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Coronavirus

Die Binnenmigration wird zum großen Problem

  • Ulrich Krökel
    VonUlrich Krökel
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Abwanderung von medizinischem Personal verschlimmert die Corona-Situation in den östlichen Ländern der EU.

Im Mai 2020 verkündete Ungarns Regierungschef Viktor Orban: „Wir haben das Virus besiegt.“ Vorausgegangen war ein harter Lockdown. Inzwischen muss auch Orban zur Kenntnis nehmen: Nichts ist vorbei. Heute steht Ungarn bei den Todeszahlen, gemessen an der Bevölkerungsgröße, weltweit an dritter Stelle. Die Quote beläuft sich auf 2,61 Covid-19-Tote pro tausend Einwohner:innen. In Deutschland sind es 0,95. Schlechter als Ungarn ist nur der traurige „Weltmeister“ Tschechien mit 2,65.

Sogar im Wirtschaftswunderland Polen ist die Pandemiebilanz verheerend. Dabei hatte die Regierung viel Geld in die Hand genommen, Beatmungsgeräte gekauft und im Warschauer Nationalstadion eine Corona-Klinik errichtet. Der Virologe Wlodzimierz Gut urteilte im Sommer 2020: „Wir waren erfolgreich.“ Doch dann rollte die zweite Welle heran. Im Herbst erreichte die Übersterblichkeit in Polen mit 97,2 Prozent den höchsten Wert in der EU.

Das vielleicht Schlimmste daran: Die hohen Todeszahlen waren keineswegs nur auf Covid-19 zurückzuführen. Viele Patient:innen, die an anderen Krankheiten litten, gingen aus Angst vor einer Corona-Ansteckung nicht zu Ärzt:innen. Das hatte mit dem fehlenden Vertrauen in das Gesundheitssystem zu tun. Tatsächlich hat Polen die geringste Versorgungsdichte in der EU. Und bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf lag Polen vor Pandemiebeginn auf dem fünftletzten Platz in der EU.

Die logische Konsequenz ist seit vielen Jahren die gleiche: Schlecht bezahlte Ärzt:innen und Pflegekräfte wandern ab. Fachleute sprechen von einem „Brain Drain“, dem Verlust der besten Köpfe durch Migration. Wegen der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU hat der „Brain Drain“ in den östlichen Mitgliedsstaaten dramatische Ausmaße angenommen. Unter dem Strich macht die Pandemie einmal mehr sichtbar, was der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev unter dem Schlagwort „Migration als Kapitulation“ zusammenfasst: Menschen gehen weg, weil sie sich als Verlierer:innen fühlen und nicht mehr an ein gutes Leben im eigenen Land glauben.

„In einer Welt offener Grenzen stehen die mittel- und osteuropäischen Länder heute vor derselben Bedrohung wie die DDR vor dem Mauerbau“, sagt Krastev. Auf Dauer hält er die Binnenmigration für das größte Problem in der EU. Nicht zuletzt resultiert daraus der neue Nationalismus im Osten, für den Orban steht. Kein Wunder also, dass sich der Premier auch bei den Corona-Impfungen früh für einen Alleingang entschied. Nach einer Notfallzulassung kommen in Ungarn seit Februar der russische Impfstoff Sputnik V und Sinopharm aus China zum Einsatz. Die Folge: Bei der Impfquote belegt Ungarn weltweit den sechsten Platz. Zu Ostern sagte Orban: „Die Auferstehung ist der Sieg über den Tod. Wir stehen jetzt vor dem Tor des Sieges.“

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