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Auf den Weg zum Training: US-Marine-Soldaten auf Island.

Nato

Demonstration der Macht gen Moskau

Die Nato beginnt heute ihr größtes Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges. Russische Beobachter sind vor Ort.

Offiziell ist kein Feind in Sicht. Aber mit 50 000 Soldaten, 10 000 Panzern und Militärfahrzeugen, 250 Flugzeugen und 65 Schiffen will die Nato von Donnerstag an im größten Manöver seit dem Kalten Krieg Russland zeigen, dass das westliche Verteidigungsbündnis wachsam ist. Die Übung „Trident Juncture 18“ findet im Norden Europas statt, überwiegend in Norwegen. Deutschland ist ganz vorne mit dabei.

Knapp zwei Wochen lang soll das Training dauern. Simuliert wird der Angriff auf einen Verbündeten und die Anrufung der Beistandsklausel nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Bei dem Manöver soll die Fähigkeit der Nato trainiert werden, rasch Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen.

Die Nato hat seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland nicht nur ihre Präsenz in Osteuropa massiv verstärkt. Gleichzeitig baute das Militärbündnis seine Reaktionsfähigkeit im Krisenfall aus.

Erst zwei Wochen vor Beginn der Übung verkündete die Nato, dass auch der US-Flugzeugträger „Harry S. Truman“ teilnimmt. Das Schiff war schon im Irak-Krieg im Einsatz und seine Entsendung ist an sich schon eine 330 Meter lange Machtdemonstration.

Die Bundesregierung, die US-Präsident Donald Trump regelmäßig wegen zu niedriger Verteidigungsausgaben kritisiert, lässt sich „Trident Juncture“ 90 Millionen Euro kosten. Die Bundeswehr schickt rund 8000 Soldaten und 2000 Militärfahrzeuge, darunter 30 Leopard-2-Kampfpanzer. Auch mit Tornado- und Eurofighter-Jets sowie drei Schiffen ist Deutschland im Einsatz.

Gefahr gefährlicher Zwischenfälle mit Russland 

Übungsgebiet sind Mittel- und Ost-Norwegen, „umgebende Gebiete im Nordatlantik und in der Ostsee, einschließlich Island“. Hinzu kommt der Luftraum über den Nato-Partnerländern Finnland und Schweden.

Der für die Übung zuständige norwegische General Rune Jakobsen weist zurück, dass sich das Szenario gegen Russland richte. Das „Kerngebiet“ der Übung liege im Norden Norwegens „1000 Kilometer von der russischen Grenze“ entfernt, sagt er. Einsätze der Luftwaffe fänden in 500 Kilometer Abstand statt. „Es sollte keinen Grund für die Russen geben, Angst zu bekommen“, sagt der General.

Sorge gibt es bei der Nato jedoch, dass das Großaufgebot zu gefährlichen Zwischenfällen mit Russland führen könnte. Bündnis-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte das russische Militär am Mittwoch auf, sich „professionell“ zu verhalten und „gefährliches Verhalten“ zu vermeiden.
Denn in den vergangenen Jahren hatte die Nato immer wieder gemeldet, sie habe russische Kampfflugzeuge „abgefangen“, die sich ihren Verbänden auf „aggressive Weise“ genähert hätten. Stoltenberg begrüßte gleichzeitig, dass Moskau die Nato-Einladung angenommen habe, Beobachter zu der Übung zu entsenden. 

Trump will INF-Abkommen aufkündigen

Die Stimmung zwischen beiden Seiten hat sich kurz davor aber weiter verschlechtert. Trump kündigte am Wochenende an, aus dem 1987 geschlossenen INF-Abkommen zur Abschaffung von landgestützten, atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen auszusteigen. US-Sicherheitsberater John Bolton wiederholte zum Abschluss seiner Gespräche in Moskau am Dienstag, dass Washington bei seiner Ankündigung bleibt. „Ich denke, dass sie (die Entscheidung) sehr klar und eindeutig ist, deshalb informieren wir unsere Verbündeten“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch.

Moskau hat sich darüber hinaus beunruhigt gezeigt, dass die USA und Großbritannien unabhängig von „Trident Juncture“ ihre Präsenz in Norwegen verstärken. Mitte September hatte Russland selbst eine Großübung mit 300 000 Soldaten abgehalten. (afp/dpa)

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