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Beeinflusst die AfD das Corona-Impfverhalten im Osten?
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Beeinflusst die AfD das Corona-Impfverhalten im Osten?

Pandemie in Deutschland

Coronavirus: Warum im Osten weniger geimpft wird und welche Rolle die AfD spielt

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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In Ostdeutschland lassen sich die Menschen weniger impfen. Fachleute warnen vor einer besonders starken vierten Welle im Osten.

Berlin - Aktuell sind 61,7 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen geimpft (Stand 08.09.2021). Zu wenig, ist die gängige Meinung von Fachleuten, zumal unter den Nicht-Geimpften die Corona-Inzidenzen besonders hoch sind. Und vor allem sie sind es auch, die stationär in den Krankenhäusern behandelt werden müssen.

Daher sollen sich möglichst schnell immer mehr Menschen impfen lassen - oder es wird ein schlimmer Corona-Herbst. Auch der Virologe Christian Drosten mahnt angesichts der unbefriedigenden Impfquote, ebenso der Ostbeauftragte Marco Wanderwitz. Ziel sei schließlich ein Ende der Pandemie und dies sei mit der derzeitigen Corona-Impfquote nicht zu erreichen. Auffallend ist, dass sich insbesondere in Ostdeutschland weniger Menschen impfen lassen. Schlusslicht Sachsen etwa liegt fast 20 Prozentpunkte hinter Spitzenreiter Bremen.

Wie kommt es, dass die Impfskepsis im Osten größer ist als im Westen? Und was lässt sich tun, um dem entgegenzusteuern?

Corona-Impfungen: Ostdeutschland ist impffaul

Wie hoch sind die Corona-Impfquoten im Osten Deutschlands?

Folgt man den Zahlen des Robert Koch-Instituts, waren in Sachsen bis einschließlich Mittwoch (08.09.2021) 52,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft - in Bremen waren es bereits 71,6 Prozent. Unter dem Bundesdurchschnitt (61,7) lag auch Brandenburg mit 56,0 Prozent, ebenso Thüringen mit 56,3 und Sachsen-Anhalt mit 58,3 Prozent. Auch Mecklenburg-Vorpommern erreichte mit 60,3 Prozent nicht den Durchschnitt.

Woran liegt diese Impfmüdigkeit?

Marco Wadewitz, Ostbeauftragter und selbst gebürtiger Sachse, spekulierte schon Mitte August in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Es gibt zwischen der Zustimmung für die AfD und Impfablehnung einen klaren Zusammenhang. Er lässt sich nicht wegdiskutieren.“ Als der CDU-Politiker jetzt abermals vor „dramatischen Verhältnissen“ durch steigende Inzidenzen im Osten warnte und „strengere Maßnahmen für Ungeimpfte“ andeutete, hielt der thüringische AfD-Fraktionschef Björn Höcke dagegen: „Der Mann hat vom Osten keine Ahnung: Ja, hier leben freiheitsliebende Menschen, die von Bevormundung ein für alle Mal die Nase gestrichen voll haben und die selbstbestimmte Entscheidungen über ihr Leben sowie ihre Gesundheit treffen - und das ist sehr gut so!“

Welche Rolle spielen AfD-Anhänger:innen im Osten bei der niedrigen Impfrate?

In Sachsen finden sich nach der Studie „Covid-19 in Sachsen“ der Technischen Universität Dresden vom Juni überdurchschnittlich viele Menschen, die Impfungen skeptisch gegenüberstehen. Ganze „12 Prozent geben sogar an, ‚sich auf keinen Fall‘ impfen zu lassen“, im Vergleich zu knapp fünf Prozent bundesweit. Und es seien eben „jene Sächsinnen und Sachsen, die sich selbst rechts der Mitte verorten oder der AfD zuneigen, weit häufiger der Auffassung, sich selbst ‚eher nicht‘ oder ‚auf gar keinen Fall‘ impfen zu lassen“. Studienautor Hans Vorländer differenziert auch regional innerhalb des Bundeslands. „Es ist offensichtlich, wenn man sich die Wahlergebnisse anschaut: In den Regionen Sachsens mit höheren AfD-Anteilen ist auch die Impfskepsis verbreiteter“, sagte Vorländer der dpa.

AfD-Wähler:innen häufiger Corona-Impfskeptiker?

Könnte die Impfskepsis nicht auch eine andere Lösung haben?

Es gibt auch Fachleute, die sich zurückhaltend zu den Ursachen der niedrigen Impfquoten äußern. Das Robert Koch-Institut erklärte auf Anfrage nur: „Hier können wir nicht weiterhelfen. Wir können auch nicht über die Entwicklung spekulieren.“ Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen sind die Ursachen „empirisch nicht belegt.“ Sprecher Matthias Streit mutmaßte, es spielten sicherlich mehrere Punkte eine Rolle, etwa die Impfbereitschaft in einzelnen Regionen und das Pendeln.

Auch der Hamburger Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg kann keinen klaren Grund nennen, „warum das im Osten abweicht“. Die Datenlage sei schwach, die Zahl der im Osten Befragten im regelmäßigen Survey seines Hamburg Center for Health Economics zu gering. Einen Zusammenhang sieht Schreyögg aber mit Zweifeln an der Qualität der Corona-Impfstoffe: „Vor allem im Osten sagen in unserem Survey nur 54 Prozent, dass sie Vertrauen in die Impfstoffsicherheit haben.“ Im Westen und Norden Deutschlands sind es laut Umfrage 64 Prozent. „Auch strukturelle Aspekte könnten eine Rolle spielen, also das Impfangebot etwa bei Ärzten oder in Impfzentren“, erklärte der Wissenschaftler. Doch fehlen nach seinen Worten auch dazu Daten. Vertrauen und Impfquote sind übrigens auch in Bayern vergleichsweise niedrig.

Corona-Impfverweigerer: Es gibt ein Muster an Widerständigkeit im Osten

Welche Folgen hat die niedrige Corona-Impfrate?

„Wenn die Impfquote so niedrig bleibt im Osten, aber auch in einigen Landkreisen in Bayern, dann wird sich das sich selbstverständlich auswirken auf die Inzidenzen“, ist sich Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg sicher. Schließlich sehe man nun „primär eine Inzidenz der Ungeimpften“. Das RKI weist derzeit für die östlichen Bundesländer Fallzahlen unterhalb des Bundesdurchschnitts aus – was aus Sicht des sächsischen Sozialministeriums eine mögliche Erklärung für das geringere Interesse an Impfungen sein könnte. Der vergangene Herbst und Winter zeigte aber vor allem in Sachsen und Thüringen, dass sich die Lage rasch verschlechtern kann.

Wo kann die Politik jetzt ansetzen?

„Impfen, impfen, impfen“, das Mantra der Politik hält auch der Dresdner Politikwissenschaftler Vorländer für richtig. Unkomplizierte Impfangebote seien hilfreich, etwa vor dem Fußballstadion in Aue oder bei Ikea - vielleicht hilft ja auch als Motivationshilfe die kostenlose Bratwurst. Nach Ende der Schulferien in Sachsen könnten jetzt auch die Corona-Impfraten zulegen, vermutete Vorländer. „Aber es gibt die hartgesottenen Gegner des Impfens, die Hardcore-Kritiker der gesamten Maßnahmen, die wird man kaum erreichen“, sagte Vorländer. Es gebe ein „Muster an Widerständigkeit“ etwa im Erzgebirge. Das zu überwinden werde außerordentlich schwierig. „Gegen die Hartgesottenen kommen Sie nicht an.“ (ktho/dpa)

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