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Die tieferen Bodenschichten sind immer noch viel zu trocken.
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Die tieferen Bodenschichten sind immer noch viel zu trocken.

Niederschlag

Die Böden lechzen nach Wasser

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die tieferen Schichten sind nach wie vor viel zu trocken – doch es gibt keine Aussicht auf nennenswerte Niederschläge.

Deutschland hat drei Trockenjahre hinter sich – ein außergewöhnlicher Stress besonders für die Wälder, aber auch die Landwirtschaft. Folgt mit 2021 nun ein viertes? Das ist noch unklar. Sicher ist jedoch, dass auch der viele Regen und Schnee der vergangenen Wochen den extremen Wassermangel, der sich in den Böden besonders seit 2018 aufgebaut hat, nicht ausgleichen konnten. Die tieferen Bodenschichten sind immer noch viel zu trocken.

Hoch Ilonka bringt in dieser Woche nach der scharfen Frostperiode viel Sonne und für Februar ungewöhnlich hohe Temperaturen von bis zu 20 Grad, Niederschläge sind erst mal nicht in Sicht.

Das globale Wettermodell GFS des US-Wetterdienstes zeigt in der langfristigen Prognose für den Zeitraum März bis Mai eine deutlich zu trockene Phase für ganz Westeuropa und damit auch für Deutschland. Ob erneut eine große Frühjahrstrockenheit wie in den vergangenen Jahren bevorsteht, ist noch unklar. Meteorologische Prognosen über so lange Zeiträume sind unsicher. Allerdings ist auch laut dem europäischen Wettermodell ECMWF – es gilt als verlässlicher als das US-Modell – vorerst kein nennenswerter Niederschlag zu erwarten.

Schneefälle helfen nicht

Das Problem: Um die Bodentrockenheit auszugleichen, müsste es eine mehrwöchige nasse Phase mit anhaltenden, gleichmäßigen Niederschlägen geben - am besten über zwei oder drei Monate hinweg. „Die Regen- und Schneefälle in den Wintermonaten lagen zwar leicht über dem Durchschnitt“, sagt Klimaexperte Andreas Marx vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) der Frankfurter Rundschau. „Die Dürre im Gesamtboden hat damit aber nicht wesentlich abgenommen.“ Die Niederschläge haben die tieferen Bodenschichten bisher nicht erreicht. Hinzu kommt, dass der November – normalerweise ein relativ regenreicher Monat – viel zu trocken war.

Der „Dürremonitor“ des UFZ zeigt die aktuelle Lage. Die Grafik zum „pflanzenverfügbaren Wasser bis 25 Zentimeter“ – wichtig vor allem für die Landwirtschaft – ist durchweg blau und dunkelblau eingefärbt. Das heißt: gute bis sehr gute Sättigung mit Wasser. Ganz anders der „Dürremonitor Gesamtboden“, der die Situation in etwa 1,80 Metern Tiefe darstellt. Fast alle Regionen des Bundesgebiets fallen in eine der fünf Trockenheitskategorien von „ungewöhnlich trocken“ bis zur Extrembewertung „außergewöhnliche Dürre“. Ausnahmen bilden unter anderem das Alpenvorland und Teile des westlichen Niedersachsens.

Auch die starken Niederschläge und die zum Teil ungewöhnlich intensiven Schneefälle der vergangenen Wochen, die nun wegen der hohen Temperaturen schnell tauen, haben kaum etwas daran geändert. Der Grund: Das Wasser sickert insbesondere in ausgetrockneten Bodenschichten nur langsam nach unten. „Der Zustand des Gesamtbodens kann ohne weiteres sehr trocken sein, obwohl die Oberfläche matschig ist und Pfützen an der Oberfläche stehen“, erläutert Marx.

Fostig-Warm

Der Februar überrascht mit seinen Wetterextremen. In der ersten Monatshälfte gab es bundesweit eine Winterwoche mit sehr tiefen Temperaturen und teilweise ungewohnt viel Schnee. Nachts sanken die Werte auf bis zu minus 27 Grad.

In dieser Woche erreichen die Höchsttemperaturen teilweise mehr als 20 Grad plus. Zur Halbzeit war der Februar um rund drei Grad kälter als der Durchschnitt der Klima-Vergleichsperiode – den Jahren 1961 bis 1990 –, inzwischen ist diese Abweichung durch die warmen Tage bereits deutlich geschmolzen.
Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach erwartet, dass der Februar am Monatsende sogar deutlich im Plus liegen wird. Damit dürfte der meteorologische Winter 2020/21 insgesamt zu warm gewesen sein, denn auch Dezember und Januar lagen über dem Durchschnitt.

Der Temperaturrekord für einen Februartag in Deutschland stammt allerdings aus dem Jahr 1900: In Jena in Thüringen wurden 23,1 Grad gemessen. Damals gab es aber nur ein kurze Wärmespitze, in diesem Jahr hingegen bleibt es für mehrere Tage ungewöhnlich warm. jw

Auch der nun tauende Schnee helfe meist nur wenig, so der Experte. Er habe zwar eine große Masse, die darin gespeicherten Wassermengen seien allerdings relativ gering. Ein weiteres Paradoxon: Es könnten sogar Hochwasserlagen bei gleichzeitiger Dürre im Gesamtboden entstehen. Marx: „Wenn viel Wasser in den Flüssen ist, bedeutet das, dass das Wasser nicht in den Boden eingedrungen ist und die Feuchtigkeit darin erhöht hat.“ Es konnte nicht schnell genug in den Boden einsickern, es läuft dann besonders in bergigen Regionen schnell zu den Flüssen ab.

Marx betont: „Die Dürrelage ist außergewöhnlich.“ Es habe seit Beginn der Aufzeichnungen durchaus schon Jahre mit praktisch flächendeckend starker Trockenheit in Deutschland gegeben, etwa 1951 oder 1976. Aber die Dürre sei dann im nachfolgenden Jahr wieder ausgeglichen worden. Für die Zukunft sind Prognosen in diesem Zusammenhang nicht rosig – wegen des Klimawandels. „Die Temperaturen steigen weiter, und es wird mehr Hitzewellen geben“, so der Experte. Das erhöhe die Verdunstung von Wasser aus den Böden - und zwar sogar exponentiell. Will sagen: Selbst bei normalem Niederschlag ergäbe sich daraus eine Tendenz zu mehr Trockenheit.

Eine Prognose, wie sich die Dürrelage entwickeln wird, mag Marx derzeit nicht abgeben. „Statistisch spricht alles dafür, dass wieder eine Gegentendenz kommen muss“, sagt er. Doch mit dieser Aussage habe er schon in den vergangenen zwei Jahren falsch gelegen, es wurde noch trockener.

Für die Landwirtschaft wäre ein erneutes Trockenjahr kritisch, denn es wäre das vierte Jahr mit unter dem Strich unterdurchschnittlichen Erträgen. Im Jahr 2018 war der Oberboden, der für den Anbau relevant ist, praktisch bundesweit zu trocken – bei vielen Kulturen gab es Ausfälle. 2019 traf es vor allem den Nordosten der Republik, während es im Südwesten sogar teils überdurchschnittliche Erträge gab. Ähnlich divers war die Situation 2020: In vielen Regionen regnete es von Mitte März bis Mitte Mai fast gar nicht, in anderen aber ausreichend.

Aber auch den Wald träfe ein neues Trockenjahr hart. Bundesweit sind in den vergangenen Jahren rund 285 000 Hektar abgestorben, wegen Wassermangels und der Invasion von Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Bäume ziehen ihr Wasser vor allem aus den tieferen Bodenschichten. Hoffnung macht hier allenfalls, dass der Oberboden derzeit feucht ist und nachgepflanzte Jungbäume aktuell nicht in der Gefahr sind, zu vertrocknen. Außerdem dürfte der strenge Frost der vergangenen Wochen die Borkenkäfer-Populationen dezimiert haben.

Prognosen im April möglich

Ob das vierte Trockenjahr droht oder nicht, wird man vielleicht im April genauer wissen. Forscher zweier Helmholtz-Zentren, dem UFZ und dem Alfred-Wegner-Institut in Bremerhaven, haben unlängst nämlich herausgefunden, dass in Mitteleuropa die Temperatur- und Niederschlagsmuster in diesem Monat maßgeblich darüber entscheiden, ob die Böden im anschließenden Sommer überdurchschnittlich trocken sind oder nicht. Denn: Ist der April zu warm und niederschlagsarm, verdunstet ein so großer Teil der im Erdreich gespeicherten Feuchtigkeit, dass eine Sommerdürre sehr wahrscheinlich wird.

Eine Ursache für die in den vergangenen Jahren häufiger aufgetretene April-Trockenheit und die damit steigende Dürregefahr hat das Team ebenfalls identifiziert: Abnehmende Temperaturunterschiede zwischen der Arktis und den mittleren Breiten führen in diesem Monat zu einer Verlagerung des Starkwindbandes Jetstream, die zur Herausbildung eines blockierenden Hochdrucksystems über der Nordsee und Teilen Deutschlands führt. Dieses wiederum beschert Mitteleuropa dann viel zu warmes und trockenes Aprilwetter.

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