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Ehemaliger CSU-Parteichef Huber lehnt soziales Pflichtjahr ab: „politisch dumm“

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Von: Erkan Pehlivan

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CSU-Parteichef Erwin Huber lehnt soziales Pflichtjahr ab
EX-CSU-Parteichef Erwin Huber © Christina Sabrowsky/dpa

Der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber lehnt ein von der CDU vorgeschlagenes „soziales Pflichtjahr“ für junge Leute ab und setzt auf Freiwilligkeit.

München - Kritik am jüngsten CDU-Parteitag beschlossenen „sozialen Pflichtjahr“ für junge Leute kommt vom früheren CSU-Parteivorsitzenden Erwin Huber. So etwas sei „falsch, kostspielig, fachlich problematisch, rechtlich fragwürdig und politisch dumm“, sagte Huber im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern am Dienstag (12. September). Stattdessen plädiert der CSU-Mann für Freiwilligkeit.

Ex-CSU-Chef Huber: Pflichtjahr organisatorisch nicht zu schaffen

Nach den Worten des CSU-Politikers betrifft ein Altersjahrgang in Deutschland derzeit 700.000 bis 800.000 junge Menschen. So viele Heranwachsende für ein Pflichtjahr in soziale, pflegerische oder ökologische Dienste zu bringen, sei organisatorisch nicht zu schaffen. „Man kann nicht einfach Schulabgänger ans Bett von Alten und Pflegebedürftigen stellen,“ so Huber. Die jungen Menschen müssten von Dienstverpflichteten betreut werden, die wiederum in der praktischen Arbeit fehlen würden.

Ex-CSU-Chef Huber: Fachkräfte ausbilden Aufgabe von Sozialstaat

Es sei Aufgabe des Sozialstaates und des Bildungssystems, die notwendigen Fachkräfte auszubilden, erklärte CSU-Politiker Huber. Das könne nicht einfach über ein Pflichtjahr für junge Leute gelöst werden. Dies wäre seiner Ansicht nach eine Kapitulation des Sozialstaates und des Bildungswesens. Stattdessen sollte der freiwillige Einsatz für das Gemeinwesen attraktiver gemacht werden. Ein Pflichtjahr würde außerdem den Arbeitsmarkt in Deutschland weiter belasten, gab der Politiker zu bedenken.

Ex-CSU-Chef Huber: Pflichtjahr verfassungsrechtlich problematisch

„Beim bekannten und viel beklagten Fachkräftemangel würden auf Dauer, nämlich Jahr für Jahr neu, weit über eine halbe Million tüchtige junge Leute dem Arbeitsmarkt entzogen“, fürchtet Huber. Huber hält zudem das Pflichtjahr verfassungsrechtlich „für höchst problematisch“. Denn es bedeute „ein hohes Maß an Freiheitsentzug und Einschränkung von Lebenschancen“. Da müsste ein Notfall begründet werden, für den es keine anderen Lösungen gebe.

Ex-CSU-Chef Huber warnt vor schlechten Umfrageergebnissen

Huber verwies zugleich darauf hin, dass die Unionsparteien schon jetzt schlechte Wahlergebnisse bei der jungen Generation hätten. „Ein Pflichtjahr würde diese Werte dramatisch weiter verschlechtern.“ Er empfahl deshalb, „diesen Beschluss unter der Rubrik ‚Vergessen‘ abzulegen“. (Erkan Pehlivan/kna)

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