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Laut Bischofskonferenz soll Oppositionskandidat Martin Fayulu auf mehr als die Hälfte der Stimmen gekommen sein.

Demokratische Republik Kongo

Couragierte Bischöfe

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Im Kongo legt sich die Kirche mit der Regierung an: Sie ruft den Oppositionskandidaten zum Wahlsieger aus.

In der Demokratischen Republik Kongo bahnt sich eine dramatische Kraftprobe zwischen der mächtigen katholischen Kirche und der Regierung des zentralafrikanischen Staates an. Die Bischofskonferenz hatte Ende vergangener Woche bekanntgegeben, bereits über gesicherte Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen zu verfügen. Die explosive Erklärung der Kirchenführer wurde von der kongolesischen Regierung als „illegale Vorbereitung eines Aufstands“ gegeißelt.

Wenig später teilte die Wahlkommission mit, dass sich die Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse verzögere. Sie war ursprünglich für Sonntag angekündigt worden. Die Regierung suche ihrem Kandidaten Emmanuel Shadary noch verzweifelt eine Stimmenmehrheit zu schneidern, sagen Beobachter: eine Strategie, der die Bischöfe mit ihrer überraschenden Erklärung nun entgegengetreten seien.

Die überwiegende Mehrheit der 80 Millionen Kongolesen gehört der römisch-katholischen Kirche an: Sie ist die einflussreichste nichtstaatliche Organisation des Landes. Für die am 30. Dezember abgehaltenen Wahlen hatten die Bischöfe mehr als 40.000 Beobachter ins ganze Land geschickt: Sie übermittelten auch die Ergebnisse der rund 70.000 Wahllokale, auf deren Grundlage die Bischofskonferenz zu ihrem Urteil kam.

Ausländischen Diplomaten in Kinshasa legte die Kirchenführung unterdessen ihre Resultate vor: Danach soll Oppositionskandidat Martin Fayulu auf mehr als die Hälfte der Stimmen gekommen sein. Weit abgeschlagen dagegen Shadary und der ebenfalls oppositionelle Felix Tshisekedi mit je rund 20 Prozent der Stimmen. Dieses Ergebnis entspricht weitgehend den Resultaten von Wählerumfragen vor dem Urnengang. Außer der Regierung griff auch die ihr nahestehende Wahlkommission die Kirche scharf an: Sie vergifte die Bevölkerung und bereite „einen Aufruhr“ vor, den die Bischöfe zu verantworten hätten, heißt es in einem Brief des Kommissionspräsidenten Corneille Nangaa an die Kirchenführer. In den Kreisen um den nach 18 Regierungsjahren scheidenden Präsidenten Joseph Kabila herrscht nach einem Bericht des angesehenen Fachblatts „Africa Confidential“ derzeit helle Aufregung: Man habe erkannt, dass die Rechnung, Kabilas Strohmann Shadary trotz dessen Unbeliebtheit mit Manipulationen zum Wahlsieger zu machen, womöglich nicht aufgehen werde. In diesem Fall müssten Kabila und seine Freunde sogar um ihre Freiheit fürchten.

Zur Unterstützung ihres Kandidaten Shadary hatte die Regierung bereits im Wahlkampf sämtliche Instrumente aus der Trickkiste der Ergebnis-Schneider eingesetzt. Erst wurden die beiden populärsten Oppositionskandidaten, Moïse Katumbi und Jean Pierre Bemba, von der Wahl ausgeschlossen – dann ihr gemeinsamer Kandidat Martin Fayulu beim Wahlkampf behindert.

Sein Flugzeug erhielt keine Landeerlaubnis, sein Fahrzeugkonvoi wurde von der Polizei immer wieder in die Irre geleitet. Auch zahllose Unregelmäßigkeiten während der Wahl sollten Fayulu Schaden zufügen: Vor allem in oppositionellen Hochburgen funktionierten die Zählmaschinen nicht oder blieben die Wahllokale bis nachmittags geschlossen. Als unter der Bevölkerung die ersten Berichte eines Wahlsiegs Fayulus aufkamen, ließ die Regierung die Internetverbindungen kappen: So sollten „Unruhen“ vermieden werden, verkündete ein Regierungssprecher.

Wer den Machtkampf zwischen der Kirche und der Regierung schließlich gewinnen wird, hängt nicht zuletzt von der SADC ab – dem Südafrikanischen Staatenbund, in dem Angola und Südafrika eine dominante Rolle spielen. Neben der Afrikanischen Union durfte die SADC als einzige ausländische Organisation knapp 140 Beobachter in den Kongo senden: Von ihrem Urteil hängt nun ab, ob die Ergebnisse der Abstimmung im Ausland anerkannt werden oder nicht. Ein mutiges Urteil ist von den SADC-Beobachtern nicht zu erwarten: Sie gaben auch den Scheinwahlen des simbabwischen Autokraten Robert Mugabe immer wieder ihren Segen.

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