ESA-Techniker in München: Deutschland will mehr hochqualifizierte Spezialkräfte anziehen.
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ESA-Techniker in München: Deutschland will mehr hochqualifizierte Spezialkräfte anziehen.

Studie

Deutschland ist nur „mäßig attraktiv“

  • Jan Sternberg
    vonJan Sternberg
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Für ausländische Akademiker stimmen laut einer Studie viele Rahmenbedingungen nicht.

Am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum „Fachkräftegipfel“ geladen. Ziel: Mit einer Anwerbe-Offensive mehr Hochqualifizierte nach Deutschland holen. Doch Deutschland ist für ausländische Akademiker nur „mäßig attraktiv“. Zu diesem Ergebnis kommen die „OECD Indicators of Talent Attractiveness“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung.

Im Vergleich der 36 OECD-Länder landet die Bundesrepublik lediglich auf Platz zwölf. Spitzenreiter bei den Akademikern sind Australien, Schweden und die Schweiz. Vergleichsweise gut schneidet die Bundesrepublik insbesondere bei der Gruppe der internationalen Studierenden ab – Platz drei im OECD-Vergleich – und bei jenen Zuwanderern, die ein Unternehmen gründen wollen. Hier belegt Deutschland den sechsten Platz.

Das größte Defizit in der Attraktivität für Hochqualifizierte hat Deutschland laut Studie bei den beruflichen Chancen. Diese stehen für zugewanderte Menschen – insbesondere, wenn sie einen akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Ländern mitbringen – vergleichsweise schlecht. Ausländische Akademiker arbeiten hierzulande häufig nicht in Jobs, die ihrem Qualifikationsniveau entsprechen. Während 77 Prozent der im Inland geborenen Menschen mit akademischem Abschluss in einem hoch qualifizierten Beruf arbeiten, sind es bei Zugewanderten aus Nicht-EU-Staaten mit ausländischen Abschlüssen knapp 40 Prozent. Matthias Mayer, Migrationsexperte der Bertelsmann-Stiftung, sieht in Deutschland mit Blick auf die Fachkräftesicherung noch Luft nach oben: „Viele hochqualifizierte Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland arbeiten unter ihrem Qualifikationsniveau. Das ist schlecht für die Fachkräfte, schlecht für die Volkswirtschaft und hält zudem andere gut ausgebildete Menschen davon ab, nach Deutschland zu migrieren.“

Thomas Liebig, Leitender Ökonom der Migrationsabteilung der OECD, rät Deutschland zu Reformen: „Das Erfordernis der Anerkennung der Berufsabschlüsse ist der Schwachpunkt im neuen Zuwanderungsgesetz. Die Bundesrepublik sollte die Anerkennungsverfahren für Berufe entschlacken und Alternativen erwägen.“ Er denkt dabei etwa an Turboverfahren, wie sie in Norwegen angewendet werden. Dort wird innerhalb weniger Tage evaluiert, ob Zugewanderte die für eine bestimmte Stelle erforderlichen Kompetenzen haben, ohne dass es zu einer allgemeingültigen formalen Anerkennung der Berufsqualifikation kommt.

Liebig weist zudem darauf hin, dass eine Migrationsentscheidung meist nicht nur eine Fachkraft, sondern eine ganze Familie betrifft: „Wer nach Deutschland kommt, sucht nicht nur nach Chancen für sich selbst, sondern auch für seine Familie.“ Auch Angehörige – so die Analyse im vorliegenden Policy Brief – müssten umfängliche Unterstützung bei der Integration erlangen, etwa durch Sprachkurse und langfristige Aufenthaltstitel. Die Attraktivität für Fachkräfte, so Liebig, werde auch durch die Familienpolitik stark geprägt.

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