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Dämmen und selbst Strom erzeugen

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Von: Joachim Wille, Friederike Meier

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Plusenergiehäuser in Freiburg: Sie verbrauchen extrem wenig Energie – oder produzieren, dank großflächiger Solaranlagen, sogar mehr davon als sie konsumieren.
Plusenergiehäuser in Freiburg: Sie verbrauchen extrem wenig Energie – oder produzieren, dank großflächiger Solaranlagen, sogar mehr davon als sie konsumieren. © Imago (Archivbild)

Um die Gebäude klimafreundlich zu machen, müssen vor allem Altbauten saniert werden. Außerdem braucht es Heizenergie aus erneuerbaren Quellen. Doch auch, wer zur Miete wohnt, kann einiges tun.

Häuser aus den 1950er und 1960er Jahren sind am schlimmsten. Es sind wahre Energieschleudern, gebaut vor den Ölkrisen der 1970er Jahre, als der Liter Heizöl umgerechnet um die fünf Cent kostete. Um ein unsaniertes Einfamilienhaus aus dieser Zeit zu beheizen und mit Warmwasser zu versorgen, sind bis zu 300 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter nötig. Das entspricht 30 Litern Heizöl. Die Energiekosten für solche Häuser sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, seit den Beginn von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine explodieren sie jedoch förmlich.

Auch die Treibhausgas-Emissionen, die beim Heizen mit Heizöl, Erdgas oder Normalstrom verursacht werden, liegen hoch. Rund 30 Prozent des CO2-Ausstoßes kommen aus dem Gebäudesektor. 1990 machten die Emissionen hier noch 210 Millionen Tonnen aus. Dank energieeffizienter Neubauten betrugen sie 2020 noch rund 120 Millionen. Doch bereits bis 2030 ist eine Absenkung auf 72 Millionen angepeilt, und bis 2045 ist auch beim Wohnen „Klimaneutralität“ gefordert.

Neue Häuser können heute als „Passivhäuser“ oder sogar „Plusenergiehäuser“ gebaut werden, die dank guter Wärmedämmung und passiver Sonnennutzung extrem wenig Energie verbrauchen – weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr – oder dank großflächiger Solaranlagen sogar mehr davon produzieren als sie konsumieren. Die größte Herausforderung für den Klimaschutz im Gebäudesektor ist es jedoch, den Altbaubestand CO2-neutral zu machen

Zwar ist der Energiebedarf stetig gesunken, seit unter dem Druck der Ölkrisen die erste Wärmeschutzverordnung erlassen wurde. Doch die Energiesanierung der Altbauten kam nicht richtig in Schwung. Pro Jahr wurde lange Zeit nur rund ein Prozent der Altbauten energetisch modernisiert, nötig wären drei bis fünf Prozent. Das „Klimapaket“ der letzten Bundesregierung von 2019 brachte hier einen Aufschwung, denn Heizungsaustausch, effiziente Fenster und Dämmung werden seither durch zum Teil hohe Zuschüsse oder Steuerabschreibungen kräftig gefördert.

Aktiv werden

Gebäude sanieren Die Broschüre des Umweltbundesamtes „Das Energie-Sparschwein“ bietet Informationen zum Wärmeschutz bei bestehenden oder geplanten Eigenheimen. Vor der Sanierung sollten Sie jedoch einen Energieberater einschalten, der einen Sanierungsplan aufstellt und über die Fördermöglichkeiten aufklärt. Für die Beratung gibt es Zuschüsse.

Selbst Strom erzeugen Zu Solaranlagen auf dem Balkon liefern die Verbraucherzentralen einen Überblick.

Heizkosten sparen Auch Tipps, wie Sie Heizkosten sparen und so das Klima schützen, geben die Verbraucherzentralen.

Die neue Ampel-Regierung hat die Fördermittel zwar jüngst aufgestockt, den Zuschnitt der Förderung aber verändert. Für Neubauten wurde sie heruntergefahren, für Erdgas-Heizungen gibt es keine Zuschüsse mehr, zum Teil wurden auch die Fördersätze in der Altbau-Sanierung gekürzt. Das Kalkül dahinter: Der Schwerpunkt soll auf die Sanierung der älteren Bestandgebäude gelegt werden, wo am meisten CO2-Einsparung zu holen ist, und mehr Haushalte sollen eine Förderung erhalten können.

Die richtige Strategie für die Altbauten lautet: zuerst die „Heizlast“ der Gebäude durch neue Dreifachfenster sowie die Dämmung von Dach, Fassaden und Kellerdecke zu minimieren und dann den Rest-Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen wie elektrischen Wärmepumpen, Solarkollektoren, Holzpellets, Biogas oder synthetischem Ökogas bereitzustellen.

Wer als Mieterin oder Mieter keinen Einfluss auf die Dämmung oder die Art der Heizung hat, kann dennoch etwas tun, um weniger Energie im Haushalt zu verbrauchen: Zum Beispiel Dichtungsbänder für zugige Fenster einkleben, Thermostate richtig einstellen und die Heizkörper entlüften. Außerdem spart naturgemäß viel, wer auf wenig Raum wohnt und dementsprechend eine kleinere Fläche heizen muss. Effektiv ist auch die Absenkung der Raumtemperatur. Faustformel: Ein Grad weniger bedeutet einen rund sechs Prozent niedrigeren Heizenergiebedarf. Wer einen Sparduschkopf verwendet, spart die Energie, die zum Erwärmen des Wassers notwendig ist. Damit können etwa 0,3 Tonnen CO2 pro Person und Jahr vermieden werden. Auch im Strombereich kann jede und jeder etwas ändern: Wer zu Ökostrom wechselt, kann etwa eine halbe Tonne CO2-Äquivalente pro Jahr sparen. Anbieter mit dem Grüner Strom-Label fördern den Bau neuer Anlagen und bringen so die Energiewende voran. Und wer einen Süd- Ost oder Westbalkon hat, kann mit einem Solarpanel auf dem Balkon selbst Strom erzeugen.

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