Karin und Markus Söder trinken in Blau-Weiß.
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Karin und Markus Söder trinken in Blau-Weiß.

CSU

CSU: Nicht Husum noch Herne

  • Rasmus Buchsteiner
    vonRasmus Buchsteiner
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Der fränkische CSU-Chef und -Ministerpräsident Markus Söder bekennt sich in Passau zu Bayern und zu seiner ungemein teamfähigen Rolle als Kanzlerkandidatenmacher.

Das mit dem bayerischen Defiliermarsch und dem Geschiebe in den engen Gängen, als Markus Söder in die Dreiländerhalle einzieht, dauert schon mal lange. Ziemlich lange sogar. Aber dies hier ist ja nicht irgendeine Veranstaltung, sondern das, was die Christsozialen stolz ihr „Hochamt“ nennen. Oder „den längsten Stammtisch der Welt“.

Es ist der Tag, an dem sich CSU-Anhänger schon morgens früh die erste Maß zu 9,30 Euro genehmigen. Ein Polit-Event mit deftigen Sprüchen und Bier in Strömen. Und es ist Passau, das Franz Josef Strauß einst am Politischen Aschermittwoch zur heimlichen Hauptstadt der Republik erklärte. Und Bayern zum schönsten Land der Welt.

„Tick, Trick und Track“

Damit wäre das traditionelle Setting für CSU-Chef Söder also beschrieben. Diesmal ist es aber ein ganz besonderer Aschermittwoch. Es ist der Tag nach dem großen Showdown bei der Schwesterpartei mit der Nachricht, dass Friedrich Merz nun auch offiziell nach dem CDU-Vorsitz greift, so wie Armin Laschet und Norbert Röttgen.

„Jetzt ist eine ernste Lage“, sagt Söder. Und da hat er sein Publikum schon fast eine Stunde auf die Folter gespannt und sich quer durch die Berliner Politik gelästert: Zum Beispiel über die Grünen, die den Aschermittwoch für „eine politische Tofu-Tupperparty“ nutzen. Deren Parteichef Robert Habeck sei ja „Küstenkavalier“ und „Käpt’n Iglo“ zugleich.

Die bauern waren’s

Deutschlandverdankt den politischen Aschermittwoch den bayrischen Bauern, die 1580 erstmals zum Viehmarkt in Vilshofen an der Donau zusammenkamen und sich dabei ausgiebig die Mäuler über die Fürsten zerrissen.

1919belebte der Bayrische Bauernbund diese schöne alte Tradition neu und rief zu einer entsprechenden Kundgebung auf. Man darf annehmen: Die just von einer linken Räteregierung „befreiten“ Bayern nutzten den Termin zu wüsten Verbalattacken auf die in Weimar das Reich zusammenhaltenden „vaterlandslosen Gesellen“ (SPD und andere). Den nächsten Aschermittwoch gab es erst 1927 wieder.

1932traten erstmals unterschiedliche Parteien bei dem Termin an, um in Bierzelt-Atmosphäre derbe Polemiken gegen die politischen Gegner loszuwerden. Die NSDAP hatte den größten Zulauf. Nach 1933 war der Aschermittwoch alleinige Plattform der Nazis für Hetze und Hass.

1946belebte die Bayernpartei den demokratischen Aschermittwoch neu, die CSU verhalf ihm ab 1953 zu bundesweiter Bedeutung. Seit 1965 war dann auch die SPD dabei. Inzwischen macht jeder mit: Grüne, FDP, Linke, Republikaner, AfD, Piraten, ÖDP ... (rut)

„Kühnert, Nowabo und Esken“ verspottet Söder als „Tick, Trick und Track“ der SPD. Mehr Aufmerksamkeit schenkt er den Sozialdemokraten aber nicht, arbeitet sich lieber an den neuen grünen Angstgegnern ab: Wer von Schwarz-Grün träume, werde mit Grün-Rot-Rot aufwachen.

Damit wäre der CSU-Chef wieder beim Bundestagswahlkampf angekommen. Er freue sich, dass die CDU den Rat der CSU angenommen habe, ihre Personalfrage schneller zu klären als geplant, sagt Söder. Er werde keinen Rat geben, wer die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer übernehmen solle. „Mit allen können wir hervorragend zusammenarbeiten“, so Söder. Aber „eine Position – da werden wir natürlich mitreden“, fährt er fort. „Ohne die CSU wird es keinen Kanzlerkandidaten geben. Also geht es nur mit uns.“ Ein Frühstart wie der von Martin Schulz 2017 als Kanzlerkandidat der SPD, „der endet im Schnell-Absturz“, warnt Söder vor allzu schnellen Festlegungen in der K-Frage. Das ist Klartext zur neuen Lage in der Union – nach AKK’s Rückzugsankündigung.

Über den Dächern von Passau auf der mächtigen Veste Oberhaus hatten die CSU-Granden die Köpfe bereits am Vorabend zusammengesteckt und die jüngsten Entwicklungen analysiert. Die K-Frage werde sicher nicht heute, nicht morgen entschieden, sondern „zu gegebener Zeit“ von den beiden Parteichefs, bereitete Generalsekretär Markus Blume schon einmal den Boden für Söder.

„Mein Platz ist in Bayern“

Der feilte da noch an seiner Rede, fehlte also. Doch je länger der Abend im Oberhaus, desto deutlicher wurde, dass die Bayern energisch auf ihr Mitspracherecht in Berlin beharren. Und wer hat die besten Chancen? Bei den CSU-Granden gibt es eine klare Präferenz für Laschet und Respekt für Spahn, der plötzlich den Teamspieler gibt. Röttgen wird nicht zugetraut, das Rennen zu machen, Merz ebenso wenig: „Der ist abgehoben, weit weg vom Volk“, sagt einer aus dem Vorstand.

Wieder am Mittwoch in die Dreiländerhalle. Dort ist der Moment gekommen, in dem Söder noch einmal klarmacht, dass er gerne Kanzlerkandidatenmacher sein will – aber nicht Kandidat. „Hier stehe ich nun als Ministerpräsident. Ich kann nicht anders und ich will nicht anders.“ Er wolle hat nicht irgendwann durch Husum, Solingen oder Herne touren müssen. „Mein Platz ist in Bayern“, ruft Söder. Und dafür wird er in Passau gefeiert. „Zugabe, Zugabe“, skandiert die Menge zwischen Biertischen und Bänken.

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