Die große Leere zum lauten Schreien.
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Die große Leere zum lauten Schreien.

Corona

Den Frust rausbrüllen

  • vonAndré Anwar
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Corona: Islands Touristiker werben für eine ziemlich laute Therapie gegen Corona. Die skurrile Kampagne nimmt die Besonderheiten der Insel auf und soll der ganzen Welt helfen.

In Coronazeiten sitzt der Frust bei vielen Menschen tief. Nichts ist mehr so, wie es war. Auch der ansonsten blühende Islandtourismus ist aufgrund der Reiseangst derzeit am kriseln. Um vermehrt auf die weite und ungewöhnlich märchenhafte Landschaft der nordatlantischen Vulkaninsel aufmerksam zu machen, hat sich die isländische Tourismusbranche eine skurrile Idee einfallen lassen.

Mit der in den experimentellen 70er Jahren entwickelten psychologischen Schrei-Therapie möchte man wieder mehr Besucher anlocken. Ungehemmtes schreien in der weiten, schönen Landschaft soll demnach das Angstzentrum im Gehirn, eine mandelförmige Formation, die sich Amygdala nennt und von der es auf jeder Hirnhälfte ein Exemplar gibt, beruhigen.

Das Besondere an der Werbekampagne: Wer nicht direkt nach Island will, um vor Ort loszubrüllen, kann über die Internetseite lookslikeyouneediceland.com daheim vor dem Computer losschreien, bis sich die Balken biegen. Der eigene Urschrei wird aufgezeichnet und über riesige gelbe an Islands schönsten Orten aufgestellten Lautsprecherboxen mit der Aufschrift „Let it out“ abgespielt.

So können die Nutzer sich selbst in einem Live-Video auf Island schreien hören, ohne auf der Insel zu sein. Mehrere richtig schöne isländische Landschaften stehen dabei zur Auswahl. Doch ganz so einfach wie es klingt, ist das gar nicht mit dem Schreien. Wie man es rauslässt, wird in drei Schritten erklärt. Am Computermikrofon positioniert sollte man sich zunächst Gedanken über die Art des Schreis machen. „Einige Leute nutzen Lautstärke, einige nutzen Wörter und einige könnten den Atem nutzen“, heißt es in der Schrei-Anleitung. Zweitens sollte man stehen, und zwar so, dass die Füße hüftbreit auseinanderstehen. Dabei sollten die Knie nicht durchgestreckt, sondern leicht gebeugt sein. Dann noch die Schultern entspannen. „Sie werden es als hilfreich empfinden ihre Hände an die Hüften zu legen.“ Am wichtigsten sei aber: „Folge deinem Instinkt“.

Die dritte und letzte Anweisung zum richtigen Schreien auf Island: Man solle sich ein Baby vorstellen, wenn es schreit und weint. Der Lärm komme aus dem Babybauch. „Von dort sollte auch dein Schrei kommen“, heißt es.

Zum Aktivieren der Bauchmuskeln ist es demnach möglich die Hände auf den Bauch zu legen und ein paarmal sehr tief ein- und auszuatmen. Dann kann er raus, der Urschrei, der über das Internet bis nach Island zu hören sein wird. Alles klar?

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