über die Aussetzung – möglichst einstimmig – entscheiden muss. Der Generalrat der WTO wird voraussichtlich Anfang Juni tagen. Ein endgültiger Beschluss der Organisation wird frühestens in einigen Wochen erwartet.

Die Regierungen Südafrikas und Indiens hatten bereits im vergangenen Oktober ihren gemeinsamen Antrag auf die Umgehung des Patentrechts eingebracht, ohne dass sich in den vergangenen sieben Monaten in dieser Frage etwas bewegt hätte.

Selbst wenn die WTO schließlich grünes Licht für eine Umgehung des Patentrechts geben würde, könnte mit der Produktion von Impfstoffen in Afrika vermutlich erst in Jahren begonnen werden. Derzeit verfügen lediglich sechs Staaten des Kontinents über Werke für Impfstoffe. Und selbst dort werden die Vakzine lediglich portioniert und verpackt. Derzeit wird nur in der südafrikanischen Hafenstadt Gqeberha (ehemals Port Elizabeth) ein Covid-Impfstoff – der US-Firma Johnson&Johnson – abgefüllt und zum Versand fertig gemacht. Südafrika hatte seit 1935 eigene Vakzine produziert, stellte 2001 die Produktion jedoch ein, weil die Impfstoffe billiger aus Indien importiert werden konnten.

Vor zwei Wochen setzte sich die Afrikanische Union (AU) zum Ziel, 60 Prozent aller auf dem Kontinent benötigten Vakzine in Afrika herzustellen – als Zeitspanne wurden allerdings 20 Jahre angesetzt. Außer Milliardensummen an Investitionen braucht der Kontinent eine Aufsichtsbehörde zur Überwachung der Medikamentenproduktion. Die AU beschloss bereits vor zwei Jahren die Gründung der „African Medicines Agency“ (AMA), doch der Beschluss wurde bisher lediglich von sechs der nötigen 15 Staaten ratifiziert.

Außerdem verfüge der Kontinent nicht über die zur Herstellung der Vakzine notwendigen Rohstoffe, gibt Francis Aboagye-Nyame, Direktor der US-Organisation „Management Sciences for Health“, zu bedenken. Schließlich müssten die Impfstoffe auch zu einem afrikanischen Verhältnissen angepassten Preis hergestellt werden. Trotz solcher Einschränkungen sind sich Fachleute in Afrika allerdings einig, dass der Schritt der Biden-Regierung eine dringend nötige grundsätzliche Debatte über die Patentrechte für lebenswichtige Medikamente ausgelöst hat.

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