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„Wir wollen mithelfen“: Christina Kampmann und Michael Roth.

Zukunft der SPD

„Die SPD darf sich nicht selbst klein machen“

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    Andreas Niesmann
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Sie wollten selbst Parteichefs werden. Jetzt sprechen Christina Kampmann und Michael Roth über die neue SPD-Spitze , eine offenere Sozialdemokratie und die Rolle von Olaf Scholz.Die Ex-Vorsitzkandidaten Kampmann und Roth über die neue Führung, eine offenere Sozialdemokratie und die Rolle von Olaf Scholz

Frau Kampmann, Herr Roth, SPD-Chef zu sein ist längst nicht mehr „das schönste Amt neben Papst“, wie Franz Müntefering es mal gesagt hat. Hand aufs Herz, sind Sie manchmal auch froh, nicht Parteivorsitzende geworden zu sein?

Christina Kampmann:Wir sind ja nicht aus Spaß angetreten, sondern weil wir mehr Verantwortung für die SPD übernehmen wollten. Dafür haben wir monatelang gearbeitet und gekämpft. Natürlich überwiegt da im ersten Moment die Enttäuschung. Aber wir blicken jetzt nach vorne.

Wie muss es jetzt mit der SPD weitergehen?

Michael Roth:Die SPD muss sich möglichst breit aufstellen, jetzt ist Teamarbeit gefragt. Unsere neuen Parteivorsitzenden haben dabei eine wichtige Rolle. Aber sie stehen mit dieser Aufgabe nicht alleine da, dafür wäre sie auch zu groß. Wir dürfen uns nicht abschotten. Einige in der Partei glauben, die SPD sei eine Raupe und sie müsse sich nur stark genug in einen Kokon einspinnen, dann würde schon ein schöner Schmetterling aus ihr. Ich halte das für Unsinn. Wir müssen uns öffnen – für die vielen gesellschaftlichen Bewegungen, für Landrätinnen und Bürgermeister, für kreative Geister aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Und ich warne auch davor, dass einige wenige glauben, entscheiden zu dürfen, wer anständiger Sozialdemokrat ist und wer nicht.

„Wer Führung bestellt, bekommt sie auch.“ So hat das Vizekanzler Olaf Scholz stets ausgedrückt. Erwarten Sie nun auch Führung von Walter-Borjans und Esken?

Kampmann:Ich bin sicher, dass die Partei jetzt Führung und Orientierung von den neuen Vorsitzenden erwartet. Was sind Konzepte und Strategien der SPD? Wie sehen Visionen für die nächsten zehn Jahre aus? Die neuen Vorsitzenden haben es verdient, dass die Partei ihnen Zeit gibt. Wir wollen sie mit diesen Fragen aber auch nicht alleinlassen. Wir beide wollen mithelfen, die SPD wieder stärker zu machen.

Esken und Walter-Borjans haben zuletzt in einem sehr schnellen Takt immer neue Forderungen aufgestellt. Steckt dahinter eine Strategie – oder ist es Planlosigkeit?

Roth:Ich verstehe die Ungeduld der neuen Parteichefs, jetzt etwas bewegen zu wollen. Wichtig ist, diese vielen guten Einzelmaßnahmen in eine große sozialdemokratische Erzählung einzubetten. Natürlich geht es um Inhalte, aber es geht auch um eine überzeugende Verpackung, um die großen Linien. So wird die SPD erkennbar und unterscheidbar – für ihre Unterstützer und ihre Gegner. Unsere Mitglieder wollen endlich wieder stolz auf die SPD sein.

Die neuen Vorsitzenden wollen so die SPD außerhalb ihrer Arbeit in der Bundesregierung besser erkennbar machen.

Roth:Die Menschen im Land unterscheiden ja nicht zwischen einer SPD im Willy-Brandt-Haus und einer SPD in der Regierung. Für sie gibt es nur eine SPD. Wir sind einig: Die große Koalition ist ein Auslaufmodell. Trotzdem geht es nicht, dass in der SPD die einen Hü und die anderen Hott sagen.

Woran mangelt es der SPD?

Roth:Die SPD muss optimistischer sein und diesen Optimismus auch glaubhaft nach außen ausstrahlen. Wir brauchen keine nörgelnden Besserwisser, sondern mehr Mut- und Bessermacher! Die SPD darf sich nicht selbst kleinmachen, denn wir haben viel für unser Land erreicht. Wir dürfen uns auch nicht vom Gift der Nationalisten anstecken lassen, die von Systempresse reden. Die SPD hat doch kein Problem mit Journalisten, die sie runterschreiben. Die SPD hat ein Problem damit, dass sie sich selbst nicht hochredet. Wir wollen nichts schönreden, wenn etwas schlecht gelaufen ist. Mist bleibt Mist und Gold bleibt Gold. Das heißt aber auch, stärker herauszustellen, was wir erreicht haben und Erfolge nicht kleinreden – auch wenn sie durch Kompromisse mit dem Koalitionspartner zustande kommen.

Ist es richtig, dass Olaf Scholz Finanzminister geblieben ist?

Kampmann:Olaf Scholz ist für uns in der Regierung ein Stabilitätsanker. Ich finde es richtig, dass er in diesem Amt für die SPD weiterarbeitet. Er wirkt in Wählerschichten hinein, die nicht alle erreichen.

Interview: Andreas Niesmann und Tobias Peter

Michael Rothist seit 2013 Staatsminister für Europa. Der gebürtige Hesse gehört dem SPD-Parteivorstand an.

Christina Kampmannist SPD-Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen. Zuvor war sie Familienministerin in dem Bundesland.

Als Duotraten beide im vergangenen Jahr an, um SPD-Vorsitzende zu werden. In der Mitgliederbefragung gewannen sie zwar nicht, belegten aber mit einer schwungvollen Kampagne den dritten Platz hinter Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sowie Olaf Scholz und Klara Geywitz. 

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