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Steigende Corona-Zahlen

„Lockdown Light“ in der Schweiz: Radikale Maßnahmen für Skigebiete beschlossen

In der Schweiz wünschen sich immer mehr Menschen aufgrund der Corona-Situation einen Lockdown. Die Regierung verkündet neue Maßnahmen.

  • Wegen steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus in der Schweiz, beschließt die Regierung striktere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.
  • Die Corona-Taskforce des Bundes fordert auch in der Schweiz einen raschen, harten Lockdown.
  • Expert:innen warnen vor Verdopplung der Corona-Infektionszahlen, falls es keinen Lockdown gibt.

+++ 16.35 Uhr: Der Bundesrat reagiert und beschließt neue Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in der Schweiz. Die Beschlüsse seien „einschneidend“, so Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Skigebiete und Geschäfte dürfen demnach weiter geöffnet bleiben. Die Gastronomie muss allerdings schließen. Sollte sich die Situation bis Anfang nächsten Jahres nicht bessern, müssten striktere Regeln folgen.

Die Beschlüsse entsprechen in etwa denen des „Lockdown Light“ in Deutschland, der Anfang November griff. „Die heute beschlossenen Maßnahmen haben in einzelnen Kantonen gute Wirkung erzielt“, verteidigte Sommaruga die Entscheidung, keinen „harten“ Shutdown zu verhängen

Corona in der Schweiz: Regierung beschließt neue Maßnahmen – Skigebiete dürfen geöffnet bleiben

Die Infektionszahlen in der Schweiz gehören zu den höchsten in Europa. Die Regierung hielt sich dennoch lange zurück, um mit strikteren Maßnahmen einzugreifen. Am Freitag wurden 4.478 neue Fälle mit dem Coronavirus und 120 Tote vermeldet. 2.849 Personen mit Covid-19 werden klinisch behandelt. Krankenhäuser, medizinisches und Pflegepersonal seien „am Anschlag“.

  • Die Maßnahmen gegen das Coronavirus für die Schweiz im Überblick (gültig ab 22. Dezember 2020, befristet bis zum 22. Januar 2021):
  • Die Gastronomie muss schließen. Auch für die Festtage um Weihnachten gibt es keine Ausnahmen. Geöffnet bleiben dürfen Betriebs- und Schulkantinen und Restaurants für Hotelgäste. Lieferdienste sowie Einrichtungen, die Essen zum Abholen anbieten, dürfen weiterhin öffnen.
  • Bei privaten Treffen sind maximal zehn Personen erlaubt. Im öffentlichen Raum dürfen 15 Personen an Treffen teilnehmen.
  • Freizeit- und Kultureinrichtungen werden geschlossen. Dazu zählen Museen, Kinos, Bibliotheken, etc.
  • Sportanlagen werden geschlossen. Einzel- und Gruppentrainings im Innenraum sind verboten. Sport im Freien darf in Gruppen aus maximal fünf Personen ausgeübt werden. Der professionelle Sport darf weitergehen, jedoch ohne Zuschauer:innen. Für Kinder unter Jugendliche unter 16 Jahren gelten Ausnahmen.
  • Skigebiete bleiben vorerst für Besucher geöffnet. Sie benötigen jedoch die Zustimmung des jeweiligen Kantons und müssen ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept vorlegen.
  • Die Kapazität in Läden wird eingeschränkt. Wie viele Personen Zutritt haben, hängt von der Ladenfläche ab. Zwischen 19 Uhr und 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen müssen sie geschlossen bleiben.
  • Discos und Tanzlokale müssen schließen.
  • Der Unterricht an Hochschulen soll aus der Ferne stattfinden.
  • Die Maskenpflicht wird ausgedehnt. Sie greift beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Geschäften, belebten
  • Kantone dürfen die Maßnahmen lockern, wenn es das Infektionsgeschehen erlaubt. Die Reproduktionszahl muss unter 1 liegen, die 7-Tage-Inzidenz unter dem Bundesdurchschnitt.
  • Schweizer:innen wird grundsätzlich empfohlen, zu Hause zu bleiben. Die Arbeit sollte, sofern möglich, im Homeoffice stattfinden.

Corona in der Schweiz: Bundesrat berät über möglichen Lockdown

Update vom 18.12.2020, 12:55 Uhr: Die Schweiz könnte schon bald Deutschland in einen harten Lockdown folgen. Am heutigen Freitag (18.12.2020) berät der Bundesrat in der Schweiz über eine Verschärfung der Maßnahmen. Nach Berichten der „Neuen Züricher Zeitung“ schwindet der Widerstand der Politik gegen härtere Regeln in der Corona-Pandemie. Neben einem Großteil der kantonalen Finanzdirektor:innen befürwortet inzwischen auch die Gesundheitskommission des Nationalrats die weitergehenden Einschränkungen. Noch vor einer Woche hatte diese den Bundesrat vor weiteren Maßnahmen gewarnt.

Um 13:30 Uhr soll es eine Pressekonferenz zu den Beschlüssen geben.

Erstmeldung: Bern – Während seit Mittwoch (16.12.2020) in Deutschland ein harter bundesweiter Lockdown gilt, zögert die Schweiz einen solchen Schritt weiter hinaus. Auch wenn seit vergangenem Wochenende eine Sperrstunde ab 19.00 Uhr greift - Skigebiete bleiben tagsüber ebenso geöffnet wie Bars, Restaurants und Geschäfte. Und die Zahl der Corona-Infizierten steigt weiter.

In der vergangenen Woche infizierten sich nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in der Schweiz 30.260 Menschen mit dem Coronavirus, 673 Menschen starben. Die Taskforce des Bundes fordert einen zweiten raschen Lockdown. Laut „NZZ“ warnte Patrick Mathys von der Sektion Krisenbewältigung im Bundesamt für Gesundheit, dass sich angesichts der Reproduktionszahl von 1,13 die Fallzahlen in weniger als einem Monat verdoppelten. In der Zentralschweiz sei eine Verdoppelung bereits innerhalb von zwei Wochen möglich, warnte er.   

Die Schweiz verzichtet bislang auf einen Corona-Lockdown. Skigebiete sind beispielsweise weiterhin geöffnet.

R-Wert der Corona-Infektionen in der Schweiz liegt bei 1,13

Bislang hat der Bundesrat den Kantonen laut „NZZ“ lediglich drei Maßnahmenpakete vorgeschlagen, die bei einer Verschlechterung der Corona-Lage ergriffen würden. Sofern sich die Situation in den nächsten vier Tagen nicht drastisch verschlechtere, sei ein kompletter Lockdown kurzfristig keine Option, heißt es in dem Bericht von Dienstag. Über die Verschärfung der Maßnahmen soll erst am 28. Dezember diskutiert werden, wenn bis dahin der R-Wert nicht unter 1 liegen und die Fallzahlen sinken würden. Das Maßnahmenpaket beinhaltet drei Eskalationsstufen: Die erste Stufe sieht die Schließung von Gastrobetrieben, Restaurants und Freizeiteinrichtungen vor. Die Maßnahmen der dritten Stufe kommen einem Lockdown gleich.

Lockdown wäre in der Schweiz gegen Corona laut Experten notwendig

Wie sehr ein einheitlicher Corona-Lockdown jedoch notwendig wäre, zeigt auch die Situation im Gesundheitswesen.  Auch die Krankenhäuser schlagen Alarm. Wie die Corona-Taskforce laut „NZZ“ mitteilte, waren am Dienstag 78 Prozent der Intensivbetten ausgelastet. 57 Prozent der Intensiv-Patienten seien mit dem Coronavirus infiziert. Immer mehr Intensivpatienten müssten in andere Regionen verlegt werden, heißt es im Bericht der „NZZ“. Es könnte zu einer Triage kommen.

Wie die „Tagesschau“ berichtet, sind laut einer Übersicht der Technischen Hochschule ETH Zürich in mehreren Kantonen die Intensivbetten bereits komplett belegt. Daher seien nicht zertifizierte Ad-hoc-Intensivbetten eingerichtet worden, doch auch die sind in mehreren Regionen zu mindestens 90 Prozent ausgelastet.

In einem Brief haben laut Tagesschau.de die Direktoren der fünf Universitätskrankenhäuser in der Schweiz auf die dramatische Lage aufmerksam gemacht und ihre Sorgen geäußert. Es brauche einheitliche, klare Entscheide, sagte Uwe Jocham von der „Insel Gruppe“, zu der das Universitätsklinikum Bern gehört. „Und es braucht eine Reduktion der Kontakte der Menschen untereinander. Und dafür braucht es auch einschneidende Maßnahmen. Ein Lockdown kann ein möglicher solcher Schritt sein.“

Kritik am fehlenden Corona-Lockdown in der Schweiz aus dem Ausland

Einen solchen fordert auch die Züricher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli. In einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger“ fordert sie den Bundesrat auf, spätestens am Freitag harte Maßnahmen zu ergreifen. Gastronomie-, Kultur-, Freizeit- und Betriebe aus dem Unterhaltungsbereich müssten geschlossen werden. Mit Einzelmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus unabhängig von einer Impfung, um es möglichst allen recht zu machen, müsse Schluss sein. „Wir haben keine Zeit mehr“, warnte sie. 

Kritik an dem Vorgehen der Schweiz äußert auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. „Die Schweiz zeigt, dass ohne konsequentes Handeln jeder Versuch, einen Kompromiss mit dem Coronavirus auszuhandeln, magisches Denken ist. Stattdessen gibt echte Tote und eine unfassbar anstrengende traurige Arbeit in den Kliniken, der Preis für den Kommerz“, schrieb er am Mittwoch auf Twitter. (uf)

Rubriklistenbild: © FABRICE COFFRINI/AFP

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