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Photovoltaik auf Freiflächen: Der Solarpark an der Autobahn

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Von: Jörg Staude

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Stören hier nicht: Solarmodule an der A24.
Stören hier nicht: Solarmodule an der A24. © Schoenergie GmbH

Flächen direkt neben der Straße eignen sich gut für Photovoltaik. Auch Gemeinden können profitieren

Fährt man die Autobahn A24 vom Abzweig Wittstock von Berlin in Richtung Westen, reihen sich Solarparks wie ein Spalier links und rechts der Fahrbahn aneinander. Kontaminiert von Lärm und Schadstoffen des Verkehrs, gelten Flächen neben Autobahnen als benachteiligte Gebiete, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bevorzugt behandelt werden.

15 Meter von der Fahrbahn entfernt beginnt der Raum, in dem aktuell die meisten neuen Solarparks gebaut werden. 200 Meter dürfen sie derzeit in die Landschaft hineinragen.

Dementsprechend blinkt und glitzert es entlang der A24 nur so. Kurz vor der Grenze zu Schleswig-Holstein gelangt man nahe der westmecklenburgischen Gemeinde Lüttow-Valluhn zum ersten Autobahn-Solarpark, der die Autofahrer:innen sogar mit einem 2,80 Meter hohen, ziemlich teuren Blendschutz vorm Geblendetwerden bewahrt. Gegenüber vergleichbaren Projekten haben die Module auch einen geringeren Anstellwinkel von nur 15 Grad. Damit sind sie dann nur 2,50 Meter hoch und hinter dem Blendschutz nicht zu sehen. Mit den Autofahrern geht der Solarpark total fair um.

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Der 14-Megawatt-Park steht auf 15 Hektar ehemaligen Ackers. Entwickelt wurde er von Naturenergy, der neuen Tochter des Ökostromanbieters Naturstrom. Kosten: rund neun Millionen Euro.

Der Solarpark ist EEG-gefördert, er hatte erst im November 2021 den Zuschlag in einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur erhalten. Der Bau der Anlage selbst dauerte nur drei Monate, berichtet Solarpark-Geschäftsführer Stephan Riedel bei der Inbetriebnahme. Größtes Hindernis war dabei ein Turmfalke. Der hatte sich ausgerechnet in einem Mast der über den Solarpark führenden Stromtrasse eingerichtet. Um das Nest des Falken wurde dann mit gebührendem Abstand herumgebaut.

Photovoltaik auf Freiflächen: Am meisten können Gemeinden durch die Pacht einnehmen

Eigentlich aber reicht die Geschichte des Solarparks mehr als zehn Jahre zurück. Schon 2010 wollte Lüttow-Valluhn ein Bioenergiedorf werden, erinnert sich Bürgermeister Marko Schilling bei der Eröffnung. Dazu lud man sich ins Dorf ein, was Rang und Namen hatte, es gab Potenzial- und Machbarkeitsstudien.

Am Ende stand ein Konzept mit Solarstrom, Biogas, Wasserkraft und – inzwischen umstrittenen – Holzhackschnitzeln. „Wir waren sehr euphorisch, aber dann kam uns der Weltmarkt dazwischen“, erzählt Schilling rückblickend. Wer wollte schon Bioenergie, wenn der Erdgas-Preis derart in den Keller rauscht.

Aber die Gemeinde ließ nicht locker. Neue energetische Basis sollte nun ein Kommunal-Windpark werden. Links und rechts auf der benachteiligten Autobahnfläche sollten sich laut der Planung neun Windräder mit je 2,5 Megawatt Nennleistung drehen. Um sich daran zu beteiligen, gründete die Kommune eigens eine GmbH. Doch auch das Windkraft-Projekt wurde von heute auf morgen auf Eis gelegt. Ein Seeadler war aufgetaucht. Keine wirkliche Überraschung: Kurz hinter Lüttow-Valluhn beginnen Naturschutzgebiete rund um den Schaalsee mit einer stabilen Adlerpopulation.

Photovoltaik auf Freiflächen

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz ist vorgesehen, dass bis zum Jahr 2030 215 Gigawatt Photovoltaik installiert sind, bis zum Jahr 2040 sollen es 400 Gigawatt sein. Im Jahr 2021 waren es rund 60 Gigawatt. Etwa zu gleichen Teilen soll der Ausbau auf Dächern und in Form von Solarparks erfolgen.

Um die Akzeptanz solcher Parks zu erhöhen, hat der Bundesverband Neue Energiewirtschaft Standards entwickelt, zu denen sich die Betreiber von Solarparks bekennen können.

Die Standards gehen laut Verband über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus, beispielsweise was die Abstände zwischen den Modulreihen und die Nutzung der Flächen angeht.

In den Solarparks sollen außerdem kein Dünger und keine Pestizide eingesetzt werden und Pflanzen angesät werden, die gut für Insekten sind.

Für die lokale Bevölkerung wollen die Unternehmen außerdem finanzielle Vorteile durch Beteiligungsmöglichkeiten schaffen. fme

Dann war erstmal Pause, bis der umtriebige Bürgermeister in Kontakt zu Naturstrom und zur Idee mit dem Solarpark kam. Die Gemeinde holte auch ihre Beteiligungs-GmbH wieder aus der Schublade. Sie soll 20 bis 25 Prozent an der Betreibergesellschaft des Solarparks übernehmen – derzeit eine echte Seltenheit bei deutschen Freiflächen-Projekten. Von der Park-Beteiligung wird Lüttow-Valluhn erst später profitieren, ebenso von den Gewerbesteuerzahlungen, die anfallen, weil die Betreibergesellschaft ihren Sitz in der Gemeinde hat.

Am meisten nähme die Gemeinde im Moment ein, würde der Solarpark auf ihrem Grund und Boden stehen. Dann würden pro Hektar 2500 bis 3000 Euro jährliche Pacht fällig. Das sind, wie zu hören ist, die derzeit üblichen Werte in der Region. Der Ex-Acker an der Autobahn gehört allerdings dem örtlichen Kieswerk. Auf jeden Fall erhält die Gemeinde von jeder Solarpark-Kilowattstunde 0,2 Cent als Abgabe – eine Kann-Bestimmung im EEG, der Naturstrom auch folgt. Zusätzliche Kosten entstehen dem Solarpark durch die 0,2 Cent aber nicht. Das Geld wird dem Betreiber aus den Netzentgelten erstattet.

Bei einer geplanten jährlichen Erzeugung von rund 14 Millionen Kilowattstunden kann die Gemeinde rund 28 000 Euro erwarten. Das ist für Lüttow-Valluhn – die Gemeinde verfügt über einen jährlichen Millionen-Etat – eher nur ein Zubrot, das aber einen unschätzbaren Vorteil hat: Die Gemeinde kann das Geld ausgeben, wofür sie will.

Photovoltaik auf Freiflächen: Projekte auf Augenhöhe sind in der Region die Ausnahme

Die Pläne vom Bürgerenergiedorf hat Schilling nach wie vor im Kopf. Hinterm Solarpark ist genügend Platz für dessen Erweiterung, ein naher See lädt ein, über moderne Energiespeicherung nachzudenken. Mit Naturstrom ist der Bürgermeister vollauf zufrieden. Von Anfang an sei die Kommune gut ins Projekt integriert worden – in einem fairen und ausgewogenen Dialog.

Zum Miteinander gehöre nicht nur, was man in Verträgen festschreibe, es komme auch auf Vertrauen und Mut an, sich auf so eine Partnerschaft einzulassen, beschreibt Naturstrom-Manager Stephan Riedel seine Sicht. „Man muss als Projektpartner auch bereit sein, ein Stück vom Kuchen abzugeben, transparent zu sein, weiter als bis zur Baugenehmigung oder zur Inbetriebnahme zu denken.“

Tatsächlich scheint so ein Projekt auf Augenhöhe in der Region eher die Ausnahme zu sein. Viel häufiger ist von Solarparks zu hören, deren Betreiber nicht einmal eine Telefonnummer angibt, oder von Windparks, die auch nach 20 Jahren Betrieb noch nicht einen Cent Gewerbesteuer an die Gemeinde gezahlt haben.

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