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Demokratin gewinnt in Alaska gegen Sarah Palin

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Von: Thomas Spang

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Mary Peltola mit einem Teil ihrer Konkurrenz, Sarah Palin und Nick Begich III.
Mary Peltola mit einem Teil ihrer Konkurrenz, Sarah Palin und Nick Begich III. © Loren Holmes/Imago

Die US-Demokratin Mary Peltola gewinnt gegen Sarah Palin und zieht als erste Indigene für Alaska in den US-Kongress ein. Ein Porträt.

Als junges Mädchen verfolgte sie den Wahlkampf des Mannes aus nächster Nähe, der Alaska über fünf Jahrzehnte im US-Kongress vertreten hatte. Dabei könnte sich Mary Peltola nicht deutlicher unterscheiden von Don Young, mit dem ihr Vater eng befreundet war. Während der legendäre Republikaner aus dem Polarstaat ein Raubein war, das gerne austeilte, hat die Angehörige der Yupik das Image einer sanften Brückenbauerin.

Nach Auszählung aller Stimmen der außerplanmäßigen Abstimmung vom 17. August steht nun fest, dass Peltola den verstorbenen Young beerben wird. Sie lag am Ende mit 51,5 Prozent um drei Punkte vor der ehemaligen Gouverneurin des Bundesstaats, Sarah Palin.

Aufgrund der langen Postlaufzeiten aus den entlegenen Regionen Alaskas hatte das offizielle Wahlergebnis knapp zwei Wochen auf sich warten lassen. Mit dem Rückenwind einer Amtsinhaberin geht sie im November bei den regulär stattfindenden Zwischenwahlen noch einmal an den Start. Ein Rennen, in dem sie nach dem komplizierten Ausscheidungssystem Alaskas ebenfalls deutlich führt.

Nachwahl in Alaska: Rivalin Sarah Palin ist eine langjährige Freundin

Dass sich die einzige Demokratin in dem einstmals bis zu 50 Kandidat:innen großen Feld durchsetzen konnte, hat mit ihrer Qualität als unabhängige Brückenbauerin zu tun. „Ich sehe die Menschen jenseits ihrer Parteizugehörigkeit“, erklärt die Leiterin einer Fischereibehörde der Indigenen am Kuskokwim River in der Wahlnacht ihr Erfolgsrezept. „Die Menschen in Alaska schätzen das. Sie wählen Personen und nicht Parteien.“

Ihre positive Ausstrahlung als Person stellte die vierfache Mutter in ihrer Zeit als Abgeordnete im Staatsparlament von Alaska über zehn Jahre unter Beweis (2009-2019). Damals freundete sie sich mit ihrer Konkurrentin um den Kongresssitz, Sarah Palin, über eine zeitgleiche Schwangerschaft an. Sie arbeitete so gut mit der Gouverneurin zusammen, dass Palin bis heute nur Gutes über Peltola zu sagen hat.

Die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin John McCains und Wegbereiterin des Trumpismus würde bei den Wahlen im November sogar für Peltola stimmen, stünde sie nicht selbst zur Wahl. Das deutete sie während einer Debatte an, als der Moderator danach fragte, wer ihre zweite Wahl in dem nach Rängen gewichteten System wäre. Palin zeigte auf die Demokratin.

Nachwahl in Alaska ist eine herbe Enttäuschung für Sarah Palin

Die Niederlage bei den Nachwahlen ist eine herbe Enttäuschung für Palin, die von 2006 bis 2009 Gouverneurin Alaskas gewesen war und die als einstige Ikone der radikal konservativen und populistischen Tea-Party-Bewegung und als Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner einige Bekanntheit erlangt hatte.

Während Peltola auch eine „Alaska-zuerst“-Kandidatin ist, unterscheidet sie sich beim Klimaschutz und dem straffreien Zugang zur Abtreibung deutlich von Palin und dem verstorbenen Vorgänger Young. Ein Vorteil ist ihre ethnische Herkunft als Angehörige der Yupik. Rund 15 Prozent der Einwohner:innen des Bundesstaates sind Indigene.

Die ausgebildete Lehrerin erinnerte in ihrem Wahlkampf an die sozialen Werte der Yupik, die sie nach Washington bringen will. Mit einem Sieg bei den Nachwahlen schreibt Peltola Geschichte. Und macht die erste indigene Repräsentantin aus Alaska bei den Midterms zur Favoritin, die einem Comeback Palins im Weg steht. mit dpa

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