Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Deutscher werden oder nicht? Viele Migranten müssen sich im Lauf der Zeit entscheiden.
+
Deutscher werden oder nicht? Viele Migranten müssen sich im Lauf der Zeit entscheiden.

Deutschland

Deutscher Pass? Lieber nicht!

  • Kordula Doerfler
    VonKordula Doerfler
    schließen

Immer weniger Menschen lassen sich in der Bundesrepublik einbürgern. Das liegt mal am langwierigen Amtsvorgang, mal am wenig freundlichen Empfang durch die Inländer.

Wer ist Deutsche oder Deutscher? Wer einen deutschen Pass hat, in Deutschland geboren ist oder deutsche Eltern hat? Heute halten zwei von drei Deutschen die Staatsbürgerschaft für entscheidend, also den Pass. An der in drei Wochen stattfindenden Bundestagswahl darf nur teilnehmen, wer deutscher Staatsbürger ist. Allerdings wächst die Zahl der Menschen, die teils seit vielen Jahren in Deutschland leben und nicht stimmberechtigt sind. Rund acht Millionen Erwachsene dürfen am 24. September nicht wählen.

Der Migrationsforscher Dietrich Thränhardt von der Universität Münster sieht darin ein Problem für die Demokratie, da diese Bewohner Deutschlands nicht im Bundestag repräsentiert seien und nicht demokratisch partizipieren könnten. „Es gibt 400 000 weniger Wahlberechtigte, aber zwei Millionen mehr Menschen in Deutschland als vor vier Jahren“, moniert Thränhardt. Der wichtigste Grund dafür ist, dass in Deutschland – auch im internationalen Vergleich – nur wenige Menschen eingebürgert werden. „Die Einbürgerung hält mit der Einwanderung nicht Schritt“, so Thränhardt, der am Donnerstag in Berlin gemeinsam mit anderen Migrationsexperten vor den negativen Folgen dieser Entwicklung warnte.

Schweden an der Spitze

Tatsächlich ist die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland in den letzten Jahren sogar kontinuierlich gesunken. Wurden 2001 noch etwas mehr als 178 000 Menschen Deutsche, waren es zuletzt immer nur etwas mehr als 100 000. Prozentual fällt der Rückgang noch stärker aus, weil die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer gestiegen ist – nur 1,3 Prozent von ihnen bekamen 2015 einen deutschen Pass. An der Spitze in Europa sieht die OECD Schweden (6,5 Prozent), gefolgt von Portugal (5,2 Prozent) und Italien (3,6 Prozent).

Dass nur rund 100 000 Menschen pro Jahr eingebürgert würden, sei viel zu wenig, kritisiert auch der Einbürgerungsexperte Falk Lämmermann von der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund. „Es gibt in Deutschland noch keine Kultur, bei der Einbürgerungen zum Einwanderungsprozess dazugehören“, so Lämmermann. „Wir sehen Zugewanderte noch nicht als Staatsbürger in spe.“ Beide Experten wollen eine Vereinfachung des sehr komplizierten Staatsbürgerschaftsrechts, denn Einbürgerungen beschleunigten nicht nur die Integration in den Arbeitsmarkt, sondern erhöhten auch die Bereitschaft, sich in Deutschland gesellschaftlich und politisch zu engagieren.

Schlusslicht Bayern

Interessant ist, dass es regional sehr große Unterschiede gibt. Gut schneiden Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ab, auf den letzten beiden Plätzen unter den Bundesländern liegen Berlin und Bayern. Ist es in Berlin vor allem die miserabel funktionierende öffentliche Verwaltung, liegt es in Bayern an der restriktiven Politik.

Grundsätzlich sind Einbürgerungen Sache der Kommunen. Die deutsche Staatsbürgerschaft kann bekommen, wer mindestens acht Jahre ununterbrochen hier lebt, gute Sprach- und Landeskenntnisse hat und seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das trifft derzeit für etwa 5,2 Millionen Menschen zu. Allerdings leben die meisten von ihnen bereits mehr als 20 Jahre hier oder kommen aus anderen EU-Ländern, deren Bürger den deutschen mit Ausnahme des Wahlrechts heute faktisch gleichgestellt sind. Deshalb ist bei diesen Menschen das Interesse, sich einbürgern zu lassen, eher gering, obwohl sie in der Regel problemlos eine doppelte Staatsbürgerschaft bekämen.

Besonders schnell Deutsche werden wollen dagegen Menschen aus sehr armen und kriegsgeplagten Staaten wie Syrien, Irak und Afghanistan, aber auch aus Kamerun und Nigeria, die nur wenig Hoffnung haben, in ihre Heimat zurückzukehren. Häufigstes Herkunftsland der Neudeutschen ist die Türkei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare