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Gibt noch massig Platz für des Volkes Wille. Michael Kappeler/dpa
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Gibt noch massig Platz für des Volkes Wille. Michael Kappeler/dpa

Demokratisierung der Demokratie

  • Hannes Koch
    VonHannes Koch
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Ausgeloste Bürgerinnen und Bürger sollen die Meinungsbildung des Bundestages unterstützen. Außerdem will die Ampel Petitionen ans Parlament aufwerten.

Zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger, die keine Politikexpert:innen sind, sollen den Bundestag beraten. Das kann man erstmal für eine merkwürdige Idee halten, doch die kommende Regierung aus SPD, Grünen und FDP will solche „Bürgerräte“ etablieren. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir werden Bürgerräte zu konkreten Fragestellungen durch den Bundestag einsetzen und organisieren.“

Dies ist eines von mehreren Vorhaben, um die demokratischen Verfahren zu modernisieren. „Im Koalitionsvertrag steht mehr drin, als wir erwartet haben“, sagt Claudine Nierth vom Verein Mehr Demokratie. „Eine Befassung des Bundestages mit den Ergebnissen wird sichergestellt“, hat die Ampel zu den Bürgerräten vereinbart. Das bedeutet nicht, dass das Parlament den Vorschlägen folgen muss.

Als Experiment hat ein solches Gremium bereits Anfang diesen Jahres getagt. Mit Unterstützung des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble berieten 160 aus den bundesweiten Melderegistern ausgeloste Personen über „Deutschlands Rolle in der Welt“ – Militäreinsätze, Außen- und Entwicklungspolitik. Diese neue Form der Partizipation hat den Vorteil, dass die Ergebnisse in der Regel ziemlich ausgewogen sind, also dazu beitragen können, die ideologische Polarisierung der Gesellschaft zu mildern. Allerdings kann das Verfahren nur wirken, wenn die Politik die Ergebnisse ernstnimmt. Nierth hofft deshalb, dass der neue Bundestag auch „eine rechtliche Verankerung“ der Bürgerräte beschließt.

Zusätzlich will die Ampel ermöglichen, dass Bürgerinnen und Bürger mit Petitionen – Eingaben an den Bundestag – mehr Einfluss ausüben können. „Das Petitionsverfahren werden wir insgesamt stärken und digitalisieren und die Möglichkeit schaffen, öffentliche Petitionen in Ausschüssen und im Plenum zu beraten“, steht im Koalitionsvertrag. „Das könnte ein erster Schritt in Richtung einer Volksinitiative sein, mit der Bürgerinnen und Bürger Themen auf die Agenda des Bundestages setzen können“, meint Nierth. Bislang werden die Anträge von außen vornehmlich im Petitionsausschuss diskutiert und dem Bundestagsplenum nur summarisch vorgelegt.

Außerdem soll das Wahlalter für den Bundestag auf 16 Jahre sinken. Augenblicklich liegt die Altersgrenze noch bei 18 Lebensjahren. In einem „digitalen Gesetzgebungsportal“ will die Ampel zudem darstellen, in welchem Stadium der Beratung sich ein neues Gesetz befindet. Es soll dann leicht nachzuvollziehen sein, welche Unterschiede zwischen der aktuellen und künftigen Rechtslage bestehen. Und der sogenannte „legislative Fußabdruck“ wird veröffentlicht. Das heißt: Die Interventionen von Interessengruppen, Verbänden oder Firmen zum jeweiligen Gesetzentwurf werden dokumentiert. Diese Transparenz kann dazu führen, verdeckte Einflussnahme zurückzudrängen.

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