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Der Unternehmer Sener Sahin steht nicht mehr für eine Kandidatur zur Verfügung.

Wallerstein

Blume-Intervention: CSU-Spitze will Rückzug von muslimischem Bürgermeisterkandidaten verhindern

Gegen den Kandidaten gab es Widerstand an der CSU-Basis weil er Muslim ist. Nun greift Generalsekretär Markus Blume ein – wahrscheinlich ohne Erfolg.

Update, 07.01.2020, 17.25 Uhr: Die CSU-Spitze will versuchen, den Rückzug eines muslimischen Bürgermeisterkandidaten in Schwaben doch noch zu verhindern. Generalsekretär Markus Blume habe von der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon aus Montagabend eine halbe Stunde mit ihm telefoniert, sagte der Unternehmer Seher Sahin der „Augsburger Allgemeinen“. „Er hat mir sogar angeboten, persönlich zur Nominierungsversammlung zu kommen, um die Vorurteile an der Wallersteiner CSU-Basis abzubauen“, sagte Sahin dem Blatt.

Der bisher parteilose Sahin sollte im schwäbischen Wallerstein Bürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl werden, wegen Widerstands der Parteibasis machte er aber einen Rückzieher. Unter anderem CSU-Chef Markus Söder erklärte darüber sein Bedauern.

Wallerstein: CSU-Kandidat Sahin bleibt wohl bei seiner Absage

Sahin sagte der „Augsburger Allgemeinen“, trotz der Bemühungen der CSU-Führung bei seiner Entscheidung bleiben zu wollen. „Mein Entschluss steht zu 99,999 Prozent fest.“ Das habe er auch Blume erklärt, der aber selbst in den verbleibenden 0,001 Prozent „noch ein wenig Hoffnung“ gesehen habe.

Auch der Vorsitzende des betroffenen CSU-Kreisverbands Donau-Ries, der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange, hat die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass Sener Sahin doch noch antritt. „Unsere Tür bleibt bis zum Schluss offen“, sagte Lange. Die Entscheidung falle aber in Wallerstein. Am Donnerstagabend stellt der dortige CSU-Ortsverband die Gemeinderatsliste auf. Inzwischen hat Sahin seine Kandidatur endgültig abgesagt(afp/tom)

Erstmeldung, 05.01.2020, 13.53 Uhr: Vor den bayerischen Kommunalwahlen ist der CSU-Ortsvorstand im schwäbischen Wallerstein mit dem Vorschlag eines muslimischen deutschen Unternehmers als CSU-Bürgermeisterkandidat an der eigenen Basis gescheitert. 

Nach heftigen Protesten aus dem CSU-Ortsverband zog der 44-jährige Sener Sahin seine Bewerbung zurück, wie er am Samstag auf Anfrage bestätigte. Zuvor hatte die „Augsburger Allgemeine“ darüber berichtet.

CSU: Scharfer Widerstand an der Basis

Sahin sei im vergangenen Jahr gefragt worden, ob er für die CSU antreten wolle, sagte der Ortsvorsitzende Georg Kling. Er hätte am nächsten Donnerstag in Wallerstein von der CSU nominiert werden sollen. Doch seit Bekanntgabe des Vorschlags im Dezember habe es in Teilen des Ortsverbandes scharfen Widerstand gegeben.

„Wir sind auf dem Dorf und wir sind noch nicht so weit“, sagte Kling schwer enttäuscht. Es sei immer wieder um seinen Glauben gegangen, sagte Sahin. Ein Muslim und die Christlich-Soziale Union passten nicht zusammen, hätten Parteimitglieder gesagt. Einige Kandidaten für die Gemeinderatsliste hatten Kling zufolge mit ihrem Rückzug gedroht.

CSU hat nun keinen eigenen Kandidaten mehr

Sahin besitzt in Wallerstein einen Maschinenhandel. Er lebt schon immer in der Region, wurde im nahen Nördlingen geboren und hat türkische Wurzeln. Mit seiner aus einer christlichen Familie stammenden Frau hat er zwei Kinder. „Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn die Mitglieder nicht hinter mir stehen, dann mache ich das nicht“, betonte Sahin. 

Er wolle nicht, dass der Ortsverband daran kaputtgehe. Die CSU hat Kling zufolge nun keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl am 15. März. (dpa)

Eindeutig rassistisch war auch die Aussage eines Lehrers in Hilden. „Dich hätte man früher vergast“, warf er einem Schüler mit Migrationshintergrund an den Kopf.

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