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Vor den Landtagswahlen ist die CSU-Führung offenbar nervös.

Vorwurf der versuchten Einflussnahme

CSU-Anruf beim ZDF sorgt für Wirbel

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Die CSU feierte ihren Parteitag, da passen Berichte über den SPD-Gegenkandidaten nicht ins Bild: Laut einem Zeitungsbericht hat der Pressesprecher der CSU versucht, einen ZDF-Bericht über die Konkurrenz zu verhindern. Parteichef Seehofer distanziert sich vorsichtig.

Parteisprecher kennen nur gute und sehr gute Nachrichten, dafür werden sie bezahlt. Wird in Presse, Funk und Fernsehen etwas Schlechtes über den politischen Gegner verbreitet, dann ist das eine gute Nachricht. Eine sehr gute Nachricht aber ist es, wenn gar nichts, kein Lebenszeichen und kein Sterbenswörtchen über den politischen Gegner in den Medien  Erwähnung findet. Und weil es nie genug sehr gute Nachtrichten geben kann, hat  - wie jetzt bekannt geworden ist  - der Parteisprecher der CSU vor einigen Tagen versucht, ihre Anzahl durch einen entschlossenen Anruf in der Heute-Redaktion des ZDF nachhaltig zu vermehren.

Denn es genügt nicht, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk über einen Parteitag der CSU am Freitag und Samstag morgens, mittags und abends in Nachrichten und Sondersendungen berichtet. So geschehen am vergangenen Wochenende, das – so hatte es der CSU-Sprecher Hans Michael Strepp geplant – ganz und gar der eigenen Partei gehören sollte. Aber das Wochenende erstreckte sich in diesem Falle auch auf den Sonntag, und da drohte die Kür Christian Udes zum Spitzenkandidaten der SPD im bevorstehenden Landtagswahlkampfdie öffentliche Aufmerksamkeit auf die politische Konkurrenz zu lenken.

Der Pressesprecher streitet alles ab

Das wäre eine schlechte Nachricht gewesen. Und schlechte Nachrichten kennt ein Parteisprecher nicht. Also griff Strepp laut Süddeutscher Zeitung zum Telefon und forderte vom diensthabenden Redakteur der Heute-Redaktion, um 19 Uhr kein Wort über den Landesparteitag der SPD zu verlieren. Warum? Erstens berichte darüber auch nicht die Tagesschau. Zweitens werde eine Zuwiderhandlung des ZDF „Diskussionen nach sich ziehen“.

Der treuherzige Einsatz des CSU-Sprechers ist kläglich gescheitert, möglicherweise hat das Ganze noch Konsequenzen. CSU-Chef Horst Seehofer sah sich schon zu einer Erklärung genötigt. Der Versuch einer Einflussnahme auf das ZDF werde von ihm nicht gebilligt, sagte Seehofer. "Wir sind eine tolerante Partei." Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass der Bericht über den Anruf laut Strepp so nicht stimme.

Die Tagesschau hat über die Spitzenkandidatur Udes berichtet, selbstverständlich auch das ZDF. Jetzt berichtet die Süddeutsche Zeitung, Strepp beteuere, dass er nie versucht habe, auf die Berichterstattung des Senders Einfluss zu nehmen. Natürlich nicht. Nichts liegt einem Parteisprecher ferner. Gewiss ging es Strepp nur darum, die Anzahl der sehr guten Nachrichten nach besten Kräften zu erhöhen. Das betrachtet er vermutlich als Dienst am Gemeinwohl. (mit dpa)

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