AFP_1VV6U2_290720
+
Genug Schutz hat die US-Botschaft durch Berlins Polizei auf jeden Fall.

Douglas Macgregor

Trumps nächster Scharfmacher

  • vonThomas Spang
    schließen

Donald Trump will den verbitterten Ex-Offizier Douglas Macgregor als US-Botschafter in Berlin einsetzen. Der gescheiterte Militärreformer folgt gerne weißen Verschwörrungstheorien.

Der pensionierte Oberst der US Army hat sich wenige Freunde unter seinen vormaligen Kameraden gemacht, als er 2011 in im Washingtoner Fachmagazin „Foreign Policy“ für massive Einschnitte im Rüstungshaushalt warb. „Warum brauchen wir diese ganzen Einrichtungen“, fragte der Ex-Offizier. Der kalte Krieg sei geschlagen, die Ziele erreicht und es gebe wenig echte Bedrohungen. „Es ist Zeit, den Sieg zu erklären und nach Hause zu gehen.“ Nicht, dass der als eigensinniger Kommandant einer Panzereinheit im Kuwaitkrieg 1991 bekannt gewordene Macgregor überhaupt allzu viele Freunde in Uniform gehabt hätte.

Macgregor will nicht nur an den Rändern sparen, sondern zielt auf das Herz der in Übersee stationierten Streitkräfte. Dafür schlug er vor, das zurzeit in Stuttgart ansässige US European Command und das US Africa Command, die Stäbe für Einsätze im jeweiligen Kontinent, wieder zusammenzulegen und in die Räumlichkeiten des früheren gemeinsamen Streitkräfte-Kommandos in Hampton Roads, Virginia, zurückzuführen. Durch ein solches „Atlantic Command“ ließen sich viele Drei- und Viersterne-Generalsposten einsparen, meinte Macgregor. Diesen Hieb gegen seine einstigen kampfgefährten und Vorgesetzte darf man ruhig als Absicht verbuchen: Macgregor gab 2004 verbittert seine Militärkarriere auf, als er schon jahrelang als Oberst kaltgestellt worden war. Keine Generalssterne für ihn.

Als wäre das nicht genug, hat Macgregors kritische Haltung gegenüber der Nato nocheinmal als Außenseiter abgestempelt. Obwohl er als Planungschef des Oberbefehlshabers der Nato-Streitkräfte im Kosovo-Krieg Lob und Ehren erntete, hält er das Bündnis nun für tot. In dem rechten Online-Magazin „The National Interest“ schrieb er 2019, die Zeit sei gekommen, „den NATO-Zombie ableben zu lassen“.

Der seit Jahrzehnten mit Macgregor befreundete Stratege Daniel Davis nennt ihn eine „ideale Wahl“ für den Botschafter-Posten in Berlin. „Er kann Trumps Instinkte effektiv umsetzen“, meint Davis mit Blick auf den im Juni angekündigten Abzug von 9500 Soldaten aus Deutschland. „Er setzt das um.“

Dabei hilft dem Isolationisten, der allein bei Auslandseinsätzen reüssierte, dass er Deutsch spricht und das Land gut kenn. Der an der Universität von Virginia promovierte Offizier hat die deutsche Militäroperationen im Zweiten Weltkriegs studiert und beschäftigte sich mit dem Einfluss der Sowjetunion auf das innerdeutsche Verhältnis.

Mit seinem Vorgänger Richard Grenell teilt Macgregor Ergebenheit und Loyalität zu Donald Trump. Im Unterschied zu dem forschen Ex-Botschafter meidet er aber die Sozialen Medien und pflegt einen – zumindest nominell – diplomatischeren Stil als den geschäftsmann Grenell. An seiner radikalen Weltsicht ändert das aber nichts.

Als regelmäßiger Kommentator und Gast in Trumps Haus- und Hofsender Fox News fiel er wiederholt mit Gedankengut auf, das bei weißen Nationalisten populär ist. In einem Fox-Interview 2019 beklagte Macgregor, dass Kalifornien wegen Einwanderung aus dem Süden „kein mehrheitlich Englisch sprechender weißer Bundesstaat mehr ist“. Je mehr „diese Leute“ kämen, desto besser sei das für die Demokraten.

Aussagen wie diese dürften seine erforderliche Bestätigung durch den Senat erschweren. Wie überhaupt ungewiss ist, ob vor der Wahl im November in der Sache überhaupt was passiert. Sollte Joe Biden Präsident werden, wird der kommissarische Botschafter Robin Quinville die Geschäfte noch eine Weile weiterführen. Im anderen Fall muss sich Deutschland auf einen Überzeugungstäter einstellen.

Kommentare