1. Startseite
  2. Politik

Deutschland will Handelskrieg mit USA vermeiden – und wird zunehmend nervös

Erstellt:

Von: Moritz Serif

Kommentare

Joe Biden und Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im Februar 2022.
Joe Biden und Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im Februar 2022. © IMAGO / ZUMA Wire

Deutschland befürchtet laut eines Berichts einen Abgang wichtiger Unternehmen. Grund sind Energiekostensteigerungen.

Berlin/Washington D.C. – Es verbleiben nur noch sechs Wochen, um einen transatlantischen Handelskonflikt über grüne Industrien zu vermeiden. Laut Politico ist Deutschland darüber frustriert, dass die USA kein vermittelndes Angebot machen. Man erwäge eine Antwort: europäische Subventionen.

Europas Sorgen hängen mit Amerikas 369-Milliarden-Dollar-Paket an Subventionen und Steuererleichterungen zusammen, das am 1. Januar in Kraft tritt, um grüne Unternehmen in den Vereinigten Staaten zu unterstützen. Die Europäer befürchten, dass Washingtons Maßnahmen Unternehmen dazu ermutigen werden, Investitionen aus Europa zu verlagern und, dass am Ende Kunden beim Kauf eines Elektrofahrzeugs auf „Buy American“ setzen.

Deutschland fürchtet Handelskrieg mit den USA

Das Timing dieser protektionistischen Maßnahme könnte kaum schlechter sein. Deutschland soll immer nervöser werden und fürchte laut des Berichts, dass mehrere seiner Top-Unternehmen - zum Teil durch die Energiekostensteigerungen nach Russlands Einmarsch in der Ukraine angetrieben - ihre heimischen Betriebe schließen.

Während der erste Schritt ein weitgehend symbolischer Protest bei der Welthandelsorganisation (WTO) wäre, könnte die Auseinandersetzung leicht wieder in Richtung der „Tit-for-tat“-Zollschlachten aus der Ära des früheren US-Präsidenten Donald Trump abgleiten.

Deutschland möchte einheimische grüne Champions fördern

Statt eines offenen Zollkriegs mit Amerika wird zunehmend die Option diskutiert, das klassische Regelwerk des Freihandels zu zerreißen und Washington mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Dazu sollen staatliche Mittel in die europäische Industrie fließen, um einheimische grüne Champions in Bereichen wie Solarzellen, Batterien und Wasserstoff zu fördern.

Frankreich ist seit langem der führende Befürworter einer Stärkung der europäischen Industrie durch staatliche Großzügigkeit, aber bisher wollten die eher wirtschaftsliberalen Deutschen keinen Subventionswettlauf mit Amerika starten. Die Fronten verschieben sich jedoch jetzt. Hochrangige Beamte in Berlin sagen, dass sie sich zunehmend der französischen Denkweise zuneigen, sollten die Gespräche mit den USA nicht zu einer unerwarteten Lösung in letzter Minute führen, berichtet Politico.

Industrieller Wettlauf mit den USA ist möglich

Berlin ist das wirtschaftliche Kraftzentrum des 27-Nationen-Blocks, sodass es ein entscheidender Moment wäre, falls Deutschland sich letztendlich entscheidet, seine Macht hinter den staatlich geführten Subventionsansatz für einen industriellen Wettlauf mit den USA zu stellen. (mse)

Auch interessant

Kommentare