+
Nach der Zerschlagung der mutmaßlichen rechten Terrorzelle sind die ersten Festgenommenen in Karlsruhe zu Haftrichtern gebracht worden.

Rechtsterrorismus

Ein dichtes Geflecht im braunen Sumpf

  • schließen

Die Terrorverdächtigen der mutmaßlich rechtsterroristischen „Gruppe S.“ sind offenbar tief verwurzelt in der Neonazi-Szene. Unter ihren Facebook-Kontakten sind mehrere AfD-Mitglieder.

Sie träumen von Odin, Walhall und dem Großdeutschen Reich. Nun werden immer mehr Einzelheiten der mutmaßlich rechtsterroristischen „Gruppe S.“ bekannt. Der entscheidende Hinweis, der zur ihrer Zerschlagung führte, stammte nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) von einem Mitglied des fünfköpfigen „harten Kerns“ der Gruppe. Er gab wichtige Details an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg weiter, wie das RND aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Nach bundesweiten Razzien gegen die mutmaßliche Terrorgruppe hatten Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof (BGH) am Wochenende Haftbefehle gegen zwölf Männer erlassen. Vier mutmaßliche Mitglieder und acht mutmaßliche Unterstützer, darunter ein Verwaltungsbeamter der Polizei Nordrhein-Westfalen, befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Der Generalbundesanwalt war am Freitag mit Razzien in sechs Bundesländern unter Federführung von Baden-Württemberg gegen die Gruppe vorgegangen. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen sollen Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst haben, um Chaos auszulösen und so die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik ins Wanken zu bringen. Das Vorhaben sei aber noch nicht näher konkretisiert worden.

Verbindungen von Mitgliedern der Gruppe führen tief hinein ins Milieu deutscher Neonazis. Unter den Festgenommenen befinden sich regionale Anführer der „Soldier of Odins“-Abspaltung „Vikings Security Germania“, einer deutschlandweit agierenden Neonazi-“Bürgerwehr“, die sich in Divisionen aufteilt.

Steffen B. stammte aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt. Bei ihm fanden Ermittler eine selbst gebaute „Slam Gun“, eine großkalibrige selbst gebaute Waffe, wie sie auch der Halle-Attentäter Stephan B. verwendet hatte. Steffen B. teilte auf Facebook Artikel wie „Neonazis rüsten sich mit Kampfsport für den Tag X“.

Steffen B. nahm zusammen mit dem Gruppenmitglied Stefan K. aus Coswig (Sachsen-Anhalt) an einem neonazistischen Fackelmarsch der sogenannten „Bürgerinitiative Magdeburg“ teil. Beide posierten auf Facebook auf mittlerweile gelöschten Fotos in Kutten der „Vikings Security“ bei einem Rundgang durch Schönebeck am 28. April 2019. Die Facebook-Präsenz der „Vikings Security Germania Division Sachen Anhalt“ wurde inzwischen gelöscht. Steffen B. schrieb auf Facebook, es gehe um „Schutz, Ordnung und Sicherheit für Frauen, Kinder und Alte!“. K. kündigte dafür seine Unterstützung an.

Die Mitglieder und Unterstützer der „Gruppe S.“ rekrutierten sich aus dem Umfeld rechter Zusammenschlüsse wie dem „Freikorps Heimatschutz“ und dem „Freikorps Deutschland“. Werner S., Namensgeber der Gruppe, schrieb auf Facebook unter dem Alias-Namen „Werner Schmidt“. Ihm wird die Gründung der rechtsterroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Unter den 180 Facebook-Freunden des 53-Jährigen aus einer kleinen Gemeinde bei Augsburg findet sich neben zahlreichen Neonazis auch der Name des Vize-Vorsitzenden des AfD-Kreisverbandes Börde. Die Facebook-Löschung bei einem seiner Freunde kommentierte Werner S. mit den Worten: „hab’s mitbekommen, ein Witz, aber warte noch ein wenig, dann laufen diese Cretinos ohne Hände herum“.

Weitere Festgenommene sind Tony E. aus Niedersachsen. Er tritt auf Facebook unter dem Alias-Namen „UnbeugsamTony Cheguearya“ auf. Zusammen mit Thomas N. aus Nordrhein-Westfalen und Michael B. bildeten sie den „harten Kern“. Tony E. lebte in Brockhöfe bei Lüneburg in Niedersachsen. Nach seiner Hochzeit im Jahr 2014 nahm er den Nachnamen seiner Frau an. Zuvor hieß er Tony R. und bewegte sich ebenfalls in der rassistischen Bewegung „Freikorps Heimatschutz“.

In der Selbstbeschreibung des „Freikorps Heimatschutz“ heißt es: „Die Mitglieder dieser Gruppe bereiten sich auf den Tag vor, an dem es zu einem Krieg kommt und es um die Verteidigung unserer Familien und dem Vaterland geht. Die BRD Verwaltung sieht sich dafür ja nicht mehr zuständig.“ Auch in der Facebook-Freundesliste von Tony E. finden sich mehrere AfD-Mitglieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion