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Dassault-Aviation-Chef Eric Trappier vor einem Modell des FCAS-Fliegers. Er ist eine treibende Kraft hinter dem Projekt.
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Dassault-Aviation-Chef Eric Trappier vor einem Modell des FCAS-Fliegers. Er ist eine treibende Kraft hinter dem Projekt.

Rüstung

EU-Rüstungsprojekt FCAS: Der Wettlauf des Sisyphos

  • Peter Rutkowski
    VonPeter Rutkowski
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Das Rüstungsprojekt FCAS wird mutmaßlich mehr als eine halbe Billion Euro verschlingen. Und bei Indienststellung 2040 veraltet sein. Das liegt ans systemischen Fehlern.

Frankreich, Deutschland und Spanien (in der Abfolge, das ist wichtig) suchen Ersatz für die Kampfflugzeuge in ihren Arsenalen. Ihre Lösung heißt „Future Combat Air System“, abgekürzt FCAS. Das übliche Rüstungsprojekt? Kaum. FCAS wirft fast alle bisherigen Regeln über den Haufen und folgt anderen gleichzeitig sklavisch genau. Und kommt am Ende zu spät für alles.

Um was geht es? Für FCAS wird seit 2019 (siehe obiges Bild) gerne mit einem extrem schnittigen Modell eines Kampfflugzeugs geworben. Das ist ein Teil des Systems: Der, der die Pilot:innen zu ihren Zielen trägt, wo sie Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen auslösen können. Inklusive Nuklear-Sprengkörpern. Bedeutsamer ist der „kleinere“ Teil des FCAS, die „Remote Carriers“, ein ganzer Schwarm von autonom operationsfähigen Drohnen, die mit dem Kampfbomber zusammen in den Einsatz gehen.

Was sollen die Drohnen? Um das Ganze spielerischer und moderner zu verbalisieren, spricht man beim Drohnenschwarm von einer „Combat Cloud“. Die unbemannten Fluggeräte umgeben den Kampfflieger in variierender Formation und können von der Crew dirigiert werden. Oder sie folgen ihrem Einsatzprogramm bis auf Widerruf. Deshalb ist der Zusatz „autonom“ wichtig. Das sind nicht mehr die ferngelenkten einzelnen Beobachtungs- oder Killerdrohnen, die man aus dem Krieg gegen den Terror kennt. Sie sind aufeinander, auf den bemannten Flieger und auf ihr Ziel abgestimmt. Wie üblich für Drohnen, können sie bewaffnet oder unbewaffnet sein, quasi Wache oder Aufklärer für den Flieger sein. Auch seine Rettung.

Wie weit geht die Autonomie? Im Gegensatz zu den immer bemühteren Werbeparolen von der „Künstlichen Intelligenz“ bleiben Drohnen immer exakt so dumm, wie ihre Programmierung es vorschreibt. Sie können nicht mehr einschätzen, als in ihnen gespeichert ist. Kritische Bewertungen und dem Programm gegenläufige Entscheidungen sind unmöglich.

Wofür braucht es die Wolke? Die „Cloud“ klingt neu, ist aber mehr als 100 Jahre alt. Die ersten gelenkten Luftfahrzeuge der Militärgeschichte waren Flugzeuge, die feindliche Stellungen auskundschaften sollten. Als andere Flieger sie angriffen, erhielten die Beobachter fliegerischen Begleitschutz. Im Zweiten Weltkrieg setzte sich das fort als Schwärme von Jagdeinsitzern, die Bomber gegen feindliche Jäger verteidigten. Danach versuchte man, Kampfflieger alleine mit immer mehr Waffentypen rundum verteidigungsfähig zu machen. Heute müssen Pilot:innen in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen. Im digitalen Zeitalter wird die Zeit dafür noch geringer. Aufgaben in digital gelenkte „Remote Carriers“ auszulagern, scheint eine technisch logische Konsequenz.

Ist das alternativlos? In der Logik von Realpolitik und Rüstungswirtschaft kann es gar keine andere Vorgehensweise geben. Traditionell ging man bei allen Neuerungen in einer Gesellschaft so vor, mehr oder minder klug, mehr oder minder bedacht. Das war bei Waffen nicht anders. Seit 1900 aber nimmt die Rasanz technischer Umwälzungen ständig zu. Die Konzeption, 2022 etwas zu entscheiden, es bis 2027 zu studieren und dann noch mal zehn Jahre später erst zu produzieren, bedeutet, von Anfang an einer unabsehbaren Entwicklung hinterherzuhinken. Nur das Hinken ist sicher. Bewegt man sich im Kreislauf von Rüstung und Politik, ist das tatsächlich alternativlos. Würde man aber definieren, was das Militär für welche Aufgaben braucht, würde man diesen Kreis durchbrechen. Allerdings würde dann in der Rüstungsindustrie auch weniger verdient.

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