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Die meisten CO2-Emissionen Costa Ricas entfallen auf den Straßenverkehr. Das soll sich bald ändern.

Costa Rica

Gewinnerthema Energiewende

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Costa Rica löst sich zunehmend von der Kohle. Doch der Verkehrssektor macht Probleme.

Wie gut würde hierzulande ein Politiker oder eine Politikerin abschneiden, wenn er oder sie mit dem Versprechen in den Wahlkampf zieht, Deutschland als erstes Land der Welt vollständig zu dekarbonisieren? Vermutlich nicht so gut. In Costa Rica hingegen ist Klimaschutz ein Gewinnerthema. Bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr siegte der Mitte-Links-Politiker Carlos Alvarado damit haushoch. Mit seiner Ankündigung, das kleine Land zum Vorreiter in Sachen Klimaneutralität zu machen, holte er 61 Prozent der Stimmen.

Sicher, der Fünf-Millionen-Einwohner-Staat hat kaum Industrie. Schon 2009 hat sich das Land vorgenommen, klimaneutral zu werden. Seinen Strombedarf deckt Costa Rica seit Jahren fast komplett aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Wasserkraft. Gleichwohl ist Alvarados Vorhaben eine Herausforderung. Denn auch der Verkehrssektor soll künftig komplett ohne fossile Brennstoffe auskommen – und zwar schon ab 2021. Alvarado sprach von einer „titanenhaften und wunderschönen Aufgabe“. Passenderweise, schließlich ist die Zahl der Autos in dem Land in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen, so schnell wie in kaum einem anderen Land Lateinamerikas. Nach Regierungsangaben entfallen mittlerweile die meisten CO2-Emissionen Costa Ricas auf den Straßenverkehr.

Alvarado hat Anfang 2019 einen Nationalen Dekarbonisierungsplan vorgelegt. Doch statt 2021 wird nun das Jahr 2050 als Zielmarke genannt. Das bedeute nicht, dass Maßnahmen aufgeschoben werden sollen, versichert Costa Ricas Präsidialamt. Man habe nichts dagegen, wenn es schneller geht, heißt es von Regierungsvertretern.

Trotzdem gehört Costa Rica damit zu den Vorreitern, der Plan entspricht dem 1,5-Grad-Ziel des Paris-Abkommens. Er identifiziert zehn strategische Themenbereiche und legt für sie konkrete Zwischenziele fest. So soll etwa die Waldfläche Costa Ricas bis 2030 von derzeit 52 auf 60 Prozent anwachsen. Ab 2030 sollen alle neuen Gebäude energieeffizient geplant und gebaut werden, 20 Jahre später gilt dieser Standard auch für schon bestehende Gebäude. Die Methan-Emissionen aus organischen Abfällen sollen reduziert werden, auch eine grüne Steuerreform ist geplant.

Gleich die ersten drei Ziele sind für Verkehr und Mobilität definiert. Neben einem kräftigen Ausbau des nicht-motorisierten und des öffentlichen Verkehrs soll der Ausbau der Elektromobilität wichtigster Hebel sein. Allerdings ist der Nachholbedarf in Costa Rica immens. Im vorigen Jahr gab es dort erst 300 E-Autos.

Zwei Probleme bleiben. Derzeit sind die Einnahmen durch Steuern auf fossile Brennstoffe noch ein wichtiger Posten im Staatshaushalt. Wird der Verkehrssektor klimafreundlich umgebaut, ist Ersatz für diese Einnahmen erforderlich. Wie das geschehen soll, ist offen. Auch die starke Konzentration auf die Wasserkraft ist problematisch, da sie mit großen Umweltschäden einhergeht. Das El-Diquís-Staudamm-Projekt beispielsweise kommt seit Jahren nicht voran. Indigene Gruppen, deren Territorium überflutet werden würde, wehren sich. Dabei würde sich auch der Ausbau von Erdwärme-Anlagen und von Wind-, Solar- und Bioenergie anbieten.

Am Freitag (29.11.2019) ist weltweiter Klimastreik. Viele Artikel aus Hessen, Deutschland und der Welt finden Sie in unserem Klimaticker.

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