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Ein Kontinent in Berlin: Angela Merkel spricht mit Ruandas Präsident Paul Kagame; neben der Kanzlerin sitzt Heinz-Walter Große, Chef der Subsahara-Initiative der deutschen Wirtschaft.

Konferenz

Deutsche Hilfe für Afrikas Märkte

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Angela Merkel greift mit der Entwicklungs- und Wirtschaftskonferenz „Compact with Africa“ ihr Herzensthema noch einmal auf.

Mitten in der marokkanischen Wüste steht eine der größten Sonnen-Energie-Fabriken der Welt: „Nooro“. Der Name ist zusammengesetzt aus dem arabischen Wort für Licht und dem Namen des Standorts Ouarzazate. Die Anlage ist 3000 Hektar groß. Gesamtleistung bislang 580 Megawatt – halb so viel wie ein kleines Atomkraftwerk.

Eine Solartechnologie, die hier im Einsatz ist, gleicht einer technischen Leistungsschau: 100 Reihen mit Parabolspiegeln bündeln Sonnenlicht, das eine Flüssigkeit erwärmt, die Wasserdampf erzeugt. Der Dampf treibt eine Turbine an. 7000 Riesenspiegel konzentrieren und reflektieren das Licht an der Spitze eines 240 Meter hohen Turms. Die Hitze wird dort über einen Wärmetauscher in den Dampfkreislauf des Kraftwerks übertragen.

Zu dem Ende 2018 fertiggestellten vierten Abschnitt von Nooro gehört auch ein konventionelles Photovoltaik-Kraftwerk, das erste dieser Größe in Marokko. In der Wüste des Landes strahlt die Sonne mehr als doppelt so intensiv wie in Deutschland. Nooro ist ausgelegt, um Energie für mindestens 1,3 Millionen Menschen zu erzeugen. Das Projekt soll helfen, Marokko unabhängiger vom Öl- und Gas- Import zu machen. Nebenbei wird der Ausstoß von 800 000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Nooro ist ein Vorzeigeprojekt, für das aber erst einmal 2,2 Milliarden Euro Startkapital nötig waren. Ein großer Teil davon kam von der EU, allein aus Deutschland 829 Millionen Euro, von der staatlichen KfW-Entwicklungsbank im Auftrag der Bundesregierung. Auch Frankreich ist beteiligt.

So zeigt die Solarfabrik in Marokko, wie es überall in Afrika funktionieren könnte. Wenn nur genug Geld europäischer und speziell deutscher Investoren fließen würde – möglichst nicht nur staatlicher: Alle Seiten würden profitieren. So sieht es jedenfalls die Bundesregierung. So sieht es Angela Merkel.

Ein Kontinent voller Chancen

An diesem Dienstag hat sich die Kanzlerin in Berlin noch einmal die ganz große Bühne geschafften, um das zu erklären. Um dafür zu werben. Als Merkel am Vormittag im Haus der Deutschen Wirtschaft ans Rednerpult tritt, hat sie nur ein paar Notizen dabei. Während ihrer Begrüßung zum Start der deutsch-afrikanischen Investorenkonferenz wirft sie oft auf einen Blick darauf. Sicher ist sicher: Die Kanzlerin will keine der Exzellenzen in der ersten Reihe unerwähnt lassen. Doch sobald sie zum wahren Thema ihrer Rede kommt, spricht sie frei und, so scheint es, voller Überzeugung.

Merkels Mission ist es, ein anderes, ein positives Bild von Afrika zu zeichnen: nicht als Problemkontinent, sondern als große Chance. Als Deutschland 2017 die Präsidentschaft über die G20 – die wichtigsten Wirtschaftsnationen – übernahm, setzte Merkel Afrika ganz nach oben auf die Agenda. Sie war schon mehr als zehn Jahre im Amt, etliche Male um den Globus geflogen – oft genug, um ein Gespür zu bekommen für Menschheitsfragen wie den Klimawandel und den ungleich verteilten Wohlstand. Als dann 2015 und 2016 Zehntausende von den Küsten Nordafrikas nach Europa aufbrachen, stand im Kanzleramt fest: Afrika wird zur Priorität der Außenpolitik. Die Zeit drängte.

Denn auf dem Kontinent vollziehen sich zwei Entwicklungen, die nicht zueinander passen: Die Bevölkerungszahl wächst. 2050 werden laut UN 2,4 Milliarden Menschen in Afrika leben – doppelt so viele wie heute. Doch das Wirtschaftswachstum hält nicht Schritt mit dem Bevölkerungswachstum.

Förderung für Investoren

Hier setzt das von Deutschland während seiner G20-Präsidentschaft nach UN-Vorbild aufgelegte Kooperationsprogramm „Compact with Africa“ an: der Pakt mit Afrika. Bisher sind zwölf afrikanische Staaten der Initiative beigetreten. Aus ihrem Kreis hat Deutschland „Reformpartnerschaften“ mit Tunesien, Ghana und Elfenbeinküste, geschlossen; Senegal, Äthiopien und Marokko sollen folgen. Die afrikanischen Staaten verpflichten sich, Korruption zu bekämpfen, eine Steuerverwaltung aufzubauen, Rechtssicherheit zu fördern – um verlässliche Investitionsstandorte zu werden.

Insgesamt stellt die Bundesregierung für Investitionen deutscher und europäischer Mittelständler in Afrika 400 Millionen Euro bereit. Weitere 400 Millionen Euro können von Afrikas Mittelständlern abgerufen werden.

Bisher aber hält sich das Interesse in Grenzen: Nur 1000 Firmen sind in Afrika engagiert. Seit Juni gingen 220 Förderanträge deutscher Mittelständler in Berlin ein. „Demnächst werden die ersten Zusagen erfolgen“, kündigt Merkel nun an.

Doch Stefan Liebing bleibt skeptisch. „Bei vielen Unternehmern hält sich hartnäckig das Klischee, in Afrika sitzen Unterernährte in Strohhütten und vegetieren ohne Strom und fließend Wasser vor sich hin“, stöhnt der Vorsitzende des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft und Chef einer Hamburger Beratungsfirma. Dabei gebe es boomende Städte mit Wolkenkratzern, funktionierende Handynetze, sanierte Straßen und Bahntrassen, eine muntere Start-up-Szene. Im Korruptionsindex von Transparency International stünden fünf afrikanische Staaten vor Italien – sind also weniger verfilzt als das EU-Mitglied.

Aber gegen die Klischees kommt er mit Argumenten oft nicht an. Die Firmen schrecken vor Investments in Afrika nach wie vor zurück. „Die Unternehmen brauchen bessere staatliche Garantie- und Absicherungsinstrumente für ihre Investitionen“, fordert er – bislang vergeblich. „Wir brauchen dieses Instrument deshalb auch für Investitionen zum Beispiel in klimafreundliche Projekte, und zwar zu günstigen Konditionen.“ Ansonsten, betont Afrika-Freund Liebing ohne jede Romantik in der Stimme, „ist die deutsche Wirtschaft in Afrika nicht konkurrenzfähig“.

Berlin will es künftig besser machen. Immerhin gehe es um die ganz großen Themen: Fluchtursachenbekämpfung, neue Märkte für die deutsche Wirtschaft, Arbeitsplätze in Afrika als Einstieg in eine lebenswertere Zukunft. Allerdings auch: Macht- und Geopolitik. Denn nicht nur Liebing und seine Kollegen leiden unter der starken, staatlichen Konkurrenz aus China und Russland, die sich in Windeseile in den afrikanischen Staaten ausbreitet. Auch die EU hat inzwischen gemerkt, dass beide Mächte so auch ihren globalen Einfluss steigern.

Peking überzieht Afrika mit einem Netz aus Flughäfen, Straßen, Eisenbahnen und Energietrassen – und zahlt den Infrastrukturausbau aus eigener Tasche. Afrikas Staaten tilgen ihre Schuld mit Loyalität – und mit Schürfrechten etwa für Kobalt, das unverzichtbar ist für die Produktion von Akkus.

Für die Europäer stellt sich indessen die Frage, welche Kompromisse sie mit den afrikanischen Partnern eingehen können, zum Beispiel mit Ägyptens Präsident Abd al-Fattah al-Sisi zum. Zu Hunderten ließ er jüngst Demonstranten wegsperren. Kritische Journalisten sind im Gefängnis oder im Exil. Ägyptens Regierung begründet ihr Vorgehen mit angeblicher „Stabilität“. Von „Stabilität“ spricht Sisi denn auch in Berlin, als er in seiner Funktion als Vorsitzender der Afrikanischen Union am Dienstag in Berlin redet. Investitionen würden dabei helfen, die Stabilität in der Region zu wahren. Und Deutschland sei für Ägypten ein wichtiger Partner.

Merkel verfolgt das mit einem freundlichem Gesicht.

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