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„Experte in Russlands Staats-TV glaubt an Krieg mit Nato

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Von: Andreas Apetz

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Im russischen Staatsfernsehen ist man sicher: Früher oder später wird man sich im Krieg mit der Nato befinden.

Moskau – Der Ukraine-Krieg hält auch gegen Jahresende unerbittlich an. Die Verluste steigen auf beiden Seiten und an vielen Orten hat sich der Konflikt zu einem langwierigen Stellungskrieg entwickelt. Das Kriegsende scheint noch lange nicht in Sicht. In diesem Punkt sind sich wohl alle Parteien einig – auch Russland. Dort heißt es sogar, man müsse sich auf einen Krieg mit der Nato im Frühjahr 2023 vorbereiten.

News zum Ukraine-Krieg: Krieg zwischen Nato und Russland soll im Frühjahr passieren

Im russischen Staatsfernsehen mangelt es nicht an polarisierenden Aussagen. Noch im Dezember forderte ein russischer Kommandeur vor laufender Kamera den Einsatz von Atomwaffen im Konflikt mit der Ukraine. Er betitelte einen Atomkrieg als „einzige Option“ für einen Sieg. Bei der Talkshow „60 minut“ des staatlich gelenkten TV-Senders Russia-1 prognostizierte Konstantin Siwkow, Militärexperte und Befürworter des Ukraine-Kriegs, einen anstehenden Konflikt zwischen Nato und Russland.

In einem Ausschnitt der Sendung, der unter anderem von Anton Geraschenko, Berater des ukrainischen Außenministeriums, auf Twitter geteilt wurde, appelliert Siwkow an die russische Regierung und fordert die Aufstockung der militärischen Kapazitäten: „Wir müssen leistungsfähigere und modernere Waffensysteme produzieren, da ein Krieg mit der Nato in naher Zukunft unvermeidbar ist.“

Nach Meinung des Experten plane das Nato-Mitglied Polen einen Angriff auf die russische Provinz Kaliningrad, welche sich zwischen der polnischen und litauischen Grenzen befindet. Die Provinz gehörte früher zu Deutschland, wurde aber am Ende des Zweiten Weltkriegs von der UdSSR annektiert. „Polen bereitet sich ganz offen darauf vor. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Konflikts ist meiner Einschätzung nach also hoch“, mutmaßt Siwkow. Der Angriff solle im Frühjahr stattfinden.

News zum Ukraine-Krieg: Geheimdienstchef amüsiert sich

Die Nachfrage des Moderators Jewgeni Popow, ob der Krieg sich dann zu einem Atomkrieg entwickle, verneinte der Militärexperte – „Nicht nuklear. Nicht unbedingt.“ Ein militärischer Konflikt sie jedoch unabdingbar. Deshalb sei es für Russland ab sofort notwendig sich auf die Produktion von Raketen zu konzentrieren.

Soldaten der Bundeswehr stehen auf der Airbase Ämari in Estland im Oktober 2022
Soldaten der Bundeswehr stehen auf der Airbase Ämari in Estland im Oktober 2022. (Archivfoto) © Christophe Gateau/dpa

Der finnische Generalmajor und ehemalige Geheimdienstchef Pekka Toveri amüsierte sich auf Twitter über die Vermutungen des russischen Militärexperten. In einem Post fragte er, wie man ernsthaft glauben könne, dass der Westen einen Krieg mit Russland plane. Dazu zählte der Finne drei Gründe auf, warum es keinen Krieg geben würde: „1. Der Westen würde problemlos gewinnen. 2. Der Westen hat kein Interesse daran, Russlands miserable Infrastruktur zu kontrollieren und sich um Millionen von Russen zu kümmern. 3. Über wen würden wir danach auf Twitter lachen?“ (aa)

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