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Das Satellitenfoto von Planet Labs Inc. zeigt die iranische Nuklearanlage Natans.
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Das Satellitenfoto von Planet Labs Inc. zeigt die iranische Nuklearanlage Natans.

Nahost

Der Iran droht Israel mit Rache

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Nach einer Explosion zeigen sich Schäden an der iranischen Nuklearanlage in Natans. Und Israels Premier Netanjahu wettert gegen eine Reform des Atomdeals mit Teheran.

Just als vergangene Woche in Wien indirekte, von den europäischen Vertragspartnern vermittelte Verhandlungen zwischen den USA und Teheran über das Atomabkommen begannen, gab Premier Benjamin Netanjahu bekannt, sich einem neuen Deal mit Teheran „nicht verpflichtet“ zu fühlen. Und als Sonntagmorgen Meldungen über eine Explosion in der iranischen Urananreicherungsanlage Natanz eintrafen, wurde rasch spekuliert, der israelische Geheimdienst Mossad stecke dahinter.

Diesen Verdacht erhärtete ein Bericht der „New York Times“ unter Berufung auf ungenannte Geheimdienstquellen. Demnach soll es sich um einen israelischen Sabotageakt handeln.

Der Schaden soll weit größer sein als zunächst angenommen. Über einen Cyber-Angriff, womöglich aber auch eine gezielte Sprengstoffladung, soll das interne und schwer bewachte Elektrizitätssystem in Natanz, das die unterirdischen Zentrifugen versorgt, komplett zerstört worden sein. Es dürfte neun Monate dauern, schreibt die „New York Times“, um eine unabhängige Stromproduktion dort wieder herzustellen.

Im iranischen Staatsfernsehen beschuldigte derweil Außenminister Javad Zarif Israel als Drahtzieher des Anschlags, um die Gespräche in Wien zu torpedieren. „Wir werden uns an den Zionisten dafür rächen.“ Bereits zuvor hatte Ali Akbar Salchi, Atomenergiechef in Teheran, den Blackout in Natanz als „nuklearen Terror“ bezeichnet. Angeblich hat der Iran bereits einen Israeli festgenommen.

Zentrifugen installiert

Der Zeitpunkt der Explosion dürfte das Mullah-Regime auch politisch getroffen haben. Noch am Samstag hatten die Iraner die Inbetriebnahme moderner Zentrifugen zur schnelleren Urananreicherung – ein Verstoß gegen das Atomabkommen von 2015 – gefeiert. Zugleich traf am Sonntag US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Jerusalem ein, der erste Israel-Besucher der Biden-Administration. Ihr gehören viele Leute an, die in unguter Erinnerung haben, wie Netanjahu das von Barack Obama mit ausgehandelte internationale Atomabkommen mit Iran (JCPoA) zu hintertreiben versucht hatte. Dass Donald Trump den Vertrag 2018 seitens der USA aufkündigte, hatte sich der israelische Premier umso mehr als außenpolitischen Erfolg angeheftet.

Dennoch wirft das Timing des Anschlags Fragen auf, da eine solche komplizierte Operation in Feindesland von langer Hand vorbereitet werden müsse, wie Sima Shine vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) der Tel Aviver Universität betont. Wer immer die Weisung zu der Aktion erteilte, „war sich wahrscheinlich im Klaren über den Einfluss auf die Wiener Gesprächsrunden“. Allerdings glaube sie selbst nicht, so die Iran-Expertin, dass die Mullahs dadurch nachgiebiger würden. Eher im Gegenteil. Es werde sie motivieren, ihre Aktivitäten in Syrien und Jemen zu verstärken, womöglich auch den seit Wochen mit Israel geführten maritimen Schattenkrieg eskalieren, sprich: mysteriöse Angriffe auf Schiffe.

INSS-Kollege Eldad Shavit rechnet mit wachsendem Druck auf die Regierung Joe Bidens, zum Atomabkommen mit Teheran zurückzukehren, „weil sie keine anderen Mittel gegen Irans Verletzungen des JCPoA hat“.

US-Verteidigungsminister Austin vermied es vor der Presse in Jerusalem, den Natanz-Vorfall zu erwähnen, versicherte jedoch, Washington stehe an der Seite Israels hinsichtlich regionaler Bedrohungen. „Wir wollen keinen Krieg“, sagte wiederum Premier Netanjahu, aber man werde eine Atommacht Iran nicht zulassen. Oppositionskreise befürchten, Netanjahu könnte eine Eskalation nutzen, um seinem Korruptionsprozess und den Problemen der Koalitionsbildung zu entkommen.

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