Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Passant:innen in London.
+
Passant:innen in London.

Großbritannien

Mutiertes Coronavirus grassiert in Großbritannien: Alarmstufe Rot

  • Sebastian Borger
    vonSebastian Borger
    schließen

In Großbritannien grassiert eine deutlich ansteckendere Mutation des Coronavirus. Deutschland und andere Länder schränken die Reiseverbindungen ein.

  • Die Briten haben nach Auftreten des mutierten Coronavirus den Lockdown verschärft.
  • Auch in Italien ist das Virus aufgetacuht.
  • Zahlreiche Länder verhängen einen Einreisestopp.

London - Nach tagelangem Zögern hat die britische Regierung am Samstag die geplanten Weihnachtserleichterungen weitgehend abgesagt. Zusätzlich gelten seit Sonntag in London und seinem Speckgürtel harte neue Einschränkungen. Besonders im englischen Südosten waren die Infektionsraten zuletzt alarmierend angestiegen. Premier Boris Johnson brachte zur Begründung seines Kurswechsels eine Mutation von Sars-CoV-2 ins Spiel. „Als Premierminister bin ich der festen Überzeugung, dass mir keine Wahl bleibt“, sagte er.

Eindämmung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihre europäischen Mitgliedstaaten angesichts einer neuen Variante des Coronavirus in Großbritannien zu einer Verschärfung ihrer Pandemieregeln aufgerufen. „In Europa, wo die Übertragung hoch und weit verbreitet ist, müssen die Länder ihre Kontroll- und Vorbeugemaßnahmen verstärken“, sagte eine Sprecherin der europäischen Sektion der UN-Organisation am Sonntag, nachdem der britische Gesundheitsminister Matt Hancock gewarnt hatte, dass das neue Virus „außer Kontrolle“ sei.

Jenseits von Großbritannien wurden bisher elf Fälle der Mutation gemeldet, die deutlich ansteckender sein soll als das bisherige Virus – neun in Dänemark und jeweils einer in den Niederlanden und Australien.

Mehrere europäische Länder kündigten daraufhin an, Flug- und Zugverbindungen aus Großbritannien fürs Erste einzuschränken oder gleich komplett zu kappen. Die ersten am Wochenende waren die Niederlande und Belgien, es folgten Italien und Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron berieten am Sonntag mit den Spitzen der EU ein gemeinsames Vorgehen in dieser neuen Krise. An dem Gespräch nahmen auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und Ratspräsident Charles Michel teil. Die Initiative für den koordinierten Umgang mit der Mutation ging von EU-Mitglied Spanien aus.

Die britische Regierung verhängte in London und Südostengland eine Ausgangssperre, während Premierminister Boris Johnson damit zu beruhigen versuchte, dass nach bisherigen Erkenntnissen die Mutation nicht tödlicher sei oder zu schwereren Verläufen führe. Es gebe auch keine Hinweise, dass die Wirksamkeit von Impfstoffen nun beeinträchtigt werde, sagte Johnson.

In Deutschland ist das veränderte Virus nach Angaben von Christian Drosten bisher nicht aufgetaucht. Die Verbreitung könne Zufall sein, schreibt der Virologe der Berliner Charité auf Twitter. Die Mutationen verschafften dem Virus „nicht zwingend“ einen Selektionsvorteil – dieser kann dazu führen, dass sich ein Virus leichter ausbreitet. (dpa/afp)

Corona in Großbritannien: Mutation des Virus soll deutlich ansteckender sein

Die Mutation mit dem Namen VUI-202012/01 sei bereits im September erstmals in der Grafschaft Kent beobachtet worden, teilte Gesundheitsminister Matthew Hancock mit. Offenbar beschleunigt diese Variante die Übertragung des Virus um bis zu 70 Prozent, ist schwieriger nachzuweisen, führt aber nicht zu schwereren Erkrankungen. In London sei die Variante Mitte November für 28 Prozent der Covid-19-Fälle verantwortlich gewesen, inzwischen betrage ihr Anteil bereits 62 Prozent. Dies wäre eine Erklärung dafür, warum beispielsweise in der Region Medway östlich von London die Infektionsrate trotz eines vierwöchigen Lockdowns im November von 175 auf zuletzt 736 Fälle pro Woche explodierte.

Die für England zuständige Zentralregierung hatte sich im November mit den Verantwortlichen der Regionen Nordirland, Schottland und Wales auf eine einheitliche Lockerung sämtlicher Regeln für die fünf Tage vom 23. bis zum 27. Dezember geeinigt. Unter dem Druck hochschnellender Infektionszahlen sowie verzweifelter Warnungen von Wissenschaftler:innen war die Einheitsfront bereits in den vergangenen Tagen gebröckelt. Wales zog einen für den 28. Dezember geplanten sechswöchigen Lockdown auf den gestrigen Sonntag vor. Nordirland geht bereits vom zweiten Weihnachtsfeiertag in einen erneuten Lockdown. Die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon verbot sämtliche Reisen zwischen ihrer Region und dem Rest des Landes. Hingegen hatte Johnson noch am Freitag am fünftägigen „Virus-Urlaub“ festgehalten.

Flucht vor Corona: Virus-Mutation in Großbritannien führt zu vollen Bahnhöfen

Seit Sonntag befindet sich nun der Südosten Englands in der neu eingeführten Covid-19-Alarmstufe 4, die einem Lockdown gleichkommt. Die Menschen dürfen sich weder im Haus noch im privaten Garten gegenseitig besuchen. Pubs und Restaurants, Fitnessstudios und Theater bleiben geschlossen. Für Beerdigungen gilt eine Obergrenze von 30 Trauernden, Hochzeiten gibt es nur für Todkranke, Gottesdienste nur ohne Gesang. Reisen von und nach London sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Was er den Reisenden mit gepackten Koffern raten würde, wurde der ärztliche Chefberater der Regierung am Samstag gefragt. „Bitte packen Sie die Koffer wieder aus“, antwortete Christopher Whitty. Stattdessen waren die Ausfallstraßen der Metropole binnen kurzem verstopft, späte Flüge nach Paris blitzschnell ausverkauft. Tausende Londoner:innen eilten zu den Bahnhöfen, wo teilweise chaotische Zustände herrschten.

Die Menschen hätten „völlig unverantwortlich“ gehandelt, kritisierte Verkehrsminister Grant Shapps und beorderte zusätzliche Polizeikräfte an die Bahnhöfe.

Weihnachten in Großbritannien: Corona-Mutation wirft Pläne über den Haufen

Die Medien des Landes nahmen die Entscheidung überwiegend als notwendig hin, übten aber teils scharfe Kritik am Vorgehen der Regierung. Es handele sich um „die richtige Entscheidung – getroffen zur falschen Zeit und auf falsche Weise“, schrieb der linksliberale „Observer“. Johnson sei „der erste Regierungschef seit Oliver Cromwell“ zur Mitte des 17. Jahrhunderts, der Weihnachten absage, empörte sich das konservative Boulevardblatt „Sun on Sunday“: „Millionen von Briten werden zu Recht wütend sein, dass ihre Pläne über den Haufen geworfen wurden.“

Beim voraussichtlich letzten parlamentarischen Schlagabtausch des Jahres am Mittwoch hatte Johnson noch den Labour-Oppositionsführer Keir Starmer verhöhnt, als dieser Zweifel am Vorgehen der Regierung anmeldete. „Wenn er wenigstens den Mut hätte zu sagen, dass er Weihnachten absagen will“, rief der Konservative. Drei Tage später vollzog er – nicht zum ersten Mal – nach, was Wissenschaft und Opposition forderten. Er finde es „unglaublich frustrierend“, sagte Starmer am Samstag, dass die Regierung keine Führungskraft zeige: „Millionen von Familien wird das Herz brechen, weil ihre Weihnachtspläne im Eimer sind.“ (Sebastian Borger)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare