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US-Präsident hatte behauptet, in Deutschland steige die Kriminalitätsrate.

Straftatstatisk

Deutsche Kriminologen widerlegen Trump

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Straftatstatistiken disqualifizieren Kritik an Deutschland. Tweets des US-Präsidenten seien „Unsinn“ und „wie immer: frei erfunden“. Nur die AfD findet Trump gut.

Nachdem Donald Trump mit mehreren Äußerungen im Kurzbotschaftendienst Twitter eine hitzige Debatte über den Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität in Deutschland entfacht hat, kritisiert der Kriminologe Christian Pfeiffer den Amerikaner scharf: „Das ist absurd, was Trump da behauptet.“

Am Dienstag hatte Trump ohne Angabe von Quellen getwittert, die Kriminalität in Deutschland habe um zehn Prozent zugenommen, „seit Migranten akzeptiert wurden“. Zugleich warf er der Regierung Vertuschung vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel wies Trumps Aussagen zurück und erkannte „leicht positive Entwicklungen“ in der aktuellen Kriminalitätsstatistik vom Mai. Tatsächlich ist die Zahl der Delikte in Deutschland der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik zufolge 2017 auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren gesunken. Demnach wurden 5,76 Millionen Straftaten begangen – 9,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Dessen ungeachtet stellte sich die AfD am Mittwoch auf Trumps Seite: „US-Präsident Donald Trump ist durch seine Nachrichtendienste über die Kriminalität in Deutschland offenbar exakter informiert als die deutsche Regierung“, behauptete der stellvertretende AfD-Bundessprecher Georg Pazderski am Mittwoch.

Unsinn, sagt Pfeiffer. Die Kriminalitätsstatistik, die das Bundeskriminalamt jährlich auf Grundlage von Daten der 16 Landeskriminalämter veröffentlicht, sei valide. Sie würde regelmäßig von Experten überprüft, die eigene Daten erhöben. Pfeiffer spricht von „deutscher Gründlichkeit“.

Nicht nur im vergangenen Jahr sei die Rate insgesamt rückläufig gewesen – im Vergleich zu 2007 sei die Zahl von Gewaltdelikten um 13 Prozent gesunken. Lediglich zwischen 2014 und 2017 habe es da ein Plus von 4,4 Prozent gegeben. Das lasse sich statistisch vor allem durch den erhöhten Zuzug erklären.

Unter Tatverdächtigen ist die Rate der Zuwanderer auch überdurchschnittlich hoch. Machen Asylbewerber, Geduldete und Geflüchtete nur zwei Prozent der Bevölkerung aus, so sind in der Statistik 8,5 Prozent aller Verdächtigen Zuwanderer. Besonders hoch ist ihr Anteil bei Taschendiebstählen (31), Ladendiebstahl (14), gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung (beide 15 Prozent).

Aber auch bei diesen Zahlen warnt Pfeiffer vor pauschalen Verurteilungen: Unter den Zuwanderern seien besonders viele junge Männer, die egal welcher Herkunft immer die gewaltaffinste Gruppe ausmachten. Durch das Aufenthaltsrecht erzwungene Untätigkeit und Unterbringung auf engstem Raum begünstigten Konflikte – häufig mit anderen Flüchtlingen. Außerdem sei die Anzeigebereitschaft statistisch im Schnitt doppelt so hoch, wenn es sich um einen „ethnisch fremden“ Verdächtigen handele.

Inzwischen hätten Prävention, die Entlastung der Unterkünfte und mehr einreisende Frauen zu einer deutlichen Besserung beigetragen. Während die Flüchtlingsbevölkerung 2017 um 13,3 Prozent gewachsen sei, seien mit 5,1 Prozent zugleich weniger Zuwanderer als Verdächtige bei Gewaltdelikten ermittelt worden. Pfeiffer wertet das als „erfreuliche Entwicklung“ und „klares Signal, dass wir viel richtig gemacht haben in der Flüchtlingspolitik und der Prävention“.

US-Medien vermuten, dass sich Trump bei seinen Tweets von seinem Lieblingssender Fox inspirieren ließ. Der hatte just einen Kommentator zur Regierungskrise in Deutschland von einer steigenden Kriminalitätsrate sprechen lassen, die auf das „Migrantenproblem“ zurückzuführen sei – ohne Zahlen zu nennen. Pfeiffer kann sich die von Trump genannten zehn Prozent nur so erklären: „Wie immer: frei erfunden.“

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