Länder mit Rekord-Ausstoß

Die großen Einheizer

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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In Russland fristen erneuerbare Energien ein Schattendasein, Indien baut weiter kräftig Kohle ab.

Ob wegen starker Kohlenutzung oder vieler Einwohner: Nur fünf Länder der Erde sind zusammen für über die Hälfte des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Alle haben den Pariser Weltklimavertrag unterzeichnet, tun aber längst nicht genug, um seine Ziele zu erfüllen.

CHINA

Das Reich der Mitte heizt dem Globus ein wie kein anderes Land. Rund 27 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen auf sein Konto. Im Jahr 2008 überholte die 1,4-Milliarden-Menschen-Nation die USA, die allerdings nur ein Viertel der Einwohner haben. Der harte Lockdown wegen der Corona-Pandemie hat die Emissionen von Februar bis April um rund ein Viertel sinken lassen. Allerdings waren sie im Mai bereits wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Krise und damit höher als 2019. Für das Gesamtjahr 2020 wird sich zwar nach Schätzungen ein Rückgang ergeben, die Kurve zeigt aber weiterhin nach oben.

Peking überraschte in dieser Woche mit der Ankündigung, das Wachstum der Emissionen schon vor 2030 zu stoppen und Klimaneutralität „vor“ 2060 zu erreichen. Vorher sollte 2030 das Jahr des „Peaks“ sein. Um ihn vorzuziehen, muss die Regierung vor allem schneller aus der Kohle aussteigen. China ist bereits heute Weltmeister bei der Installation von Solar- und Windenergie. CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr: 8,0 Tonnen.

USA

Das Land ist, gemessen am Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 von 16,1 Tonnen pro Jahr, großer Klimasünder. Unter den Industrieländern liegt nur Australien (16,8 Tonnen) davor. Trotzdem lehnt US-Präsident Donald Trump einen Ausstieg aus den fossilen Energien ab, er erklärte sogar den Ausstieg der USA aus dem Weltklimaabkommen von Paris.

Anders als angesichts dieser Rhetorik zu erwarten sinken die US-Emissionen seit Jahren. Vor allem der Rückgang der Kohleverbrennung trägt hierzu bei. Vor gut zehn Jahren deckte Kohle noch rund die Hälfte des Stromverbrauchs im Land, heute weniger als ein Viertel. Hinzu kommt, dass die Solar- und Windkraft weiter rasant ausgebaut werden. Eine Rolle spielt auch, dass durch den Fracking-Boom billigeres Erdgas statt Kohle genutzt wird. Und Kalifornien hat jetzt sogar das Aus für Verbrennungsmotoren bis 2035 angekündigt.

Der CO2-Ausstoß des Landes liegt 2020 nach Expertenschätzungen rund 20 Prozent niedriger als 2005, dem Basisjahr der US-Klimabilanz. Die Corona-Pandemie hat die Emissionen zuletzt zusätzlich sinken lassen. Trump hat die Krise aber dazu genutzt, unter anderem die unter Vorgänger Barack Obama eingeführten Spritsparstandards zu lockern. Anteil an den CO2-Emissionen weltweit: 13,9 Prozent.

INDIEN

Auf dem dritten Platz im unrühmlichen globalen CO2-Ranking liegt Indien, das 2018 für 6,9 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich war. Allerdings treibt bei diesem Land vor allem die hohe Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden die Emissionen in die Höhe. Der Pro-Kopf-Ausstoß liegt mit 1,9 Tonnen pro Jahr im Vergleich noch immer sehr niedrig. Zum Vergleich: Der globale Mittelwert liegt bei über vier Tonnen, ein Ölland wie Katar bringt es sogar auf 38 Tonnen.

Die Stromversorgung des Landes beruht noch zum größten Teil auf Kohle. Allerdings ging die Kohleverstromung wegen der Corona-Krise in diesem Jahr deutlich zurück, zeitweise um bis zu 30 Prozent. Der CO2-Ausstoß wird 2020 insgesamt nach Schätzungen sechs bis zehn Prozent unter dem Wert von 2019 liegen. Auch die Luftqualität verbesserte sich deutlich, so dass die Hoffnung keimte, Indien werde nach der Krise nicht einfach zur alten Normalität zurückkehren.

Das ist allerdings fraglich. Neu-Delhi hat zwar große Solar- und Windkraftprogramme aufgelegt und forciert die E-Mobilität, doch gleichzeitig sind nicht weniger als 40 neue Kohlegruben geplant, für die 170 000 Hektar Wälder gerodet werden sollen.

RUSSLAND

Das rohstoffreiche Russland ist Nummer vier unter den Klima-Einheizern – mit einem Anteil von 4,6 Prozent an den Emissionen. Der Treibhausgasausstoß liegt heute zwar rund ein Drittel unter dem Wert von 1990, doch das ist nicht einer besonders aktiven Klimapolitik geschuldet, sondern dem Exitus vieler ineffizienter Industriebetriebe nach dem Ende der Sowjetunion.

Die Experten des „Climate Action Tracker“ (CAT) erwarten, dass der CO2-Ausstoß des Landes bis 2030 nicht sinken wird, denkbar sei sogar ein Anstieg um bis zu neun Prozent. Zwar hat auch hier Covid-19 seine Spuren hinterlassen: Die Emissionen werden laut CAT 2020 um acht bis zehn Prozent niedriger liegen als im Vorjahr. Doch hat Moskau offenbar keine Ambitionen, den Post-Corona-Wiederaufbau für ein grünes Umsteuern zu nutzen.

Russland setzt laut der jüngst verabschiedeten Energiestrategie weiter auf den Export von Erdöl und Erdgas, um Einnahmen zu generieren. Die erneuerbaren Energien fristen ein Schattendasein. Dabei wird Russland die Folgen des Klimawandels stark zu spüren bekommen. Der Rechnungshof erwartet, dass dadurch bereits 2030 die Wirtschaftsleistung des Landes um bis zu drei Prozent niedriger sein könnte. Pro-Kopf-CO2-Emissionen im Jahr: 10,6 Tonnen

JAPAN

Japan ist mit einem Emissionsanteil von 3,2 Prozent Nummer fünf unter den Klimasündern, vor Deutschland, das mit zwei Prozent auf Platz sechs folgt. Der Pro-Kopf-Ausstoß ist in dem energiearmen Land, das viel Kohle und Erdgas importiert, ähnlich hoch wie in der Bundesrepublik.

Gemessen an seinen eigenen Zielen steht Japan gut da. Im vergangenen Jahrzehnt sanken die Emissionen kontinuierlich um über 2,5 Prozent pro Jahr. 2030 könnten sie mit den bisher ergriffenen Maßnahmen laut CAT um 18 bis 29 Prozent unter dem Wert des Basisjahrs 1990 liegen. Damit wären die angepeilten minus 15 Prozent weit übertroffen. Das Problem: Auch die 29 Prozent würden nicht reichen, um die Anforderungen des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen. Immerhin hat Tokio in diesem Jahr beschlossen, einen Großteil der alten und ineffizienten Kohlekraftwerke bis 2030 stillzulegen. Der Ausbau der Erneuerbaren bleibt hingegen moderat; ihr Anteil soll bis dahin von 17 nur auf 22 bis 24 Prozent steigen.

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