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In Beiruts Straßen steht kaum mehr ein Stein auf dem anderen.

Augenzeugenbericht

„Die ganze Stadt sieht aus wie ein Schlachtfeld“

  • vonJuliane Schultz
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Kristof Kleemann lebt und arbeitet in Beirut und berichtet als Augenzeuge von der Explosion.

Kristof Kleemann, Leiter der libanesischen Niederlassung der Friedrich-Naumann-Stiftung, wohnt 750 Meter vom Hafen in Beirut entfernt. Noch unter Schock schildert er, wie er die verheerende Detonation in Beirut erlebt hat.

„Ich kam gerade nach Hause, als ich die erste Explosion hörte. Es fühlte sich an wie ein kleines Erdbeben“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die ganze Erde wackelte.“ Dann habe er eine Rauchwolke am Hafen gesehen. „Drei oder vier Minuten später gab es dann die ganz große Explosion. Das war wie eine Atomexplosion mit einem riesigen Pilz.“ Er sei vor der Druckwelle hinter eine Wand geflüchtet, um Schutz vor zersplitterndem Glas zu suchen. In seiner Wohnung seien alle Türen aus den Angeln gerissen worden, die Fenster seien kaputt. „Meine Wohnung ist komplett unbewohnbar.“

Viele Tote und Tausende Verletzte bei Explosion in Beirut

Rauch steigt nach einer Explosion über den Trümmern eines zerstörten Gebäudes auf. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Rauch steigt nach einer Explosion über den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in der libanesischen Hauptstadt auf. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa © Hassan Ammar
Von der Wucht der Explosion sind Autos umgekippt worden. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Von der Wucht der Explosion sind Autos umgekippt worden. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa © Hassan Ammar
Helfer tragen ein Opfer weg, während im Hintergrund Rauch aufsteigt. Foto: Hussein Malla/AP/dpa
Helfer tragen ein Opfer weg, während im Hintergrund Rauch aufsteigt. Foto: Hussein Malla/AP/dpa © Hussein Malla
Sicherheitsleute laufen zum Ort der Explosion im Hafen von Beirut, während über dem Gebäude Rauch aufsteigt. Foto: Hussein Malla/AP/dpa
Sicherheitsleute laufen zum Ort der Explosion im Hafen von Beirut, während über dem Gebäude Rauch aufsteigt. Foto: Hussein Malla/AP/dpa © Hussein Malla
Zwei Männer stehen an einer mit Trümmern übersäten Straße. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Zwei Männer stehen an einer mit Trümmern übersäten Straße. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa © Hassan Ammar
Eine Rauchwolke steht nach der Explosion am Himmel über Beirut. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Eine Rauchwolke steht nach der Explosion am Himmel über Beirut. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa © Hassan Ammar
Menschen laufen nach der Explosion über eine von Trümmern übersäte Straße. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
Menschen laufen nach der Explosion über eine von Trümmern übersäte Straße. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa © Hassan Ammar

Kleemann ist dann auf die Straße gelaufen und musste feststellen: „Die ganze Stadt und die Viertel nahe am Hafen sehen aus wie ein Schlachtfeld.“ Auf der Straße habe er viele Verletzte gesehen. Er selbst sei unverletzt geblieben, habe jedoch eine Freundin ins Krankenhaus gefahren. Dort hätten sich dramatische Szenen abgespielt. „Weil man hier mit Corona total überlastet ist, kommen die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen und haben zum Teil ihre Tore geschlossen“, erzählt Kleemann. „Sie haben keine Patienten mehr angenommen oder nur noch die, die unmittelbar Hilfe brauchten, um zu überleben. Man sah richtige Menschentrauben vor den Krankenhäusern, um an ihre Behandlung zu kommen.“

Kristof Kleemann lebt und arbeitet in Beirut. Seine Wohnung wurde komplett zerstört.

Kleemann berichtet weiter, er habe aber auch viel Solidarität beobachtet: „Die Leute haben fremde Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, bei sich aufgenommen. So funktioniert das hier, weil man sich auf die staatlichen Strukturen nicht verlassen kann.“ Es sei nicht einfach für ihn, das Gesehene zu verarbeiten.

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