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Cyberattacken so nah und auch so fern

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Israels Premierminister Naftali Bennet
Israels Premierminister Naftali Bennet © AFP

Israels Dauerstreit mit dem Iran gerät zwischen die Fronten des Ukraine-Kriegs.

Israel wurde in den Abendstunden des Montags von einem schweren Cyberangriff heimgesucht. Zahlreiche Internetseiten der Regierung waren vorübergehend nicht abrufbar. Die Attacke, die gegen 18 Uhr Ortszeit begann, zielte vor allem auf die von Ministerien und anderen Regierungsstellen genutzte Domain gov.il ab. Auch die Website des Premierministers war vorübergehend lahmgelegt. Noch vor Mitternacht konnten die meisten Dienste dann wieder erreicht werden.

Mit der Lage Vertraute sprechen von einem der schwersten Angriffe auf die digitale Infrastruktur des Landes. Die Attacke wird dem Iran zugeschrieben, aber sie kommt zu einem Zeitpunkt, wo allenthalben mit massiven Attacken durch russische Hacker gerechnet wird – schließlich hat der Kriegsgegner Ukraine schon zur Gründung einer eigenen „IT-Armee“ gegen etwaige Internetattacken durch Moskau aufgerufen. Tatsächlich war der bisherige Kriegsverlauf in der Ukraine entgegen vieler vorheriger Annahmen nicht durch Aktionen im Netz gekennzeichnet.

Israel ist laufend Cyberangriffen ausgesetzt - vermutlich aus dem Iran

Israel ist aber laufend Cyberangriffen mutmaßlich aus dem Iran ausgesetzt, und angesichts seiner zunehmenden Isolation sucht Russland händeringend Verbündete. Der Iran, der mit den USA und anderen westlichen Kräften um eine Neuauflage des Atom-Deals ringt, könnte ein solcher Verbündeter sein. Oder aber: Ein neues Atomabkommen mit dem Iran kommt nur zustande, wenn Moskau bei den Wiener Verhandlungen einen Abschluss mit vorantreibt. Oder nicht. Die israelische Regierung hat wiederholt klargemacht, dass sie kein Interesse an einer neuerlichen solchen Übereinkunft hat.

Vor zwei Jahren ereigneten sich mehrere Cyberangriffe auf Israels Trink- und Abwassersteuerung, bei denen man iranische Hacker als die Verantwortlichen ausmachen wollte. Seither wird die digitale Abwehr des Landes massiv aufgestockt.

Iran zu Luftangriff nahe Damaskus: „Israel wird dafür bezahlen“

Derzeit vergeht keine Woche ohne einen Zwischenfall an einer der vielen Fronten im stillen Krieg zwischen dem Iran und Israel. Ein Luftangriff nahe Damaskus zu Beginn der vergangenen Woche war Israel zugeschrieben worden. Der Iran ließ dann wissen, dass bei dem Angriff zwei hohe Offiziere der Revolutionsgarden getötet wurden. „Israel wird dafür bezahlen“, drohten die Revolutionsgarden daraufhin.

Die Episode aber war nicht allein ein Schlagabtausch zwischen zwei Mächten auf fremdem Territorium. Es wird allgemein angenommen, dass Israel sich dessen bewusst ist, wer über Syrien die Lufthoheit derzeit hat: Russland. Wenn also ein etwaiger Angriff von israelischer Seite gelingt, dann wohl auch wegen dem Stillhalten der russischen Seite.

Israels Norden war übers Wochenende in erhöhter Alarmbereitschaft. Man stellte sich auf Angriffe durch vom Iran gesteuerte Milizen in Syrien ein. Es blieb dann zwar doch ruhig, aber der Cyberangriff Montagabend wird als zeitlich zu nah an der iranischen Drohkulisse angesehen. Noch ist nicht klar, ob es abseits der zeitweisen Ausfälle auch längerfristigen Schaden gibt.

Israel weist seine Verbündeten im Westen seit Jahren darauf hin, dass nukleare Aufrüstung nicht der einzige Aspekt der iranischen Bedrohung sei: Es häufen sich auch die Angriffe mittels Drohnen. Ein Ausschleifen der Sanktionen des Westens gegenüber dem Iran könnte Teheran mehr finanziellen Spielraum bieten, um in diese Technologien zu investieren, heißt es.

In der Vergangenheit gelang es Drohnenpiloten aus dem Iran mehrmals, nach Israel einzudringen

Schon jetzt sei Teheran in der Lage, Drohnen mit einer Reichweite von 3000 Kilometern zu lancieren, sagt ein hoher Offizier der israelischen Streitkräfte – also aus dem Iran Richtung Gazastreifen und retour, um palästinensische Terrorgruppen in dem von Israel und Ägypten abgeriegelten Landstrich auszurüsten oder einen Sprengsatz abzuwerfen. Entsprechende Versuche habe man bereits vereitelt, heißt es. Drohnen könnten aber auch von den Klientel-Milizen in Syrien und Libanon, kommen, aber auch aus dem Jemen.

In den vergangenen Jahren gelang es iranischen Drohnenpiloten mehrmals, in den israelischen Luftraum einzudringen. Israel begegnet diesen Attacken mittlerweile auch mit F-35-Jets – die, die auch Deutschland will. Die ganzen Luftstreitkräfte Israels trainieren nun dafür. mit FR

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