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Der Dalai Lama gibt auf

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter beklagt sein "Versagen" und überträgt die Verantwortung der Exil-Regierung

Von MARTIN FRITZ

Tokio. Der Dalai Lama ist mit seiner Weisheit am Ende. Fast 50 Jahre nach seiner Flucht aus Tibet hat der 73-Jährige keine Hoffnung mehr, die religiöse und kulturelle Autonomie für seine Heimat zu erreichen. Sein Vorgehen sei gescheitert, bekannte er während eines Besuches in Tokio auf einer Pressekonferenz. "Wir haben in Tibet keine positiven Veränderungen erreicht", sagte der Friedensnobelpreisträger. "Die chinesische Unterdrückung hat zugenommen, China bleibt sehr hartnäckig. Ich kann deswegen nicht einfach so weitermachen. Ich muss mein Versagen akzeptieren."

Jetzt will er die Tibeter ihr Schicksal selbst bestimmen lassen. Mitte November sollen in Neu Delhi 300 Delegierte der Exil-Tibeter über einen neuen Kurs beraten. Vor diesem Treffen will der Dalai Lama seine eigene Position nicht öffentlich machen, um den Entscheidungsprozess nicht zu beeinflussen. Nicht einmal die Forderung nach Gewaltfreiheit als Minimum nahm der Mönch in Tokio in den Mund.

Bei der sechsten Gesprächsrunde mit China habe Peking erneut behauptet, er würde die Unabhängigkeit anstreben, sagte der Dalai Lama. Derweil habe sich die Lage in Tibet deutlich verschlechtert. "Den Tibetern ergeht es so, als ob sie zum Tode verurteilt sind. Diese uralte Nation und ihr kulturelles Erbe liegen im Sterben." Er findet es daher persönlich sehr schwierig, weiter mit der chinesischen Seite zu verhandeln: "Mein Vertrauen in China wird immer dünner und dünner und dünner."

Als Konsequenz will der Dalai Lama die politische Führung der Exil-Tibeter abgeben und nur noch die Rolle eines Beraters übernehmen. Ganz offen sprach der 73-Jährige davon, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Viele könnten sich das nicht vorstellen, aber auch er sei nur ein einfaches menschliches Wesen und habe ein Menschenrecht auf Ruhestand. "Seitdem ich 16 Jahre alt bin, trage ich diese Verantwortung, auch in der dunkelsten Zeit der tibetischen Geschichte", sagte er. "Jetzt kann ich diese Verantwortung nicht mehr übernehmen."

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