Eine Analyse

Wie Donald Trump und seine Anhänger das Coronavirus SARS-CoV-2 herunterspielen

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Die USA melden den ersten Coronavirus-Toten. Donald Trump indes versucht, die Situation herunterzuspielen. Eine Analyse. 

  • In den USA gibt es 67 bestätigte Fälle, in denen Menschen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert sind
  • Donald Trump spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung über das Virus als „Hoax der Demokraten“
  • Die Kritik an der US-Regierung in Sachen Coronavirus reißt nicht ab

US-Präsident Donald Trump ist kein Freund der Wissenschaft, das ist bekannt. Er verdreht Fakten und hält beispielsweise den Klimawandel für eine chinesische Erfindung, „um die amerikanische Produktion wettbewerbsunfähig zu machen“. Mittlerweile ist das Coronavirus SARS-CoV-2, das sich seit Januar 2020 in immer mehr Ländern ausbreitet, auch in den USA angekommen - und was macht Trump? Er spricht von einer „Falschmeldung“.

„Die Demokraten politisieren das Coronavirus“, erklärte Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. „Das ist ihr neuer Hoax“, so Trump weiter. Tatsächlich sei „die demokratische Politik der offenen Grenzen“ eine „direkte Gefahr für die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Amerikaner“ - und zwar „egal, ob es um das Virus geht oder um die vielen anderen Bedrohungen“.

Donald Trump spielt Gefahr des Coronavirus SARS-CoV-2 herunter

In den Tagen zuvor hatte Trump die Gefahr durch das Coronavirus SARS-CoV-2 immer wieder heruntergespielt: Das Risiko einer Pandemie sei „sehr niedrig“, erklärte er. Am Donnerstag (27.02.2020) sprach er von 15 Fällen in den USA, während es längst 60 bestätigte Fälle gab, berichtet der „Guardian“. Mittlerweile gibt es in den USA 67 bestätigte Fälle - darunter sind vier Fälle, bei denen der Infektionsweg ungeklärt ist. Eine infizierte Person ist am Samstag gestorben. „Das Virus wird verschwinden. Eines Tages ist es wie ein Wunder, es wird verschwinden“, erklärte Trump trotzdem kürzlich im Weißen Haus.

Auch Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow versuchte, die US-amerikanische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. „Wir haben es unter Kontrolle“, erklärte Kudlow am Dienstag (25.02.2020). „Es ist ziemlich luftdicht. Wir haben gute Arbeit geleistet in den USA.“ Und auch der rechtskonservative Radiomoderator Rush Limbaugh - der von Donald Trump gerade erst die „Medal of Freedom“ erhalten hat - versucht alles, um die Gefahr des Virus herunterzuspielen. „Das Coronavirus ist eine gewöhnliche Erkältung“, erklärte er seinen Zuhörern und betonte, dass das Coronavirus „gehyped“ werde und „als Waffe eingesetzt, um Donald Trump zur Strecke zu bringen“.

Coronavirus SARS-CoV-2 und Krankheit Covid-19: Donald Trump schimpft auf die Medien

Auf Twitter gibt sich Donald Trump ebenfalls große Mühe, die Gefahr durch das Coronavirus herunterzuspielen und - wie er es gerne tut - auf die Medien einzuschlagen: Sie täten „alles mögliche, um das Coronavirus so schlimm wie möglich aussehen zu lassen - inklusive panischen Märkten“, twitterte Trump.

Dieser kleine Hinweis auf die „Märkte“ dürfte ein Grund dafür sein, warum Trump das Coronavirus kleinredet: Das Trump-Team geht davon aus, dass die ökonomische Situation in den USA eine wichtige Rolle spielt bei einer möglichen Wiederwahl Trumps im November. Das Coronavirus hat jedoch bereits jetzt Auswirkungen auf die Weltwirtschaft: Der Dow Jones und auch der Dax fallen und es wird befürchtet, dass Unternehmen Probleme bekommen könnten, deren Zulieferer in China sitzen.

Kritik an US-Regierung für Umgang mit Coronavirus SARS-CoV-2

Mittlerweile gilt in den USA, dass offizielle Aussagen zum Coronavirus SARS-CoV-2 - selbst wenn es sich um wissenschaftliche Inhalte handelt - vom Büro des Vizepräsidenten Mike Pence autorisiert werden müssen. Pence koordiniert die Arbeit einer Coronavirus-Taskforce in den USA.

Die Bemühungen der US-Regierung, das Coronavirus SARS-CoV-2 einzudämmen, werden in den USA von Medien und Politikern kritisiert. CNN berichtet von Interviews mit 20 Quellen in Washington D.C. - darunter Politiker, Offizielle im Weißen Haus, Gesundheitsexperten und Diplomaten - die alle sehr besorgt seien über das Coronavirus und darüber, ob die US-Regierung überhaupt in der Lage sei, mit der Krise umzugehen.

Von Tanja Banner

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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