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Wetterextreme nehmen weltweit zu. (Symbolbild)
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Wetterextreme nehmen weltweit zu. (Symbolbild)

Wetterextreme

Das vergessene Kind der Klimakrise

  • VonSandra Kirchner
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  • Christian Mihatsch
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Wetterextreme nehmen zu – aber wer für Schäden und Verluste zahlt, bleibt ungeklärt

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlägt Alarm: Mit jedem Grad, um das die Erderwärmung zunimmt, steigen die Risiken für Volkswirtschaften, Ökosysteme, Unternehmen und Menschen. Diese Risiken seien ungleich über Länder verteilt, daher seien die Ärmsten und Schwächsten unverhältnismäßig stark betroffen. Das sei „ein zwingender Grund, jetzt zu handeln“, mahnt die OECD, die in Glasgow einen Bericht über Schäden und Verluste durch die Klimakrise vorgestellt hat.

„Ein großer Teil der heutigen und künftigen Weltbevölkerung wird mit häufigeren und intensiveren Klimaereignissen konfrontiert sein“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann. Gerade die am wenigsten entwickelten Länder und die kleinen Inselstaaten sind von den Auswirkungen unverhältnismäßig stark betroffen. „Unsere Länder stehen in der Klimakrise an vorderster Front“, sagt Abul Kalam Azad vom Climate Vulnerable Forum der besonders verwundbaren Staaten. Drei Klimagefahren unterscheidet die OECD in dem Bericht: häufiger und intensiver werdende Wetterextreme und allmähliche Veränderungen wie den Anstieg des Meeresspiegels und schließlich die dramatischen Auswirkungen, wenn Schwellenwerte im Klimasystem überschritten werden.

Der wichtigste Weg, um die Klimarisiken zu begrenzen, sei schnelles Handeln, um die weltweiten Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf Null zu bringen, so die Organisation. Trotzdem wird es „unvermeidbare Grenzen der Anpassung an den Klimawandel“ geben, wie der Weltklimarat IPCC bereits 2014 festgehalten hat. Ein Beispiel: Wenn der Meeresspiegel steigt, kann man eine Zeit lang die Deiche erhöhen. Irgendwann stoßen aber niedrig liegende Inselstaaten an eine Grenze. Eine weitere Erhöhung der Deiche ist entweder technisch nicht mehr möglich oder schlicht unbezahlbar. In diesem Fall muss die Insel aufgegeben werden, und es entsteht ein permanenter Schaden.

Finanzierung fehlt

Im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen wird solch ein Szenario unter der Rubrik „Verluste und Schäden“ diskutiert. Nennenswerte Fortschritte wurden dabei bisher nicht erzielt. Der Grund dafür sei die Angst der Industriestaaten, sagt Saleemul Huq vom Umweltforschungsinstitut ICCCAD in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch: „Die Industriestaaten haben sich geweigert, das Thema ‚Verluste und Schäden‘ anzuerkennen – aus Angst vor Haftungs- und Entschädigungsansprüchen.“ Daher wurden Gremien eingerichtet, die den betroffenen Ländern technische Unterstützung gewähren, aber eine gesonderte Finanzierung für Verluste und Schäden gibt es im multilateralen Rahmen nicht.

Bislang existiert nur auf bilateraler Ebene eine Initiative, diese Länder auch finanziell zu unterstützen: „Insuresilience“ versucht Versicherungslösungen zu entwickeln, bei denen Industriestaaten einen Teil der Versicherungsprämie zugunsten der betroffenen Länder übernehmen. Damit lässt sich der Anstieg des Meeresspiegels nicht stoppen, aber Inselstaaten können sich gegen besonders schwere Sturmschäden versichern. „Wir müssen über Versicherungen hinausgehen“, sagt dagegen Saleemul Huq. „Wir brauchen eine echte Finanzierung für die Schäden und Verluste.“

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