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Trump ist auf Krawall gebürstet.

USA

Derbes vom Präsidenten

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Donald Trump schaltet in der Ukraine-Affäre auf vollen Gegenangriff.

Donald Trump wirkt in Minneapolis aufgewühlt und streitsüchtig. Die Kundgebung Minnesotas Hauptstadt am Donnerstag ist sein erster Auftritt vor der Basis seit Eröffnung der Impeachment-Untersuchungen in Washington, die gerade jeden Tage neue Puzzlesteine einer Affäre zu Tage fördern, bei der der US-Präsident sein Amt offensichtlich für innenpolitische Interessen missbraucht hat. Insofern bietet der Termin vor rund 20 000 Zuschauern eine willkommene Abwechslung. Zugleich aber ist er ein Gradmesser für die Befindlichkeit des Präsidenten und seiner Anhänger in einem traditionell demokratischen Bundesstaat, den Trump 2016 fast erobert hätte.

Trump ist auf Krawall gebürstet. „Wir haben es mit wirklich kranken und gestörten Leuten zu tun“, beschimpft er die oppositionellen Demokraten. Das ist nur der Auftakt zu einer wüsten Kaskade von Beschimpfungen, in deren Verlauf Ex-Vizepräsident Joe Biden unterstellt wird, er habe es „verstanden, den Arsch von Barack Obama zu küssen“. Das sind ziemlich derbe Worte. Die Botschaft aber ist klar: Mit ihrem Impeachment-Verfahren sind die Demokraten hingegen „auf einem Kreuzzug, unsere Demokratie zu zerstören“. Nicht er habe etwas falsch gemacht, als er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einer Schmutzkampagne gegen seinen Rivalen Biden nötigen wollte. Vielmehr müsse gegen Biden ermittelt werden. Im Jubel wird von den Rängen „Sperr ihn ein!“ skandiert.

Das ist auf Hunter Biden, den Sohn des derzeitigen demokratischen Präsidentschaftsfavoriten gemünzt, weil dieser für ein ukrainisches Gas-Unternehmen gearbeitet hat, ohne dass ihm Verfehlungen nachgewiesen wurden.

Nicht alle Zuschauer würden wohl jedes Wort unterschreiben. Aber die Ukraine-Affäre wird Trump von seine Anhängern nicht angekreidet. „Das Impeachment ist eine Krise für drei Wochen“, sagt Rentner Greg: „Die Demokraten jagen jede Woche eine neue Sau durchs Dorf.“ Er werde im November 2020 erneut für Trump stimmen: „Er hat viele Jobs geschaffen, und die Wirtschaft läuft prima.“ Trump legt bald das Manuskript beiseite, und es folgt ein atemberaubender Gedankenstrom, der keiner inneren Logik zu folgen scheint.

Von den angeblich gefälschten Umfragen geht es über die Medien und Repräsentantenhaus-Sprecherin Nancy Pelosi bis nach Syrien, wo Trump nun einen Waffenstillstand vermitteln will.

Das alles wirkt durch Trumps Grimassen noch wunderlicher. Doch vom Publikum gibt es viel Beifall, wenn Trump die Schlagwörter „Sozialismus“, „Abtreibung“ oder „Recht auf Waffen“ einfließen lässt, die im Zentrum seines Kulturkampfes stehen. „Ich bin für Migration, aber es muss legal sein“, sagt auch Besucherin Char LecronUnd in einem sozialistischen Land – nein, da möchte sie ganz sicher nicht leben. Also wird sie wohl wieder für Trump stimmen, obwohl sie den Hass und die Polarisierung im Land nicht gutfindet. Ein Widerspruch? Nicht für die 52-Jährige: „Für das verdorbene Klima ist nicht Trump verantwortlich. Das ist die Schuld der Medien.“

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