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Deutschland liefert „Gepards“ in die Ukraine: Das kann der Panzer - das kann er nicht

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Von: Max Müller

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Der Flugabwehrkanonenpanzer Gepard von der Bundeswehr ist mit zwei 35mm Kanonen bewaffnet.
„Gepard“-Panzer können bis zu 65 km/h schnell fahren. (Archivfoto) © Sven Eckelkamp/Imago

„Gepard“-Panzer aus Deutschland sollen die Ukraine im Kampf gegen Russland unterstützen. Doch wie können die bei der Bundeswehr ausrangierten Kampfpanzer überhaupt helfen?

Frankfurt - Wochenlang wurde über eine mögliche Lieferung deutscher Panzer in die Ukraine gestritten. Am Dienstag (26. April) dann die Entscheidung: Es wird nicht der Leopard, auch nicht der Marder, sondern der „Gepard“-Panzer. Der „Gepard“ hat eine lange Tradition in der Bundeswehr, die bis zum Produktionsstart in den 1970er Jahren zurückreicht.  

Hergestellt wird der Panzer vom Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann. Das Unternehmen aus München erhält grünes Licht für den Verkauf von „Gepard“-Panzern aus früheren Bundeswehr-Beständen. Sie sollen im Ukraine-Konflikt gegen Russland eingesetzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung für die Panzer aufkommt. Sie können auch im Kampf gegen Bodenziele eingesetzt werden. „Der Gepard ist genau das, was die Ukraine jetzt braucht, um den Luftraum zu sichern vom Boden aus“, sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) im rheinland-pfälzischen Ramstein, auf dem Luftwaffenstützpunkt der USA.

„Gepard“-Panzer wird nicht an der vordersten Front eingesetzt

NameGepard-Flugabwehrpanzer
Gewicht47,5 Tonnen
Größe7,68 Meter lang, 3,27 Meter breit, 3,29 Meter hoch
Höchstgeschwindigkeit auf der Straße65 km/h
HerstellerKrauss-Maffei Wegmann

Im Kampf werden die Panzer laut einem Bericht des „Spiegel“ in der zweiten Reihe, hinter den Kampf- und Schützenpanzern eingesetzt. Sie sollen die erste Linie mit ihren Flugabwehrkanonen (der „Gepard“ wird auch Flakpanzer genannt) gegen Beschuss aus der Luft verteidigen. Dazu sind auf den Gepard-Panzern je zwei Maschinenkanonen für 35-Millimeter-Geschosse verbaut. Das Fahrgestell ist zu großen Teilen identisch mit dem des Kampfpanzers Leopard 1. Vor allem gegen Tiefflieger und gepanzerte Kampfhubschrauber sowjetischer Bauart sollte sich der Gepard richten, kann aber auch Bodenziele angreifen. Ziele können in bis zu sechs Kilometern Entfernung getroffen treffen.

In der Bundeswehr ist das „Gepard“-System seit zehn Jahren komplett ausrangiert, bei den NATO-Partnern Belgien und den Niederlanden sogar noch länger. Insofern stellt sich natürlich die Frage: Was kann die Ukraine mit den Flakpanzern überhaupt noch anfangen? Das komme enorm darauf an, in welchem Zustand die gelieferten Panzer sind, sagen Experten wie der Oberst a.D. Wolfgang Richter gegenüber der ARD. „Das (Anmerkung: die Überprüfung) wird nicht in wenigen Tagen gehen, sondern voraussichtlich Wochen dauern.“ Weitere Probleme drohen, weil das System des „Gepard“-Panzers als eines der komplexesten und ausbildungsintensivsten überhaupt gilt.

„Gepard“-Panzer: Lange Schulungszeit und fehlende Munition könnten problematisch werden

Die ukrainische Armee verfügt bereits über stationäre Flugabwehrsysteme für große Höhen. Die Erfahrung damit könnte die nötige Schulungszeit verkürzen, schreibt der „Spiegel“. Als größtes Problem bliebe dann aber immer noch, die Informationstechnik anzugleichen. Und es muss sichergestellt werden, dass der Nachschub an Munition und die Wartung sichergestellt ist. Das könnte ein Problem werden, weil die Munition aus einer Produktion in der Schweiz stammt, von der inzwischen zu Rheinmetall gehörenden Firma Oerlikon Contraves. Im Fall des Schützenpanzers Marder verbot die Schweiz eine Weitergabe an die Ukraine.

Deutsche Rüstungsunternehmen bieten indes die Lieferung weiterer schwerer Waffen an. Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall offeriert 88 gebrauchte Leopard-Kampfpanzer, wie aus Unterlagen hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Der Bundesregierung liegt ein weiterer Rheinmetall-Antrag vor, 100 Marder-Schützenpanzer liefern zu dürfen. Laut „Welt“ will Krauss-Maffei Wegmann zudem 100 Panzerhaubitzen 2000 liefern. Der polnische Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek forderte am Dienstag (26. April), dass die Bundesregierung auch für diese Anträge grünes Licht gibt. „Die Gepard-Panzer reichen nicht aus. Wir machen mehr als Deutschland, andere Länder machen mehr.“ (Max Müller mit dpa)

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