HINTERGRUND

Deichschutz als Vorsorge

Eine exakte Vorhersage sei im Ernstfall gar nicht möglich und wenn die Sturmflut erst mal da ist, "können wir in dem Moment nichts mehr ausrichten", sagt

Von JÖRN BREIHOLZ (HAMBURG)

Eine exakte Vorhersage sei im Ernstfall gar nicht möglich und wenn die Sturmflut erst mal da ist, "können wir in dem Moment nichts mehr ausrichten", sagt Bernd Probst, Referatsleiter für Küstenschutz und Häfen im schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium. Also setzen die Deichschützer im Land zwischen den Meeren auf Prävention. Mehr als 50 Millionen Euro investiert Schleswig-Holstein jährlich in den Deichschutz, gut 30 Millionen gehen in die Verstärkung der Deiche und andere Küstenschutzmaßnahmen wie beispielsweise das Aufspülen von Sand im Meer vor Sylt.

Seit drei Jahren setzen Probst und seine 300 hauptamtlichen Mitarbeiter einen neuen Generalplan um. Dazu zählt auch eine Erhöhung der Deiche um 50 Zentimeter im Hinblick auf globale Klimaveränderungen. "Infolge des Klimawandels nehmen die Wasserstände und auch die Stürme zu", sagt der oberste Deichschützer im Land. Mit dem zusätzlichen halben Meter fange man den erwarteten Anstieg des Meeresspiegels in den kommenden einhundert Jahren ab.

Sturmflutmonate sind insbesondere der Januar und der Februar. Starker Westwind mit Windstärken über zehn und eine Tiefwetterlage mit schweren Stürmen können an der Nordseeküste Sturmfluten auslösen, manchmal bilden sich gar Sturmflutketten.

Für die Millionenmetropole Hamburg kann es kritisch werden, wenn die erste Flutwelle aufgrund des hereinpressenden Nordwestwindes auch bei Ebbe nicht wieder abfließen kann. Dann türmt sich die nächste Flutwelle auf die erste. Die Hamburger Flutschutzmauer ist inzwischen auf Pegel von 7,20 Meter über Normalnull ausgelegt und liegt damit fast achtzig Zentimeter höher als die 6,45 Meter über Normalnull, die in St. Pauli während der letzten großen Sturmflut am 3. Januar 1976 gemessen wurden.

Seit Jahrhunderten lebt man auf den Halligen mit Sturmfluten. Hier gibt es keine schützenden Deiche. Wenn "der blanke Hans" richtig wütet, können die Bewohner auch nicht per Hubschrauber evakuiert werden. Auf jeder Hallig gibt es aber inzwischen einen mit Stahlbeton ummantelten Raum, der als sturmflutsicher gilt.

1962 und 1976 waren die Jahre, in denen an der Nordseeküste Menschen in den Sturmfluten ertranken. Inzwischen sind die Deiche an der schleswig-holsteinischen Westküste bis zu 8,80 Meter hoch. Die Ostseeküste, wo es die letzten Toten infolge von Sturmfluten 1872 gegeben hat, gilt als sturmflutsicher.

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