Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nachtleben in Dänemark: Die Begriffe 2G und 3G kennt hier niemand. Foto: Olafur Steinar Gestsson / Ritzau Scanpix / AFP.
+
Nachtleben in Dänemark: Die Begriffe 2G und 3G kennt hier niemand.

Corona in Dänemark

Dänemark lässt sich trotz hoher Inzidenz nicht aus der Ruhe bringen

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
    schließen

Seit September gelten in Dänemark keine Corona-Regeln mehr. Das Modell galt lange als Erfolg. Jetzt steigen die Infektionszahlen merklich – doch große Aufregung bleibt aus.

Dänemark - Nach zwei Monaten Alltag in Dänemark ohne eine einzige Corona-Restriktion steigen auch hier die Infektionszahlen kräftig an. Während Menschen anderswo in Europa schon wieder vor der Möglichkeit neuer Lockdowns zittern müssen, bleibt die dänische Tonlage erstaunlich ruhig. Gesundheitsminister Magnus Heunicke mahnt zu verstärkter Impfbereitschaft, schließt aber die Wiedereinführung landesweiter Restriktionen klar aus. Zumindest bis auf weiteres.

Auch aus der linken Einheitsliste, seit Beginn der Pandemie stets unerschütterlichste Verfechterin weitgehender Beschränkungen im Kampf gegen die Pandemie, kommen beruhigende Worte: „Es gibt keinen Bedarf an Restriktionen im herkömmlichen Sinn“, sagt ein Fraktionssprecher. Weil praktisch alle Parteien im Folketing darin einig sind, beruhigte die Zeitung „Politiken“ ihre Leserschaft: „Trotz steigender Inlandszahlen und höherer Corona-Belegung der Krankenhäuser wird es den Winter über keine Shutdowns geben.“

Corona in Dänemark: 3G oder 2G sind Fremdbegriffe

Damit setzt Dänemark den eingeschlagenen Weg fort, Corona nicht mehr als akute Bedrohung der Gesellschaft einzustufen. Die Aufhebung sämtlicher Restriktionen am 10. September, als erstes Land in Europa, hat gerade erst wieder die Herbstwelle reiselustiger Deutscher an der Nordseeküste ins Staunen versetzt: keine Maskenpflicht, unbegrenzter Zutritt für alle Menschen zu Cafés, Museen, Fußballstadien und Nachtclubs. Kindergärten sowie Schulen laufen im Normalbetrieb. 3G oder 2G sind Begriffe, mit denen hier niemand etwas anfangen kann. Ihre Corona-Pässe benötigen Däninnen und Dänen nur noch bei Auslandsreisen.

Möglich gemacht hat das zuallererst die rekordverdächtige Impfbereitschaft der 5,8 Millionen Bürger:innen. Mit einem Anteil von gut 75 Prozent vollständig Geimpfter liegt das Land knapp zehn Prozentpunkte vor dem Nachbarn Deutschland. „Dänemarks Weltrekord an gegenseitigem Vertrauen hilft uns im Kampf gegen Corona“, prophezeite schon bei Ausbruch der Pandemie der Politologe Gert Tinggaard Svendsen in der Zeitschrift „Videnskab“. Damit hat er genauso recht behalten wie mit der Feststellung, dass sich weder Verschwörungstheorien noch Corona-Leugnung oder Panik im Land nennenswert ausgebreitet hätten.

Corona in Dänemark: Zwangstests, Zwangsimpfungen und Zwangsbehandlungen

Dies ist umso bemerkenswerter, als sich die sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen beim Pandemiestart Vollmachten absegnen ließ, die in Deutschland undenkbar sein dürften: Die Gesundheitsbehörden wurden zu Zwangstests, Zwangsimpfungen und Zwangsbehandlungen Corona-Kranker samt Einsatz von Militär dabei ermächtigt. Auch die Einheitsliste von ganz links stimmte zu, die Öffentlichkeit fügte sich so gut wie klaglos. Fast unbemerkt wurden diese Sondervollmachten einfach wieder gestrichen, nachdem sie beim erfolgreichen staatlichen Corona-Management faktisch keine Rolle gespielt hatten.

Aber Corona bleibt trotzdem auch in Dänemark ein Teil des Alltags. Die 7-Tage-Inzidenz ist in Hotspots wie dem Kopenhagener Vorort Ishøj auf über 700 und im Landesdurchschnitt auf 176,4 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner:innen geklettert. Gesundheitsminister Heunicke erhebt durchaus mahnend seine Stimme, dass ohne massive Impfbereitschaft auf längere Sicht wieder mit Einschnitten in den Alltag zu rechnen sei. Aber eben lokal und viel flexibler als in den vergangenen anderthalb Jahren.

Dass Frederiksen ihr erfolgreiches Corona-Management möglicherweise am Ende das Amt kosten und sogar auf eine Anklagebank bringen kann, gehört zu den bizarren Geschichten der dänischen Pandemiebekämpfung: Als ihre Regierung aus Angst vor der Verbreitung einer neuen Virusvariante die sofortige Tötung aller 20 Millionen Zuchtnerze in Dänemark anordnete, fehlte die gesetzliche Grundlage. Der Streit darüber machte in dieser Woche weit größere Schlagzeilen als der Anstieg der Corona-Zahlen. (Thomas Borchert)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare