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Etwas Gegenwind macht den Johnsons gar nichts aus.
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Etwas Gegenwind macht den Johnsons gar nichts aus.

Carrie Johnson

Kritik an Frau von Boris Johnson: Die unfeine englische Art

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Boris und Carrie Johnson: Wie weit reicht der Einfluss der neuen Frau Johnson auf den britischen Premierminister? Viel zu weit, wettern seine Parteifreunde.

London – Eines wenigstens widerfährt Carrie Symonds schon lang nicht mehr: gleich vorweg als blondes Dummchen abqualifiziert zu werden. Eine – mit 33 Jahren die jüngste in einer langen Reihe hübscher, junger Frauen –, die dem Charme des derzeitigen Bewohners von Downing Street 10 erliegt und von ihm alsbald wieder verstoßen wird.

Das geht schon deshalb nicht, weil Premierminister Boris Johnson mit Symonds jüngst vor den Traualtar der katholischen Kathedrale von Westminster trat. Die neue Mrs Johnson ist nur eine von drei Frauen im Königreich, mit denen der 56-Jährige bislang die Ehe einging.

Boris Johnsons neue Frau: Erinnerungen an Lady Macbeth – Shakespeare hat’s gewusst

In den Medien landauf, landab und auch weit darüber hinaus gab Johnson mit seinem kirchlichen Bekenntnis zur Mutter des gemeinsamen Sohnes Wilfred aber noch einer anderen Interpretation von Symonds’ Rolle neue Nahrung: Die politisch erfahrene Instagram-Jüngerin habe in der Downing Street eine politisch schädliche, weil viel zu einflussreiche Stellung. Tatsächlich hat Symonds Erfahrung satt als Pressechefin der Torys und PR-Beraterin konservativer Minister.

Selbst den literarisch weniger Bewanderten in Großbritannien fällt beim Stichwort politisch versierte Ehefrau sofort Shakespeares Lady Macbeth ein: die sinistre, ehrgeizige Figur, die durch ihren gefährlichen femininen Einfluss den eigentlich wohlmeinenden Gatten zu immer neuen Schandtaten antreibt. Entsprechende Anspielungen mussten und müssen sich die Angetrauten von Premiers kontinuierlich gefallen lassen, sobald nur ruchbar wird, dass sie politisch was auf dem Kasten haben oder sich wenigstens so äußern.

Boris Johnsons Beraterkreis besteht überwiegend aus Männern

Besonders hart traf das Cherie, die Frau von Labour-Premier Tony Blair, 1997 bis 2007. Sie bestand zum chauvinistischen Entsetzen darauf, als hochangesehene Kronanwältin weiterhin „Ms Booth“ zu bleiben. An Theresa Mays Ehemann Philip hingegen nahm niemand Anstoß, obwohl er eminent wichtiger, dabei stets diskreter Berater seiner Frau war, dafür sogar im vergangenen Jahr den Ritterschlag erhielt. So etwas für Gattinnen von Premierministern? Fehlanzeige.

Symonds bewegt sich also in einem noch immer ausgesprochen männlich geprägten Umfeld. Davon macht Johnson nur bedingt eine Ausnahme: Sein Beraterkreis besteht überwiegend aus Männern, von rühmlichen Ausnahmen wie der Chefstrategin Munira Mirza abgesehen.

Boris Johnson: Goldfarbene Tapeten für Dienstwohnung

Ein klassischer Macho ist vor allem Ex-Chefberater Dominic Cummings. Nach seiner Entlassung fütterte er die Medien damit, dass Symonds und Johnson umgerechnet 67.000 Euro zusätzlich zu den staatlich erlaubten 35.000 für die Umgestaltung der Dienstwohnung ausgaben, unter anderem für goldfarbene Tapeten. Offenbar sollte die Rechnung aus einem geheimen Fonds für Parteispenden beglichen werden – was der Ethikberater der Regierung kürzlich milde als „unklug“ tadelte.

Neben dieser echten Peinlichkeit verbreitete Cummings allerhand Unbewiesenes oder Krudes: Die seinerzeit nur Verlobte des Premiers habe Freunde in einflussreiche Positionen gehievt, durch ihre Schwangerschaft Johnson vom Kampf gegen Corona abgelenkt, wegen einer Geschichte über ihren Hund die Pressestelle der Downing Street verrückt gemacht. Verrückt sei nicht Symonds, findet die „Telegraph“-Kolumnistin Bryony Gordon: „Verrückt ist die schamlose Frauenfeindlichkeit, die offenbar so normal ist, dass sie kaum jemandem auffällt.“

Boris Johnson lassen die Angriffe gegen seine Frau kalt

Hinter den Angriffen gegen Frau Johnson vermutet Ex-Staatssekretärin Anna Soubry politische Absicht: Symonds unterstützte den Brexit und gilt als Fiskalkonservative, die aber auch die Sorge um den Klimaschutz umtreibt, die Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung will. Das alles ist den wild kapitalistischen Rechtsaußen der Torys zuwider, wie Ben Harris-Quinney vom konservativen Thinktank Bow Group bewies, als er eine „dringende Untersuchung“ von Symonds’ Rolle in der Regierungszentrale forderte.

Neben dem Misstrauen gegen eine kluge junge Frau verraten solche Bedenken das geringe Vertrauen vieler Erzkonservativer in Boris Johnson. Der setzte zwar den harten Brexit durch, fiel aber schon früher durch progressive Positionen auf, etwa bei der Emanzipation oder bei der Ehe für alle – anders hätte es der Konservative kaum geschafft, im linksliberalen London zweimal das Rathaus zu erobern. Wie großzügig die Regierung in der Pandemie an viele Berufsgruppen Staatsgeld verteilt, treibt altgedienten Thatcheristen nur noch Zornesröte ins Gesicht. Ein „pragmatischer Tory“ eben, urteilt Johnsons Biograf Andrew Gimson. Daran wird auch Mrs Johnson wenig ändern, wie groß auch immer ihr Einfluss sein mag. (Sebastian Borger)

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