Corona-Pandemie erreicht Brasilien

Bolsonaro gegen Ausgangsbeschränkungen - Medien schürten „Hysterie“ 

  • Klaus Ehringfeld
    vonKlaus Ehringfeld
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Medien hatten über Corona-Infektion des brasilianischen Präsidenten berichtet.

  • Coronakrise hat auch Brasilien erreicht.
  • Bolsonaro sieht Einschränkungen des öffentlichen Lebens kritisch.
  • Bolsonaro äußert sich ähnlich wie Trump

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat die von einigen Städten und Regionen des Landes verhängten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zum Schutz gegen das Coronavirus scharf kritisiert. 

In einer Fernseh- und Radioansprache am Dienstag warf der rechtsradikale Politiker diesen regionalen und lokalen Behörden eine Politik der „verbrannten Erde“ vor. Er warnte vor Schäden für die brasilianische Wirtschaft. 

Zur Coronakrise äußert sich Bolsonaro ähnlich wie Trump

Bolsonaro beschuldigte auch erneut die Medien, „Hysterie“ wegen der Pandemie zu schüren. Brasilien sei aufgrund seiner im Schnitt jungen Bevölkerung und tropischen Temperaturen kein Terrain, auf dem sich der neuartige Erreger leicht verbreiten könne. Das Virus werde schon „in Kürze“ wieder aus dem Land verschwinden, führte Bolsonaro ins Feld. 

Brasilien müsse „zur Normalität zurückkehren“, forderte der Staatschef. Arbeitsplätze müssten erhalten und der Lebensunterhalt von Familien gesichert werden. Kurz vor Bolsonaros Ansprache hatte die Wirtschafts- und Finanzmetropole São Paulo eine weitgehende Ausgangssperre verhängt. 

Bolsonaro äußerte sich ähnlich wie US-Präsident Donald Trump, der ebenfalls eine rasche Rückkehr zur Normalität in seinem Land verlangt, um massiven Schaden für die heimische Wirtschaft abzuwenden.

Erstmeldung: 

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat am Freitagmittag Meldungen dementiert, er habe sich mit dem Corona-Virus infiziert. Damit widersprach er über die sozialen Netzwerke entsprechenden Meldungen, die kurz zuvor in brasilianischen und US-Medien kursierten.

Am Donnerstag hatten Ärzte bei Bolsonaros Kommunikationsminister Fábio Wajngarten und einem seiner Mitarbeiter die Covid-19-Erkrankung festgestellt. Daraufhin hatten sich Bolsonaro, seine Familie und das gesamte brasilianische Kabinett testen lassen. Nach ergänzenden Angaben seiner Frau Michelle ist die gesamte Familie negativ getestet worden.

Laut Fox News und der brasilianischen Zeitung „O Dia“ aus Rio de Janeiro hatte angeblich Bolsonaros Sohn Eduardo die Diagnose bestätigt. Bolsonaro aber wollte sich noch am Freitag weiteren Tests unterziehen, um eine Erkrankung ganz sicher auszuschließen. Der brasilianische Aktienindex Bovespa sank und stieg am Freitag im Rhythmus der Meldungen über Bolsonaros Erkrankung. Am Vormittag hatte er noch mit einem Plus von 15 Prozent eröffnet, war dann aber um zwölf Prozent abgestürzt, als die Meldung der möglichen Erkrankung des Präsidenten durchsickerte.

Bolsonaro war noch vor wenigen Tagen in den USA gewesen und hatte sich mit US-Präsident Donald Trump getroffen. Dort aß er noch mit Trump in dessen Privatklub Mar-a-Lago in Florida zu Abend. Wajngarten war auch dabei Die beiden spielten Golf, Trump schüttelte viele Hände. Die Botschaft war klar: Coronakrise? Nicht bei uns.

Offenbar ist Trump selbst nun aber verängstigt. Nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN sei er „sehr besorgt“, er könne sich bei seinem brasilianischen Besuch angesteckt haben.

In Brasilien gibt es mindestens 150 Infizierte, zudem mehr als 1400 Verdachtsfälle. Am Donnerstagabend (Ortszeit) wandte sich der Präsident dann über die sozialen Netzwerke live an die Bevölkerung. Er trat gemeinsam mit seinem Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta auf, beide trugen einen Mundschutz. Der rechtsradikale Staatschef rief seine Landsleute nun dazu auf zu verhindern, „dass es eine Explosion infizierter Menschen“ gebe. „Dafür ist unser Gesundheitssystem nicht ausgerüstet“.

Demonstrationen abgesagt

Bolsonaro rief auch dazu auf, die für Sonntag geplanten Demonstrationen zu seiner Unterstützung abzusagen. Es wäre „unverantwortlich“. Kurz danach sagten die beiden veranstaltenden ultra-rechten Gruppen die Proteste ab, die gegen den Kongress und das Oberste Gericht gerichtet gewesen wären. Mit den Massendemos sollten die beiden Verfassungsinstitutionen dazu gezwungen werden, die von Bolsonaro angestoßenen Reformen durchzuwinken. Bolsonaro und sein Superminister Paulo Guedes wollen eine Steuer- und Gemeindereform sowie weitere neoliberale Veränderungen durchbringen. Aber sie stoßen dabei auf Widerstand von Justiz und Parlamentariern.

Die für Sonntag geplanten Demos seien der Versuch Bolsonaros und seiner Unterstützer, einen „Staatsstreich von oben“ auf den Weg zu bringen, hatten Kritiker gewarnt. Die Schriftstellerin Eliane Brum sagte: „Bolsonaro verkörpert den modernen Putschisten des 21. Jahrhunderts“. Er gehöre wie andere autoritäre Herrscher zu denen, die demokratisch gewählt wurden, um dann die Demokratie abzuschaffen.

Von Klaus Ehringfeld

Rubriklistenbild: © picture alliance/Alan Santos/Pr/Prensa Planalto

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