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Damit die Gäste wieder kommen

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Von: Pitt von Bebenburg

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Nach der Flut vom Sommer 2021 ist auch die Touristik gefragt - nämlich Menschen und Geld in das Katastrophengebiet zu bringen. Die Ferienbranche fordert Hilfe für Infrastruktur.

Das Kurhaus von Bad Neuenahr, ein eleganter Bau vom Anfang des 20. Jahrhunderts, der sich direkt an der Ahr entlangstreckt, ist so etwas wie das Wahrzeichen des Tourismus der Region. Doch ein Jahr nach der Flut haben die Instandsetzungsarbeiten noch nicht einmal begonnen.

„Das ist das Wohnzimmer der Stadt“, schildert der CDU-Kommunalpolitiker Detlef Odenkirchen, als er am gegenüberliegenden Ufer auf den traurigen Anblick des verlassenen Gebäudes schaut. In den 50er Jahren schwebten hier Politiker aus dem nahen Bonn mit ihren Frauen beim Bundespresseball über die Tanzfläche - Politikerinnen waren ja seinerzeit selten. 1,5 Millionen Gäste habe Bad Neuenahr vor dem Hochwasser pro Jahr verzeichnet, berichtet Odenkirchen, „mehr als Mainz oder Trier“. Und jetzt? „Hier kann man keine Touristen vorbeischicken. Hier muss was passieren!“

Der Tourismus ist „das Metier der Ahr“. So sagt es Dirk Stephan, der Chef der Winzergenossenschaft in Mayschoß. „Wir können nicht ohne Tourismus.“ Stephan steht in der Probierstube der Winzergenossenschaft. Das für große Gruppen geeignete, voll verglaste Lokal liegt rund zehn Meter über dem Fluss – doch das Wasser stieg auch bis hier hinauf. Es erscheint unvorstellbar.

Das Gebäude mit der Probierstube muss abgerissen werden, und auch die anderen Gebäude der Winzergenossenschaft in Mayschoss, Altenahr und Walporzheim sind zerstört. „Wir sind auf staatliche Hilfen angewiesen und hoffen, dass das recht zügig vorangeht“, berichtet Stephan einer Delegation der rheinland-pfälzischen CDU. Im November sollen die Arbeiten losgehen – wenn sich Handwerker finden.

Doch das ist nur der eine Teil. Mindestens genauso wichtig ist aus Stephans Sicht, dass der Tourismus wieder in Gang kommt. Seine größten Wünsche lauten daher: „Ich hoffe, dass die Bahn schnellstmöglich aktiviert wird, die Radwege, die Spazierwege.“

So sieht das auch Elmar Sermann, dessen Familie seit 1775 Weinbau an der Ahr betreibt. „Wir müssen das ganz schnell ins Laufen kriegen“, mahnt er, „sonst geht das Ahrtal den Bach runter.“ Damit meint er nicht nur sein Weingut, sondern die touristische Infrastruktur.

Immerhin, die Ahrtalbahn fährt bereits wieder von Remagen nach Walporzheim. Der weitere Verlauf bis Ahrbrück soll bis Ende 2025 in Betrieb gehen. So lange müssen Touristinnen und Touristen sich mit Schienenersatzbussen begnügen.

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