Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hooligans sollen die Gewalt bei Protesten gegen die Corona-Politik angestachelt haben.
+
Hooligans sollen die Gewalt bei Protesten gegen die Corona-Politik angestachelt haben.

Serbien

Der Staatschef und die Unterwelt: Verhörprotokoll bringt Präsident Vucic in Erklärungsnot

  • VonThomas Roser
    schließen

In Serbien bringt ein verhafteter Clanchef Präsident Vucic in Erklärungsnot.

Belgrad ‒ Der Präsident von Serbien, Aleksandar Vucic, ist empört: „An jedem Lügendetektor“ sei er bereit auszusagen, versichert der Chef der nationalpopulistischen Regierungspartei SNS. Wenn es sich erweisen sollte, dass er den verhafteten Clanchef Veljko Belivuk „irgendwo und irgendwann“ einmal getroffen habe, sei er bereit, seinen Posten zu räumen und „bis zum Ende meines Lebens hinter Gittern zu sitzen“.

Entführungen und Folterungen von Gegenspielern, zerstückelte, angeblich in Salzsäure aufgelöste oder durch den Fleischwolf gedrehte Leichen: Seit der Verhaftung von führenden Mitgliedern von Belivuks Hooligan-Clan im Februar erschüttern immer grausamere Enthüllungen den Balkanstaat. Als eine Art Chefermittler, der im Augiasstall aufräumt, präsentierte sich dabei bisher Staatschef Vucic – eifrig assistiert von regierungsnahen Boulevardmedien, die zum Entsetzen der Angehörigen der Ermordeten selbst Polizeifotos von enthaupteten Leichen veröffentlichten.

Serbiens Präsident Vucic in Erklärungsnot: Angeblich die Gewalt der Hooligans genutzt

Doch mit einem dem Webportal „Krik“ zugespielten Protokoll seines Polizeiverhörs zu Monatsbeginn hat Belivuk den Präsidenten nun selbst in Erklärungsnot gebracht: Laut Darstellung des Kriminellen soll sich Vucic die Prügel- und Einschüchterungsdienste seiner Hooligan-Schläger jahrelang systematisch zunutze gemacht haben.

Er sei bereits seit 2011 SNS-Mitglied, so Belivuk: Er behauptete, den als „Chef“ bezeichneten Präsidenten seit 2017 bei mehreren Geheimtreffen auch persönlich gesprochen zu haben. Im Auftrag von Vucic hätten seine Gefolgsleute Antiregierungsproteste zerschlagen, einen Taxifahrerstreik gestoppt, für das Ende der Vucic-Schmähgesänge im Partizan-Stadion gesorgt, Störmanöver bei den Belgrader Pride-Paraden verhindert und SNS-Kundgebungen „verstärkt“, so Belivuk.

Serbien: Hooligans für Regime wie eine paramilitärische Truppe

Von einem „notorischen Lügner“ spricht erzürnt das SNS-Vorstandsmitglied Darko Glisic. Tatsächlich scheint die Glaubwürdigkeit des Mafiosos begrenzt und der Wahrheitsgehalt seiner Aussagen keineswegs sicher. Aber nicht nur Oppositionspolitiker, sondern auch unabhängige Medien deuten auf sich mehrende Hinweise, die den Vorwurf der engen Bande zwischen Staatsmacht und Halbwelt beim EU-Anwärter zu bestätigen scheinen.

Präsident SerbiensAleksandar Vučić
Amtierender Präsident seit31. Mai 2017
Alter51 Jahre
Partei Serbische Fortschrittspartei (SNS)
EhefrauTamara Vučić
KinderDanilo Vučić, Vukan Vučić, Milica Vučić

Unabhängig von deren Wahrheitsgehalt offenbarten die Aussagen von Belivuk „nichts Neues“, sagt der oppositionelle Ex-Präsident Boris Tadic, der den SNS-Machthabern seit Jahren enge Verbindungen zu kriminellen Kreisen vorwirft: „Es gibt in Serbien viele Belivuks. Seit der Inauguration von Vucic ist klar, dass das Regime die Hooligans als paramilitärische Hilfstruppe nutzt.“

Tatsächlich wurden Angehörige von Belivuks „Janjicari“-Hooligans bei der Amtseinführung des Präsidenten 2017 als Ordner eingesetzt – und sorgten durch das Verprügeln von missliebigen Presseleuten für Schlagzeilen. Gefolgsleute von Belivuk sollen es auch gewesen sein, die bei Kommunalwahlen in der Provinz regelmäßig in schwarzen Jeeps vorfuhren und sich in Wähler- und Oppositionseinschüchterung übten.

Gewalt sollte die Proteste gegen die serbische Corona-Politik diskreditieren

Als prügelnde Provokateure machten diese bei den Belgrader Corona-Krawallen vor Jahresfrist von sich reden: Die angezettelte Gewaltorgie sollte die Antiregierungsproteste diskreditieren.

Präsidentensohn Danilo wurde in den letzten Jahren mehrmals in Begleitung von polizeibekannten Hooligans gesehen und fotografiert: Einer von ihnen soll laut Belivuk dessen Verbindungsmann zu Vucic gewesen sein.

Unruhen in Serbien: Vucic kündigt hartes Vorgehen an

Als „Vucic-Krieger“ bezeichnete die regierungskritische Zeitung „Nova“ am Freitag (23.07.2021) den aus dem Verkehr gezogenen Mafioso. Nicht nur wegen der Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr kommt Dauerwahlkämpfer Vucic der Wirbel um dessen Bekenntnisse derweil reichlich ungelegen.

Das bekanntgewordene Verhörprotokoll könnte nicht nur auf ein Rumoren im Sicherheitsapparat hindeuten, sondern auch auf die weiter schwelenden Grabenkämpfe in seiner von ihm mit harter Hand befriedeten Partei. Er lasse sich nicht erpressen und werde dem Volk zeigen, „dass wir die Kriminellen und ihre politischen Helfer besiegen werden“, kündigt der Präsident grollend an. (Thomas Roser)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare