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Protest gegen A49-Ausbau

Dannenröder Forst: Polizei soll Aktivist im Krankenhaus misshandelt haben

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Ein A49-Gegner macht der Polizei schwere Vorwürfe. Sie sollen ihn ihm bei einem Einsatz im Dannenröder Wald verletzt und anschließend im Krankenhaus misshandelt haben.

  • Für den Ausbau der A49 in Hessen wird der Dannenröder Forst teilweise gerodet.
  • Die Polizei geht gegen Aktivist:innen im Dannenröder Forst vor und räumt das Protestcamp.
  • Ein Aktivist wirft Beamt:innen vor, ihn im Krankenhaus misshandelt zu haben.

Marburg – Um den Ausbau der Autobahn A49 zwischen Gießen und Kassel und die entsprechenden Rodungen im Dannenröder Forst zu verhindern, besetzten Aktivist:innen den Wald mehr als ein Jahr lang. Mittlerweile hat die Polizei das Protestcamp geräumt. Mit verschiedenen, oft heftig umstrittenen Aktionen, machten die A49-Gegner:innen auf sich aufmerksam.

Bei ihren Einsätzen trafen die Beamt:innen auf Widerstand und sahen sich oftmals gezwungen, Gewalt einzusetzen. Fehlverhalten stritt die Polizei jedoch stets ab. Ein Aktivist im Dannenröder Wald erhebt nun schwere Vorwürfe. Nachdem er bei einem Einsatz verletzt worden war, sollen ihn Beamte im Krankenhaus bedroht und misshandelt haben.

Polizisten räumen auf der Trasse der A49 im Dannenröder Forst das letzte Baumhausdorf.

Dannenröder Forst: Aktivist gegen A49-Ausbau spricht von Misshandlung durch die Polizei

Acht Aktivist:innen sollen am 10. November 2020 eine große Erntemaschine besetzt haben. Mit im Geschehen war Chris T., berichtet die „taz“. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die A49-Gegner:innen vor. T. erzählt, dass er mehrere Schläge abbekommen hätte – einen gegen seine linke Schläfe – bevor er schließlich das Bewusstsein verlor. Der Rettungsdienst entfernte ihn aus dem Dannenröder Wald und brachte ihn in ein Krankenhaus nach Marburg. Zwei Polizisten sollen ihn in die Notaufnahme begleitet haben. Wegen Verdachts auf ein Schädel-Hirn-Trauma und eines verletzten Handgelenks führten Ärzt:innen Tests durch. Die Beamten sollen T. aufgefordert haben, seine Personalien anzugeben, sonst würde man ihn nicht behandeln. Der Aktivist weigerte sich allerdings.

Wie T. der „taz“ erzählte, hätte die Polizei gewartet, um ihn sofort wieder mitzunehmen. Allerdings wollten die Mediziner:innen, dass er 48 Stunden lang zur Beobachtung im Krankenhaus bleibt. Als der A49-Gegner im Behandlungszimmer lag und auf die Ergebnisse der Röntgenuntersuchung und Computertomographie wartete, seien sechs Polizist:innen ins Zimmer gekommen und hätten ihn erneut dazu aufgefordert, seine Daten anzugeben. Weil er sich weigerte, habe man ihm Handschellen angelegt, ihn mit Schmerzgriffen auf der Liege fixiert und angefangen, ihn zu entkleiden. „Als sie mir meine Unterhose ausziehen wollten, kamen zwei Krankenschwestern ins Zimmer und schickten die Polizisten weg“, berichtet T.

Dannenröder Forst: A49-Gegner am Kopf verletzt – Polizei bestreitet Schuld

Der A49-Gegner behauptet, sich im Krankenhaus „nicht mehr sicher“ gefühlt zu haben. Ohne auf seinen Befund zu warten, ließ er sich von Waldbesetzer:innen abholen und sei in ein Sanitätszelt im Dannenröder Wald verlegt worden. Am Tag darauf habe er das negative Ergebnis der Computertomographie erhalten.

Die Polizei gibt den Schlagstock-Einsatz am besagten Tag im Dannenröder Wald zu, dementiert aber, dass man Aktivist:innen damit gegen den Kopf geschlagen habe. „Der Schlagstock wurde gegen den Körper eingesetzt, nicht gegen den Kopf“, hieß es auf Twitter. Im Krankenhaus wurde bei T. allerdings eine Kopfverletzung festgestellt.

Dannenröder Forst: A49-Gegner prüft rechtliche Schritte gegen Polizei

Wie die „taz“ berichtet, zieht T. gegen die Polizei vor Gericht. Er und sein Anwalt erwägen demnach Anzeigen wegen Körperverletzung im Amt, Freiheitsentzug und prüfen, ob Ansprüche auf Schmerzensgeld bestehen. Für seinen Anwalt seien der Schlagstock-Einsatz sowie die Maßnahmen im Krankenhaus unverhältnismäßig gewesen. Von der Polizei liegt zum Einsatz im Krankenhaus keine Stellungnahme vor.

Der Anwalt halte es zudem für fragwürdig, dass Pressemitteilungen der Polizei im Dannenröder Wald von den Medien als vermeintlich neutrale Informationsquelle genutzt wurden. Bei einer lokalen Nachrichtenseite war von einem „tragischen Vorfall“ die Rede. Ein Gegner des Ausbaus der A49 habe eine Baumaschine besetzt, sei ausgerutscht und schwer verletzt worden. Diese Maschine, berichtet T. gegenüber der „taz“, habe er allerdings nie erreicht.

Rubriklistenbild: © Nadine Weigel/dpa

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