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Scheinheilig? Papst Franziskus feiert eine Messe zum Abschluss des Gipfeltreffens.

„Anti-Missbrauchsgipfel“

Deutsche Theologen kritisieren Franziskus

Erklärung des Papstes zum Missbrauch für Wissenschaftler und Geistliche nicht ausreichend.

Der Salzburger Theologe Hans-Joachim Sander hat die Erklärung von Papst Franziskus zum Abschluss des „Anti-Missbrauchsgipfels“ am Sonntag in Rom scharf kritisiert. Die in Aussicht gestellten Konsequenzen seien rein defensiv, schreibt Sander im „Kölner Stadt-Anzeiger“. Franziskus hatte zum Abschluss des Gipfels ein hartes Durchgreifen gegen Täter und ein Ende der Vertuschung angekündigt. Konkrete Maßnahmen für die Weltkirche nannte er aber nicht. Opferverbände reagierten enttäuscht.

Der Dogmatik-Professor Sander verglich das Agieren des Papstes mit dem Mauerbau-Projekt von US-Präsident Donald Trump. Für die Kirche sei der Notstand schon da, den Trump an der US-Grenze zu Mexiko zur Finanzierung der Mauer erst noch kreieren müsse.

„Dafür ist die Mauer des Franziskus aber auch wirklich billig. Sie erspart der Kirche alle Kosten, alle Opfer, die eine spezifische Offensive gegen die Bosheit des sexuellen Missbrauchs erfordern würde“. Sander nannte hier unter anderem eine Überprüfung der zölibatären Lebensform; eine „Durchlüftung der Verschwiegenheitsclubs älterer Männer“ und „ein Ende wenigstens der schamlos übergriffigen Teile in der katholischen Sexualmoral“. Die empörte Reaktion der Missbrauchsopfer auf die päpstliche Erklärung sei verständlich. Beteuerungen kirchlichen Respekts vor dem Leid der Opfer zum Trotz „dringen sie mit ihren Anliegen auch jetzt nicht durch, sondern stehen wieder – vor einer Mauer“.

Kritik an der Erklärung kommt auch vom Trierer Bischof Stephan Ackermann. Er hat konkrete und verbindliche Weisungen des Papstes gefordert. „Notwendig ist dazu auch ein permanentes und weltweites Controlling“, teilte der Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs mit.

Der Passauer Bischof Stefan Oster sprach sich in der „Passauer Neuen Presse“ unter anderem für eine eigene kirchliche Gerichtsbarkeit für Missbrauchsfälle aus, „damit die Verfahren für Priester nicht immer langwierig und zum Teil ergebnislos über Rom laufen müssen“.

Der Freiburger Theologieprofessor Magnus Striet schlug eine Synode aller deutschen Bistümer vor. Die Bischöfe könnten dabei mit Fachleuten und Vertretern des Kirchenvolks über offene Fragen sprechen. Nach Striets Ansicht unterstützen die deutschen Bischöfe zwar grundsätzlich den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche. „Aber viele sind erschrocken, was das konkret bedeuten würde.“ So müssten etwa die kirchlichen Aussagen zur Sexualität auf den Prüfstand – ebenso wie die Pflicht zum Zölibat. Zum Kampf gegen Missbrauch gehöre es auch, den hierarchischen Aufbau der Kirche zu überdenken. Dieser fördere zu viel angepasstes Verhalten und zu wenig Widerspruch, sagte Striet.

Auch die Bundesregierung hat sich am Montag zu den Ergebnissen des Anti-Missbrauchsgipfels geäußert. „Die Vatikan-Konferenz zum sexuellen Missbrauch kann nur ein Anfang gewesen sein“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in Berlin. „Ich erwarte von der Kirche, dass sie verlässliche dauerhafte Strukturen schafft, um Missbrauch aufzudecken, aufzuklären und möglichst zu verhindern. Und das muss schnell und konkret geschehen“, so Giffey.

Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Bundesjustizministeriums. Er rief die katholische Kirche dazu auf, alle Akten offenzulegen. Die Kirche müsse mit den Staatsanwaltschaften zusammenarbeiten. „Die Strafprozessordnung kennt keine Geheimarchive“, betonte er. Das falle „sicher nicht unter das Beichtgeheimnis“ (FR/dpa/epd/kna)

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