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Der Kampf um Soledar dauert an

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Von: Peter Rutkowski

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Eine ukrainische Sanitäterin (r.) und ihr Kamerad versorgen Verwundete in einem Unterstand in Soledar.
Eine ukrainische Sanitäterin (r.) und ihr Kamerad versorgen Verwundete in einem Unterstand in Soledar. © Roman Chop/dpa

Wagner-Truppe verstärkt ihre Anstrengungen gegen die ukrainischen Verteidiger

Trotz des Versuchs der ukrainischen Streitkräfte, die Kontrolle über die heftig umkämpfte ostukrainische Kleinstadt Soledar zu behalten, ist die Situation dort nach Angaben aus Kiew dort „schwierig“. „Die heftigsten und schwersten Kämpfe dauern heute in der Region Soledar an“, sagte die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Ganna Maljar am Donnerstag. „Trotz der schwierigen Situation kämpfen die ukrainischen Soldaten hartnäckig“, betonte sie. Russland schicke „Tausende seiner Bürger auf die Schlachtbank, aber wir halten uns gut“, so Maljar. Auf russischer Seite gebe es „schwere Verluste“, sagte sie.

Die Behauptung der russischen Söldnergruppe Wagner, sie habe die Stadt in der Region Donezk eingenommen, war am Mittwoch sowohl von Moskau als auch von Kiew zurückgewiesen worden. Anfang dieser Woche hatte der Chef der Söldnerfirma, Jewgeni Prigoschin, behauptet, seine Leute hätten Soledar erobert. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte daraufhin, die Kämpfe dauerten an. Auch die Ukraine bestritt eine vollständige Übernahme.

Das Ringen der „Wagneristen“ um Soledar und um das südliche gelegene größere Bachmut wird einmal damit erklärt, dass Prigoschin sich in den Besitz der dortigen Salzminen bringen will. Andererseits wird vermutet, es gehe ihm darum, sich innerhalb Russlands als der dominante Faktor in der Kriegsführung zu etablieren und damit seine Macht auszubauen. Manche in Moskau wollen in ihm schon eine mögliche Alternative an der Spitze des Kreml sehen. Viel von seinem politischen Gewicht wird nun als abhängig von den Erfolgen seiner Söldnertruppe in der Ukraine erklärt.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak nannte die nun seit Monaten währenden Kämpfe um Soledar und Bachmut am Mittwoch die „blutigsten“ Gefechte seit Beginn der russischen Invasion. Die beiden Orte liegen im westlichen Teil der von Moskau beanspruchten – und widerrechtlich annektierten – Oblast Donezk.

Zwar wollte am Mittwoch Wladimir Putin „eine positive Dynamik“ bei seinen Streitkräften in der Ukraine erkennen, aber westliche Fachleute sehen besonders in den Verlusten auf russischer Seite Hinweise darauf, dass sich der Kreml verkalkuliert hat in seinen Invasionsplänen: Die Eliteeinheiten sind längst ausgeblutet, die verschiedenen „Teilmobilisierungen“ führen der Front nur schlecht ausgebildete Wehrdienstleistende und Reservisten zu, die noch schlechter ausgerüstet sind. Deshalb verlässt Putin sich auch immer öfter auf die Söldnerfirma Prigoschins.

Sollten russische Kämpfer Soledar einnehmen, wäre dies der erste bedeutende militärische Sieg für Moskau seit Monaten. Für die Ukraine könnten die Orte das Sprungbrett zur Befreiung von Donezk sein. mit afp

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