Wladimir Putin mit Diktatoren-Kollegen Nazarbajew (Kasachstan) und Lukaschenko (Weißrussland).
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Wladimir Putin mit Diktatoren-Kollegen Nazarbajew (Kasachstan) und Lukaschenko (Weißrussland).

US-Wahl

Darum unterstützt Putin Donald Trump

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Erstmals unterstützt die russische Regierung einen Kandidaten im US-Wahlkampf. „The Donald“ will im Gegenzug die Krim anerkennen.

Der Vizepremier der Krimregierung, Michail Scheremet, hat den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auf die Krim eingeladen. „Wir freuen uns über alle Freunde, die sich bei uns erholen“, sagte Scheremet der Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Trump ist Russlands Held des Tages. Der US-Republikaner hat just getönt, er werde als Präsident die Anerkennung der Krim als Teil Russlands in Betracht ziehen. „Das Volk der Krim, soweit ich weiß, würde es vorziehen, bei Russland zu sein, und nicht dort, wo es früher war.“ Eine Aussage, die in großen Teilen der westlichen Öffentlichkeit als Skandal gewertet wurde. Ende März 2014 hatte die UN-Vollversammlung den Anschluss der Krim durch Russland für rechtswidrig erklärt, damals stellten sich nur 10 Länder auf die Seite Moskaus.

„Echter Oppositionspolitiker“

Trump aber verkündete auch, er wolle das miserable Verhältnis zu Russland verbessern. „Wenn Russland uns helfen würde, den ,Islamischen Staat‘ loszuwerden, könnten wir sehr viel Geld und Menschenleben erhalten.“

Trumps Äußerungen gelten als Reaktion auf die Wahlkampfäußerungen seiner demokratischen Gegenkandidatin Hillary Clinton gewertet. Sie griff den Kreml wiederholt an. „Wir wissen, dass russische Geheimdienste das Nationalkomitee der Demokraten gehackt haben“, sagte sie vergangenen Sonntag. „Und wir wissen, dass Donald Trump eine Besorgnis erregende Bereitschaft zeigt, Putin zu unterstützen.“

Amerikanische Experten machten für die Cyperattacke auf den Server der Clinton-Partei die Hackergruppen Cody Bear und Fancy Bear verantwortlich, die angeblich vorher Wirtschaftsspionage gegen Russland betrieben.

Der Kreml wies Clintons Vorwürfe zurück. Aber dass Russland zum Hauptthema des Rennens um das Weiße Haus geworden ist, kommentiert auch Putin-Sprecher Dmitri Peskow mit Genugtuung: „Die russische Karte liegt während des Wahlkampfs auf den Schreibtischen aller Washingtoner Politiker ganz oben.“ Und die Zeitung „RBK-Daily“ titelte: „Russland führt im amerikanischen Wahlkampf.“

Die russische Öffentlichkeit erlebt im Gegensatz zu früheren Wahlkämpfen mit Donald Trump erstmals einen aussichtsreichen Kandidaten für das Weiße Haus, der Moskau offen unterstützt. „Trump ist der erste echte Oppositionelle unter den US-Politikern“, schwärmt der nationalistische Schriftsteller Eduard Limonow.

Trump wählt Worte, die man sonst eher von europäischen Rechtspopulisten hört. „Trump spricht über die Anerkennung einer russischen Krim wie Marie Le Pen oder Matteo Saldini von der Lega Nord“, sagt der italienische Osteuropa-Experte Guiseppe D’Amato. „Also wie Leute, die im Ruf stehen, sich vom Kreml finanzieren zu lassen.“

Und kremlnahe Medien bejubeln den „russischen“ Schlagabtausch zwischen Trump und Clinton: „Russland ist zu einem Symbol der Tapferkeit geworden – eine mächtige, findige, erzkluge Kraft“, glaubt die Zeitung „Iswestija“ die Heftigkeit der amerikanischen Russland-Debatte.

„Dritter Weltkrieg“

Allerdings rätselt man auch in Moskau, wie Trumps Außenpolitik wirklich aussehen könnte. „Der Kreml wird versuchen, Trump auszunutzen und zu manipulieren,“ sagt der Politologe Michail Vinogradow. „Aber er wird ihm nicht trauen.“ Die Internetzeitung „gazeta.ru“ warnt schon jetzt davor, das Thema Russland könne sich im Verlauf des US-Wahlkampfes weiter aufschaukeln und die Widersprüche zwischen Moskau und Washington noch vertiefen. Und der Publizist Maxim Schewtschenko räsoniert: „Clinton und Trump sind für Russland wie Wolf und Krokodil.“

Schon wird in Moskau spekuliert, ob die Amerikaner ihrerseits Cyberattacken gegen russische Behörden gestartet haben. Wie die Nachrichtenagentur Tass am Samstag meldete, hat der Inlandsgeheimdienst FSB einen fremden Computer-Virus entdeckt, der sich Zugang zu Geheiminformationen aus 20 staatlichen und militärischen Einrichtungen verschaffte. Die Operation sei professionell geplant und durchgeführt worden. „Die USA und Russland haben den 3. Weltkrieg im Internet ausgelöst“, kommentierte die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“.

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