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Die Überreste der abgebrannten Zeltstadt.
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Die Überreste der abgebrannten Zeltstadt.

Flüchtlinge

Das Lager Moria auf Lesbos – ein Friedhof der Menschenrechte

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Auf der griechischen Insel Lesbos sind die verkohlten Reste des Lagers Moria bis heute nicht beseitigt. Die Frankfurter Rundschau war dort.

Auf den wenigen Kilometern von Mytilini, der Hauptstadt der griechischen Insel Lesbos, ins Flüchtlingslager Kara Tepe führt die Straße an einem beeindruckenden Bauwerk vorbei, dem riesigen Kastell, von dem aus sich das Meer überblicken lässt. Man könnte es mit seinen mächtigen Mauern für ein Symbol der Abschottung Europas halten. Doch der Bau strahlt Würde aus.

Das lässt sich über die anderen Ruinen nicht sagen, die auftauchen, wenn man sich auf der Ägäisinsel etwas weiter durch Olivenhaine ins Landesinnere begibt, in Richtung des 1000-Einwohner-Dorfs Moria. Kurz vor dem Dorf liegt der makabre Ort so da, wie ihn die Menschen in der Nacht vom 8. auf den 9. September 2020 verlassen hatten. Er kündigt sich an durch ein Graffito, das in riesigen Buchstaben auf der Mauer prangt: „Welcome to Europe – Human rights graveyard“, willkomen in Europa, dem Friedhof der Menschenrechte.

Am Eingang zum ehemaligen Lager Moria hängt noch das verblassende Schild in den Farben Griechenlands und der Europäischen Union, das darüber informiert, wie viel Geld Griechenland und die EU hier ausgegeben haben für den Bau dieses „Hotspots“: 6 167 750 Euro.

Ehemaliges Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Verkohlter Olivenbaum mahnt

Nach wenigen Schritten hinein sind Mauersockel zu sehen, Reste von Stacheldraht und Matratzen, geschmolzenen Müllcontainern und Schuhen. In der Mitte erhebt sich mahnend ein verkohlter Olivenbaum.

In jener Septembernacht brannte das Lager Moria ab. Die Menschen, die ohnehin auf der Flucht sind, mussten erneut vor einer Katastrophe fliehen. Zunächst auf die Straßen von Lesbos. Dann in das hastig erweiterte Lager von Kara Tepe.

Weder die örtliche Behörde noch die Zuständigen in Athen oder Brüssel haben sich die Mühe gemacht, die verbrannten Überreste zu beseitigen. So bleibt die Erinnerung an ein Lager, das selbst nach Auffassung der EU-Kommission untragbar war. Für 3000 Menschen ausgelegt, war es auf weit über 20 000 Personen angewachsen.

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Als Corona kam, durften die Menschen nicht mehr raus

Dann, als Corona kam, durften die Menschen nicht mehr raus aus dem völlig überfüllten, dicht gedrängten Gelände. Vermutlich wurde das Lager von Geflüchteten angezündet, die sich wohl erhofften, dass damit das Ende des Lagersystems eingeläutet würde. Selbst EU-Innenkommissarin Ylva Johansson verkündete im September 2020: „There can be no more Morias“ – es darf keine Morias mehr geben.

Stattdessen wird Kara Tepe, das bis heute als zeitlich begrenztes Lager verkauft wird, mit stabilen Mauern aufgebaut, was den Verdacht nahelegt, dass es dauerhaft bleiben soll. Zugleich haben die Behörden verkündet, dass für 120 Millionen Euro ein neuer „Hotspot“ eingerichtet werden soll – fernab von der Stadt Mytilini, mitten im Wald, ohne Verbindung zur Bevölkerung und zu Hilfsorganisationen.

Alle Verantwortlichen sprechen davon, dass es diesmal wirklich ein vorbildliches Lager sein solle, ein Segen für die Menschenrechte geradezu. Es werde „alle Hygiene- und Sicherheitsbedingungen erfüllen“, verspricht der konservative Bürgermeister von Mytilini, Stratis Kytelis. Doch besonders liegt ihm am Herzen, dass die Touristinnen und Touristen wieder kommen. Da soll es keine verstörenden Bilder von Flüchtlingslagern in der Nähe seiner Stadt mehr geben.

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