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Im sozialen Netzwerk Twitter teilen tausende User ihre Erfahrungen mit der Polizei.

#DankePolizei

Ein Tag, um der Polizei zu danken - PR-Kampagne geht nach hinten los

  • vonSebastian Richter
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Ein Verein „aus Bürgern und Polizisten“ will den Tag nutzen, um der Polizei Danke zu sagen. Auf Twitter fällt das Ergebnis aber anders aus, als gedacht.

  • Am dritten Samstag im September findet jedes Jahr der Danke-Polizei-Tag statt.
  • Auf Twitter „danken“ viele User der Polizei - für Gewalt, Rassismus und Übergriffe.
  • Auch einige bekannte Personen aus der Politik melden sich zu Wort.

Seit 2014 gibt es den „Danke-Polizei-Tag“. Organisiert wird er von dem Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“. Dabei soll über Gewalt gegen die Polizei informiert werden. Die Organisation will damit ein Konzept aus Großbritannien etablieren: Beim „National Thank a Police Officer Day“ wird jeden dritten Samstag im September dazu aufgerufen, die nächste Polizeistation aufzusuchen und sich dort für die geleistete Arbeit zu bedanken.

Rückendeckung könnte die Skandal-erschütterte Polizei in Deutschland momentan gut gebrauchen. Bei Drohbriefen des „NSU 2.0“ wurden die Privatadressen der Opfer aus Polizeidatenbanken entnommen, in Chatgruppen von Polizisten Hakenkreuze und Hitlerbilder geteilt und ganz aktuell geht ein Video viral, das Polizeigewalt gegen einen 19-Jährigen aus Göttingen zeigt.

Danke-Polizei-Tag: Die meisten Twitter-Nutzer sind nicht dankbar

Dass die generelle Stimmung - jedenfalls im sozialen Netzwerk Twitter - derzeit nicht unbedingt als „dankbar“ zu bezeichnen ist, zeigt eine öffentliche Umfrage, die die deutsche Polizeigewerkschaft Berlin gestern zum Danke-Polizei-Tag teilte. Eine große Mehrheit der Teilnehmenden findet das Danke-Sagen übertrieben.

Viele User auf Twitter nehmen die Gelegenheit wahr, der Polizei direkt zu danken. Der Hashtag #DankePolizei trendet momentan in Deutschland, schon über 10.000 Tweets sind inzwischen online. Die meisten davon werden allerdings nicht im Sinne des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ sein. Viele Nutzer interpretieren den Hashtag ironisch und danken zum Beispiel für Racial Profiling, unnötige Gewalt oder Falschaussagen vor Gericht. Auch die bekannte Frankfurter Aktivistin Jutta Ditfurth meldet sich zu Wort.

Shitstorm auf Twitter: Jutta Ditfurth und Martina Renner äußern sich

Manche der User verwenden den Hashtag auch, um eigene Geschichten und Polizeierfahrungen zu teilen, unter anderem die Abgeordnete der Linken Martina Renner.

Zwischen den unzähligen ironischen Danksagungen und negativen Erfahrungsberichten finden sich auch ein paar, die es ernst meinen mit ihrer Dankbarkeit. Das sind allerdings die wenigsten und man muss ein wenig suchen, bis man solche Tweets findet.

Auch wenn Innenminister Horst Seehofer weiterhin von einer Untersuchung zu Rassismus in der Polizei absehen möchte, sieht das anscheinend ein Großteil der Twitter-Nutzer anders. (Von Sebastian Richter)

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